mir ' s , wie und was Du lebst , aber ohne Beisatz , Beigeschmack und Brimborium ; schick mir das nackte Leben , und ich werd ' mir ' s schon selbst ankleiden . « Nun denn ! - Rosa gehört zu den wunderlichen Geschöpfen , welche die ersten Schritte der Bekanntschaft , wie Du gesehen , am auffallendsten erleichtern - das kommt von der Bühne . Die dramatischen Dichter machen sich das immer unglaublich leicht : die Personen sehen sich und merken alsobald beide , daß sie viel miteinander zu tun haben müssen , sie bombardieren sich ohne weiteres mit Sentiments , und wenn man ihnen nach einer viertelstündigen Bekanntschaft im ersten Akte viel zu schaffen macht , so gehen sie ohne weiteres im zweiten Akte miteinander durch - Pässe brauchen sie nie , und Geld findet sich immer . Ich lasse mir das im höheren Schauspiele gefallen , wo die modernen bürgerlichen Verhältnisse in ihrer Kleinheit verschwinden vor der künstlerischen Höhe der Gedanken und Gefühle , aber im Lustspiele bleibt ' s doch immer sehr drollig . Darum bin ich noch immer der Meinung , nur ein Mann von Welt wisse ein feines modernes Lustspiel zu schreiben . Es müßte denn wie in Williams Lustspiele das bunte Zelt phantastischer Poesis zum Ort der Handlung aufgeschlagen werden . Rosa fand unsere schnelle Bekanntschaft ganz in der Ordnung , alle die kleinen Nebenwege der gewöhnlichen Liebschaften sind ihr durch die Bühne abgeschlossen worden , sie fängt auf dem Punkte an , wo andere Mädchen nach mannigfachen telegraphischen Depeschen , verhüllten Andeutungen , Pfänderspielen , gegenseitigen Träumen , schüchternen Worten , geflügelten Sonetten , Notenaustausch usw. anlangen . Ich gestehe , das ist Mangel eines romantischen Reizes , das ist selbst mir zu modern , obwohl sehr bequem . Auf jenem Punkte bleibt sie nun aber stehen ; das ist ein Mißverhältnis in den einzelnen Teilen , reizt mich zwar ein wenig , ist mir aber unbehaglich . Man läuft gern lang nach einer goldenen Frucht , aber am Baume angekommen streckt man nicht gern die Hand tagelang aus . Sie duldet meinen Kuß auf den Arm , auf die Schulter , aber wenn ich sie umfasse und auf den Mund küssen will , so hält sie mir den Mund zu und wehrt mich entschieden ab . Das würde mir bald langweilig werden , wäre sie nicht gar so hübsch . Die alte Pflegemutter hatte zu Muhmen und Basen geschwatzt , ich wolle Rosa heiraten - meinen Namen hatte sie schon am andern Tage erfahren - das hat sich bald verbreitet , und heute fragt mich meine Schwester danach . Das ist mir sehr fatal und verleidet mir die Sache . Das Ganze wird dadurch so platt bürgerlich . Was einem das dumme Volk das Leben erschwert ! Das Märchen konnte so duftig einsam abgesungen werden , wie in einem dunkeln Kiosk im Morgenlande . Ich werde an Rosa schreiben und versuchen , der Sache einen andern Schwung , eine andere Wendung zu geben . Ade ! 4. Valerius an William . Breslau , am Himmelfahrtstage 1830 . Ich hätte früher an Dich geschrieben , Freund , wär ' ich nicht gar zu sehr beschäftigt gewesen ; ich würde Dir mehr schreiben , wäre ich ' s nicht noch . Womit aber ? frägst Du barsch . Mit mir selbst . Später ein paar Worte darüber , jetzt zu der Besorgnis , die mich in diesem Augenblicke drängt . Ich habe eben von Konstantins Schwester einen Brief erhalten , worin sie mich beschwört , alles aufzubieten , um den Aufenthalt ihres Bruders zu entdecken , der seit mehreren Tagen verschwunden ist . Man hat seine Abwesenheit während der ersten Nacht und des nächsten Tages unbeachtet gelassen , da dergleichen - Du hast ja oft genug dagegen gescholten - zuweilen bei ihm vorkam , namentlich wenn er mit Hippolyt den Shakespeare paraphrasierte . Nach der zweiten Nacht hat man suchen lassen - umsonst . Man hat zu Rosa geschickt - dies ist eine junge schöne Dame , mit der er ein Liebesverhältnis entriert hat - sie hat schnippisch geantwortet , man solle verloren gegangene junge Suitiers nicht bei ihr suchen . Des Tags darauf hat das schnippische Dämchen auch gefehlt und das Repertoir in Unordnung gebracht . Ihre Pflegemutter , die , Gott weiß , ob unterrichtet oder nicht , zurückgeblieben , ist heulend und weinend zu Konstantins Schwester gekommen . Diese Frau Martha , denn so scheint sie mir auszusehen , hat auf Berlin gedeutet - Du hast ja lebhafte Verbindungen dahin , tu doch rasch alles mögliche , um mir Klarheit für die arme Schwester zu verschaffen . Du begreifst , daß ich in meiner einsamen Wohnung , fern vom Getümmel des Stadtverkehrs , mürrisch mit den bleichen Worten der Theologen redend , und in tiefschattigen Schmerzen vergangener Herrlichkeit herumwandelnd weniger geeignet bin , einen Flüchtling zu entdecken . Doch möchte ich so gern die Schwester beruhigen . Es ist so hart vom schlimmen Konstantin , ein so weiches Herz mit rauhen Händen anzufassen . Er hat sie so oft verletzt durch seine abscheuliche Opposition gegen die Gesetze des Herkömmlichen , die seinem barocken Sinn nicht behagen . Dennoch liebt sie ihn mit einer Fürsorge , warm wie Maiensonne . O , das Herz des Weibes ist reicher denn alle Welt , welche hineingeht , denn es liebt mit dieser Welt noch eine andere - die besten von uns lieben kaum etwas von dieser . Gehab Dich wohl und antworte ! Hippolyt tritt eben ein , hört stumm und lächelnd die Geschichte an , und läßt Konstantin ersuchen , wenn ihn Deine Kundschafter finden , ihm von Berlin ein Exemplar der Lusiade zu besorgen , weil er hier keins auffinde . Übrigens meinte er , sei es unnütz , den Konstantin zu beunruhigen - man solle die Schwester durch irgend eine Nachricht zufriedenstellen und jenen ungestört lassen , bis er sich selbst melde . Tu aber nur , wie