Champs-Elysées her ; er trug eine Krücke , aber nicht mehr unter die Schulter geschoben , - er hielt sie vor sich her , leicht , und von Zeit zu Zeit stellte er sie fest und laut auf wie einen Heroldstab . Er konnte ein Lächeln der Freude nicht unterdrücken und lächelte , an allem vorbei , der Sonne , den Bäumen zu . Sein Schritt war schüchtern wie der eines Kindes , aber ungewöhnlich leicht , voll von Erinnerung an früheres Gehen . Was so ein kleiner Mond alles vermag . Da sind Tage , wo alles um einen licht ist , leicht , kaum angegeben in der hellen Luft und doch deutlich . Das Nächste schon hat Töne der Ferne , ist weggenommen und nur gezeigt , nicht hergereicht ; und was Beziehung zur Weite hat : der Fluß , die Brücken , die langen Straßen und die Plätze , die sich verschwenden , das hat diese Weite eingenommen hinter sich , ist auf ihr gemalt wie auf Seide . Es ist nicht zu sagen , was dann ein lichtgrüner Wagen sein kann auf dem Pont-neuf oder irgendein Rot , das nicht zu halten ist , oder auch nur ein Plakat an der Feuermauer einer perlgrauen Häusergruppe . Alles ist vereinfacht , auf einige richtige , helle plans gebracht wie das Gesicht in einem Manetschen Bildnis . Und nichts ist gering und überflüssig . Die Bouquinisten am Quai tun ihre Kästen auf , und das frische oder vernutzte Gelb der Bücher , das violette Braun der Bände , das größere Grün einer Mappe : alles stimmt , gilt , nimmt teil und bildet eine Vollzähligkeit , in der nichts fehlt . Unten ist folgende Zusammenstellung : ein kleiner Handwagen , von einer Frau geschoben ; vorn darauf ein Leierkasten , der Länge nach . Dahinter quer ein Kinderkorb , in dem ein ganz Kleines auf festen Beinen steht , vergnügt in seiner Haube , und sich nicht mag setzen lassen . Von Zeit zu Zeit dreht die Frau am Orgelkasten . Das ganz Kleine stellt sich dann sofort stampfend in seinem Korbe wieder auf , und ein kleines Mädchen in einem grünen Sonntagskleid tanzt und schlägt Tamburin zu den Fenstern hinauf . Ich glaube , ich müßte anfangen , etwas zu arbeiten , jetzt , da ich sehen lerne . Ich bin achtundzwanzig , und es ist so gut wie nichts geschehen . Wiederholen wir : ich habe eine Studie über Carpaccio geschrieben , die schlecht ist , ein Drama , das » Ehe « heißt und etwas Falsches mit zweideutigen Mitteln beweisen will , und Verse . Ach , aber mit Versen ist so wenig getan , wenn man sie früh schreibt . Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich , und dann , ganz zum Schluß , vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben , die gut sind . Denn Verse sind nicht , wie die Leute meinen , Gefühle ( die hat man früh genug ) , - es sind Erfahrungen . Um eines Verses willen muß man viele Städte sehen , Menschen und Dinge , man muß die Tiere kennen , man muß fühlen , wie die Vögel fliegen , und die Gebärde wissen , mit welcher die kleinen Blumen sich auftun am Morgen . Man muß zurückdenken können an Wege in unbekannten Gegenden , an unerwartete Begegnungen und an Abschiede , die man lange kommen sah , - an Kindheitstage , die noch unaufgeklärt sind , an die Eltern , die man kränken mußte , wenn sie einem eine Freude brachten und man begriff sie nicht ( es war eine Freude für einen anderen - ) , an Kinderkrankheiten , die so seltsam anheben mit so vielen tiefen und schweren Verwandlungen , an Tage in stillen , verhaltenen Stuben und an Morgen am Meer , an das Meer überhaupt , an Meere , an Reisenächte , die hoch dahinrauschten und mit allen Sternen flogen , - und es ist noch nicht genug , wenn man an alles das denken darf . Man muß Erinnerungen haben an viele Liebesnächte , von denen keine der andern glich , an Schreie von Kreißenden und an leichte , weiße , schlafende Wöchnerinnen , die sich schließen . Aber auch bei Sterbenden muß man gewesen sein , muß bei Toten gesessen haben in der Stube mit dem offenen Fenster und den stoßweisen Geräuschen . Und es genügt auch noch nicht , daß man Erinnerungen hat . Man muß sie vergessen können , wenn es viele sind , und man muß die große Geduld haben , zu warten , daß sie wiederkommen . Denn die Erinnerungen selbst sind es noch nicht . Erst wenn sie Blut werden in uns , Blick und Gebärde , namenlos und nicht mehr zu unterscheiden von uns selbst , erst dann kann es geschehen , daß in einer sehr seltenen Stunde das erste Wort eines Verses aufsteht in ihrer Mitte und aus ihnen ausgeht . Alle meine Verse aber sind anders entstanden , also sind es keine . - Und als ich mein Drama schrieb , wie irrte ich da . War ich ein Nachahmer und Narr , daß ich eines Dritten bedurfte , um von dem Schicksal zweier Menschen zu erzählen , die es einander schwer machten ? Wie leicht ich in die Falle fiel . Und ich hätte doch wissen müssen , daß dieser Dritte , der durch alle Leben und Literaturen geht , dieses Gespenst eines Dritten , der nie gewesen ist , keine Bedeutung hat , daß man ihn leugnen muß . Er gehört zu den Vorwänden der Natur , welche immer bemüht ist , von ihren tiefsten Geheimnissen die Aufmerksamkeit der Menschen abzulenken . Er ist der Wandschirm , hinter dem ein Drama sich abspielt . Er ist der Lärm am Eingang zu der stimmlosen Stille eines wirklichen Konfliktes . Man möchte meinen , es wäre allen bisher zu