zwängte mich durch einen dichten Knäuel von Bäuerinnen und schlüpfte ungeachtet ihrer erzürnten Mienen und Reden hinein in die Kirche . Eine tiefe Stille war hier trotz der großen Zahl der Betenden , und man hörte nichts als das Fallen der Rosenkranzperlen und das Knistern seidener Schürzen und Kopftücher . Nur manchmal begann irgendein Weiblein zu seufzen oder zu hüsteln , oder es entstand ein kleines Geräusch durch eine abrinnende Opferkerze . Ich empfand diese Stille und die Schwüle in dem winzigen , vollgepfropften Raum ganz beängstigend und suchte , da mir zudem auch jeder Blick auf den Altar durch die Erwachsenen unmöglich war , in die Nähe desselben zu gelangen . Ich schob mich daher bald hier , bald dort an einer seidenen Schürze vorbei , trat wohl auch manchmal einem oder dem andern auf die Zehen , bat diesen oder jenen Bauern , mich durchzulassen , und brachte es am Ende zustande , daß ich mich an der Stufe des Hochaltars befand . Heißa ! Riß ich da die Augen auf ! In einem magischen roten Licht , umgeben von goldgeflügelten Cherubinen und kleinen Engeln , die auf rosenrot leuchtenden Wolken schwebten , stand die Mutter mit dem Kind . Beide trugen goldene , steingeschmückte Kronen und reichverzierte Prunkmäntel ; insonderheit der schwere , weitausgebreitete Purpurmantel unserer lieben Frau erregte in mir Staunen und Verwunderung . Das Bild schien mir zu schweben , und bei dem unsteten Schein der vielen Kerzen glaubte ich fast , es lebe ; denn es stand frei , hoch über dem Altar , und hielt ein Zepter mit so lieblicher Gebärde , wie nur ein lebendes Wesen dies tun kann . Und ich dachte , wie es doch möglich gewesen wäre , ein solch köstliches Werk zu schaffen und aus dem ungefügen Holz zu schneiden ; denn der Weidhofer hatte mir erzählt , daß es holzgeschnitzt und bemalt sei . Und mit einem Male trat ein Wunsch auf meine Lippen , an den ich noch nie zuvor gedacht : Ich möchte ein solcher Meister werden , wie der dieses Bildes einer gewesen . Inbrünstig sagte ich ihn drei- , viermal vor mich hin , und das letztemal muß ich es wohl laut getan haben ; denn eine Stimme hinter mir flüsterte erzürnt : » Bist net glei stad ! « Ich wandte erschreckt den Kopf , und es war mir , als sei ich aus einem Himmel gerissen worden ; die ganze Andacht war dahin , und ich dachte an nichts mehr , als wie ich am schnellsten aus den Augen dieser Menschen käme . Da trat eine dicke Bäuerin vor und legte mit vielen Kniebeugen und ehrfürchtigen Gebärden eine dicke Kerze und ein verschnürtes Päcklein auf den Altar . Sogleich folgten noch etliche , und ich erinnerte mich dabei , daß ich nun auch mein Opfer hinlegen müsse . Also holte ich erst meine Silbergroschen aus dem Sack und legte sie abseits von den andern Gaben auf den Altar ; sodann band ich das Tuch auf und wollte schon das Wachs herausnehmen . Aber da fiel mir ein , daß ich auch etwas zu beten hätte , und ich sagte nun , indem ich das Tüchlein geöffnet mit beiden Händen hielt , was mir meine Kostmutter aufgetragen ; dann leerte ich es zu meinen Groschen aufs Altartuch und drückte mich hierauf durch die Menge wieder dem Ausgange zu . In diesem Augenblick krachten wieder die Böller , läuteten die Glocken , und ein Chor sang das Pange lingua , begleitet von Posaunen und Geigen . Auf dem freien Platz hinter der Kapelle war ein Altar und eine Kanzel errichtet worden , und eben gab der Pfarrer den Segen mit dem Allerheiligsten . Nun strömte alles herbei ; die Kapelle und der Wandelgang leerten sich , und die Menge lagerte sich auf Felsblöcken oder im Grase und hörte auf die Worte des Evangeliums . Da dachte ich bei mir , daß es nun wohl besser sein möchte , wenn ich wieder in die Kapelle ginge ; denn ich verstand damals noch nicht gar viel von Predigten und mußte nicht selten dabei dem Schlaf wehren . Also trat ich abermals ins Kirchlein und setzte mich betrachtend und staunend in die vorderste Bank ganz nahe der Mauer , die mit Gemälden und Bildern überreich geschmückt war . Und wieder überkam mich dieses seltsame Gefühl , und ich betete und wünschte , daß ich immer in einem solch heiligen Haus weilen könne . Dabei schaute ich starr auf das Bild der Mutter , deren liebliches Gesicht durch das flackernde Licht bald zu lächeln , bald zu trauern schien ; und ich merkte nicht , wie eine verborgene Tür sich drehte und ein Arm sich herausstreckte . Da klirren meine Silbergroschen am Altar ; ich blicke hin und sehe , wie eine rote Hand sie zusammenrafft und mit ihnen verschwindet . Gleich darauf erscheint sie wieder und packt auch das übrige ; ich stoße einen Schrei aus und stürze aus der Kirche und davon , fest überzeugt , daß der Teufel leibhaftig der Mutter Gottes ihre Gaben geraubt . Mein Entsetzen war so groß , daß ich ohne Besinnen die Holzstiege hinablief , mitten durch die andächtig der Predigt lauschende Menge , und weder sah noch hörte , als etliche mich anschrien und versuchten , mich aufzuhalten . Durch ein felsiges Tal sprang ich dahin und hielt nicht inne , bis ich , schweißbedeckt auf einer einsamen , sumpfigen Wiese angelangt , bei jedem Tritt tief in dem nassen Moor versank . Das bestärkte mich noch in dem festen Glauben , daß hier der Böse umgehe und besonders mir Verderben bringen wolle ; und ich begann , mich zu bekreuzen und unsere liebe Frau anzurufen . Der Frost schüttelte mich , und es peinigte mich ein großer Durst , während ich langsam einen Fuß um den andern durch den Morast zog . Nach geraumer Weile wurde der Boden wieder fester , und ich kam endlich auf einen