Ein rostroter Haarbusch überflammte die ganze Erscheinung . Die Augen waren blank und schwarz , mit länglichen Pupillen und schienen von den dünnen , rötlichen Brauen , wie mit eilig schrägem Zug , skizzenhaft überstrichen . Der Teint war etwas sommersprossig . Der Mund zeigte dieselbe dünne , gerade Linie , wie bei Stanislaus . Hier glichen sich die Geschwister . Und als sie mit Edda lächelnd plauderten , kam mit diesem Lächeln , das die blanken Zahnreihen freilegte , die Gesichter belichtete , ihre Ähnlichkeit zutage . Olga trug ein dunkelbraunes Kleid von billigem Wollstoff . Der Rock bedeckte die Bluse nicht fest genug , so daß das auf die Bluse genähte Taillenband bei manchen Bewegungen zum Vorschein kam . Es war ihr alter Schmerz , daß sie es durchaus nicht vermochte , ihrer Figur jene glatten Flächen zu geben , auf welchen die Frauenkleider unverrückbar drapiert erscheinen . Aber sie verschmähte jede Schnürung und konnte sich darum mit der auf diese Schnürung berechneten Kleidung nicht zurechtfinden . Durch das große , englisch möblierte Speisezimmer , dessen Wände ausschließlich von Aquarellen bedeckt waren , ging Frau Edda , im Elfenbeinschein ihres weißseidenen , schleppenden Kleides , mit ihren funkelnden Händen , die sich blütenzart in dem bis zum Ellbogen entblößten Arm fortsetzten , hoch und licht , zwischen den beiden Geschwistern , dem Salon zu . Olga und Stanislaus erzählten von ihrem Besuche in der Heimat . Einmal im Jahre wünschte der Vater die Tochter zu sehen und duldete es , daß Stanislaus mitkam . » Es ist immer dieselbe alte , traurige und beklemmende Geschichte « , sagte Stanislaus und senkte den Kopf . Er sprach ein reines , scharf vokalisiertes Deutsch . Olga warf trotzig die Lippen hoch , und die Falte zwischen ihren Augenbrauen vertiefte sich . » Er sollte stolz sein auf euch « , sagte Edda . Olga machte ein finsteres Gesicht . » Ein Mädel , das sich nicht verheiratet , immer nur Geld braucht , sich mit lauter Dingen befaßt , die nichts einbringen « , - sie lachte rauh . Dennoch gab der Alte dieser Tochter den Lebensunterhalt . Mit ihrem einundzwanzigsten Jahr war eine Versicherungspolice für sie fällig geworden . Die Zinsen dieses Vermögens gab er ihr , und sie reichten aus , unter Verhältnissen bescheidenster Art auf einer möblierten Stube zu leben . Zu seinem Sohne Stanislaus aber hatte er gesagt : » Für dich hab ' ich das Geschäft geführt . Etwas Fertiges haben - hast du sollen ! Weggerannt bist du , - ä Tagedieb geworden ! - - Das Geschäft laßt du mir alten Mann am Hals , - zugrunde gehen wird ' s und soll ' s. Verdien ' dir dein Brot , wie du willst , - du bist ä Mann , - dir geb ' ich ka Kreuzer . « Im Osten von Österreichisch-Schlesien , unweit der preußischen und russischen Grenze waren die beiden zuhause . Dort stand auf dem großen , gepflasterten Ringplatz das alte , schmutziggraue Haus ihres Vaters , mit einer Wohnung von großen , dunklen Zimmern im Stockwerk und einem Kolonialwarengeschäft im Erdgeschoß . Dieser Laden war aber nur ein Teil des Geschäftes des alten Moses Diamant . Er lieferte Lebensmittel aller Art waggonweise nach Deutschland . Das Geschäft war , wie er behauptete , - » ä Goldgrub ' « . Nur eine junge , tüchtige Kraft fehlte . Ein Schwiegersohn , der » nicht ä Paar Hosen « hätte , wäre dem alten Händler willkommen gewesen , aber , statt dessen - - ä Geschicht ' mit ä Leutnant . Auch gut - - bis - ja bis - ! - - Und der Sohn ? Der Sohn - ausgerechnet - studieren hat er wollen . Der Alte widersetzte sich , zwang den Jungen ins Geschäft . Lange Jahre hatte er ausgehalten . Hatte abgewogen , was jeder begehrte , die Bücher geführt , Geschäfte abgeschlossen . Aber punkt sechs Uhr hatte er abends Schluß gemacht , zum größten Verdruß des Vaters , hatte sich eingesperrt in sein Zimmer und seine Bücher vorgeholt . Eines Tages war er fort , und aus Berlin kam ein Brief , daß er nach langen Gewissenskämpfen dableiben wollte . Er verstand die Wünsche des Vaters , er begriff den angstvollen Trieb des alten Mannes , den Kindern das Stück Boden , das er mit seiner Lebensarbeit errafft hatte , zu hinterlassen . Er aber , Stanislaus , er zog aus diesem Boden nicht das , was er brauchte . Berlin hatte ihn hart angefaßt , - fast so hart , wie der Alte zuhause . Aber was er da ausgrub , das war Nahrung für ihn gewesen , und er wußte , daß er in diesem Boden nicht einsinken würde . Der Vater , der ein begreifender Kopf war , ergab sich . Aber er half dem Sohne nicht . » Wenn ' s dir zuviel wird , - wenn du nicht weiter kannst , - komm zurück , nach Haus . Du bist hier immer zuhause , merk ' dir das , - immer kannst du kommen . « Aber der Sohn kam nicht , nur einmal im Jahre , als Besuch . Bitterkeit gegen die verschlossene Hand des Vaters und Mitleid mit seinem vereinsamten Alter , - die Mutter war seit langem tot , - ballten sich ihm zu schweren Lasten , so oft er » zuhause « war . Wochenlang konnte er dann über dem Bild der entfremdeten Heimat keine Ruhe finden . Er schilderte Edda diese Stimmung , die sie , Olga und ihn , diesmal , wie immer , da oben erwartet hatte . Und während er sprach , empfand er die geheime Erleichterung des Entronnenen . Das üppige , vornehme Zimmer , der milde Glanz des elektrischen Lichtes , die vertraut verwandtschaftliche Nähe dieser schönen , fremdrassigen , liebenswürdigen Frau , die eine absichtsvolle Neigung mit seinesgleichen verbündet hatte , das alles glitt beruhigend in