unseres Dreiecks . Mit dem Retter dauert es übrigens meist nicht lange . Er wünscht selbstredend eine seriöse Dauersache , und man lehnt tragisch ab : zu spät - man kennt sich selbst zu gut - leider - es bringt niemandem Glück , mich zu lieben - besser , man geht seinen dornenvollen Pfad alleine weiter , bis es ein Ende mit Schrecken nimmt . Oft wünscht der Retter sich ein Kind - gerade von dieser Frau - ich weiß nicht warum , vielleicht weil sie dann in seinen Augen ganz anders dastehen würde - und er nimmt es übel , wenn sie lieber darauf verzichtet . In diesem Fall würde er sie als Ehrenmann selbstverständlich heiraten , sie dürfte auch um des Kindes willen nicht nein sagen . Einer von meinen Rettern wollte mich auch ohne Kind heiraten ; er war verlobt , als wir uns kennenlernten , und löste dann seine Verlobung auf . Stellen Sie sich meinen Schrecken vor , als er mir das freudestrahlend mitteilte - wir trafen uns im Bahnhof , um aufs Land zu fahren - ich war geradezu entsetzt . Gott sei Dank wurde er daraufhin an mir irre , und ich fuhr nicht mit ihm aufs Land , sondern ohne ihn nach Hause . Daher stammt wohl auch meine Idiosynkrasie vor Ausflügen . Diese Art Menschen wollen ja auch immer ein volles Glück , wenn sie heiraten , und das hätte er an meiner Seite schwerlich gefunden . Die Idee vom vollen Glück hat für mich immer etwas so Trostloses , Bedrückendes . Es klingt so peinlich definitiv , als ob dann alles vorbei wäre , wie wenn man sich schon bei Lebzeiten seinen Sarg bestellt . Nur als Backfisch habe ich auch eine Zeitlang davon geträumt : Eines schönen Tages wird man heiraten , und dann ist man glücklich , die Sache ist erledigt . Aber dann wieder - ich erinnere mich deutlich an einen Ball im Elternhause , wo ich zum erstenmal mittanzen durfte und meine Gefühle in großer Verwirrung waren . Ich war vierzehn Jahre alt , die Tänzer behandelten mich wie eine erwachsene Dame , nannten mich Sie und sagten mir schöne Sachen . Und in drei von ihnen war ich zum Sterben verliebt . Ich sehe sie noch vor mir , alle drei waren sehr elegant und trugen die modernsten Stehkragen - ich weiß nicht , warum gerade die Kragen mir so viel Eindruck machten . Zwei waren brünett und einer blond . Die beiden Brünetten gefielen mir beinah noch besser , aber ich liebte auch den Blonden . Und ich weiß noch so gut , wie ich damals dachte , daß man doch immer nur einen Mann heiraten könnte ; wenn man nun aber dreie liebt - was dann ? Die Frage hat mir viel Kopfzerbrechen gemacht . - Übrigens trugen sie alle drei Zwicker - ich hätte mich dazumal nie in einen Mann ohne Zwicker verliebt , er wäre mir nicht ganz vollständig vorgekommen . Sehen Sie , all diese armen Leute mit dem vollen Glück werden doch nur einmal wirklich glücklich , und wir werden und sind es so oft . Daß wir es nicht ewig bleiben - nun , daran glaube ich auch bei den anderen nicht recht . Der Rausch verfliegt , und was dann ? - Die Räusche verfliegen auch , aber es kommen neue . Mein lieber Freund , der Retter ist ein unlustiges Thema - er fällt auf die Nerven , auch wenn man nur von ihm spricht . Er wirkt wie eine schwüle Atmosphäre , der man so bald wie möglich wieder entrinnen möchte . Also - ich entrinne hiermit Ihnen , den Rettern und dem Briefschreiben . Hätte ich doch immer einen so guten Vorwand , wenn ich nicht mehr schreiben mag . 5 Ich bitte Sie , liebster Doktor , schelten Sie nicht schon wieder über meine Zerstreutheit - gerade Sie haben verhältnismäßig wenig darunter zu leiden gehabt , ich verwechsele Sie schon längst nicht mehr mit anderen Bekannten - ich weiß immer , wer Sie sind und wie wir miteinander stehen . Sie können beim besten Willen nicht begreifen , daß ich Frau N ... , mit der wir einen so netten Abend verlebten , nicht wiedererkannte ? Damen erkenne ich fast nie wieder , sie sehen doch jedesmal anders aus - andere Toiletten , andere Hüte , andere Begleiter ... Und der nette Abend hat Ihnen anscheinend mehr Eindruck gemacht als mir . Du liebe Zeit , ich habe mehr als einmal Leute nicht wiedererkannt , mit denen ich noch viel nettere Abende verlebt hatte - und die es mir tödlich übelnahmen . Ihr Brief gefällt mir überhaupt nicht sehr , er klingt etwas trübselig und verstimmt . Und ich bin gerade so guter Laune , so ohne jeden Grund seelenvergnügt . Das ist bei mir ja öfters der Fall , und ich weiß schon , daß es manche Mitmenschen geradezu irritiert . Sie nehmen Ärgernis daran , daß man ohne Anlaß glücklich ist , um so mehr , wenn man infolge aller möglichen Lebensumstände Grund genug hätte , sich unglücklich oder wenigstens unbehaglich zu fühlen . Aber sei dem , wie es will - ich kann diese schwarze Stimmung bei Ihnen nicht ausstehen - mich macht es wiederum nervös , wenn ich jemand ohne schwerwiegende Veranlassung Trübsal blasen sehe . Und ich habe den edlen Vorsatz , Sie ein wenig zu trösten . Wären Sie hier , dann könnte ich Ihnen doch wenigstens die Falten von der Stirn streichen oder - je vous donnerais une de ces heures , qu ' un homme n ' oublie jamais . ( Diese hübsche Wendung ist leider ein Plagiat , ich habe sie irgendwo gelesen . ) Aber Sie sind nicht da und grollen nur irgendwo in der Ferne , weil ich Frau N ... gegenüber einen so heillosen faux pas begangen habe . - Schade , daß Sie nicht dabei waren , wie ich sie