« wiederholte er knarrend . Ein Gemach , das sie durchschritten , duftete nach weißen Heliotropen . Helle Vorhänge hingen an den Fenstern , und kleine Möbel mit goldenen Füßen schimmerten aus den dunkeln Ecken . » Ihr Zimmer « , sagte sich Werner , und atmete den Heliotropenduft tief ein . » Und schlecht geht es uns heute auch « , berichtete Jakobs klagende Stimme weiter . » Wir haben starke Schmerzen im Bein . « Das Kaminzimmer war von der großen , grün verhangenen Lampe matt erleuchtet , ein Krankenstubenlicht . Baron Werland saß in seinem Sessel am Feuer , die Füße in die rote Decke gehüllt , die Gestalt ein wenig in sich zusammengesunken . Das regelmäßige Gesicht war wachsbleich , das Haar sorgsam gelockt , der Schnurrbart hinaufgedreht . Nur die tiefen Augenhöhlen über den unruhig flackernden Augen legten sehr dunkle Flecken in diese Blässe . Ein starker Opoponaxduft umgab den Kranken . » Aha - unser Seelsorger « , rief er mit seiner hohen Stimme Werner entgegen . » Es ist doch gut , daß man einen hat , der von Amts wegen barmherzig sein muß , der sozusagen dafür bezahlt wird . « Werner lachte : » Na - es gibt auch Leute , die das aus Sport sind « , meinte er . » Sport ! Der Sport ist unmodern . Setzen Sie sich , Pastor . Kalt - was ? « Karola hatte an der Lampe gelesen . jetzt begrüßte sie Werner . In dein blauen Tuchkleide sah die Gestalt hoch und biegsam aus . » Ich danke , daß Sie gekommen sind « , sagte sie einfach , und schüttelte ihm wieder kameradschaftlich die Hand . Die Sessel wurden an das Feuer gerückt . Karola drückte sich behaglich in den ihren hinein und blinzelte Werner erwartungsvoll an , wie ein Kind , das von dem Erwachsenen unterhalten zu sein hofft . Werner rieb sich die erfrorenen Hände in leichter Befangenheit , die ihn häufig ergriff . » Wie geht es ? « fragte er dann höflich den Baron . » Schlecht , Pastor « , erwiderte der Baron , » einfach schlecht . Kein Schlaf in der Nacht , tolle Schmerzen . Was wollen Sie mehr ? Der verdammte Tauwind . « » Das tut mir sehr leid « , sagte Werner ein wenig steif » Das tut Ihnen leid , Pastor « , fuhr der Baron fort . » Natürlich . Sie sind mitleidig . Das gehört zum Amt . Nur hilft das nichts . Wissen Sie , was ich mal hören möchte , der Abwechslung wegen ? « » Nun ? « » Wenn ich sage : mir geht ' s schlecht , daß mal einer , so von Herzen , mir antwortet : das freut mich . - So von Herzen - wissen Sie . Das wär ' mal was Neues . Darüber könnte ich recht lachen . « » Solch einer findet sich zum Glück schwer « - bemerkte Werner . Der Baron verzog sein Gesicht : » Ich weiß nicht . Ein recht geldhungeriger Erbe vielleicht . Das war ' s aber nicht , was ich Ihnen sagen wollte , Pastor . Also heute nacht konnte ich nicht schlafen , und da bedachte ich mir wieder einmal gründlich die Aussichten Ihrer Unsterblichkeit , Ihres Lebens nach dem Tode . « » Meines ? « » Na ja , weil Sie es predigen müssen . Aber , Pastor , die Aussichten sind schwach . Ich kann die Sache drehen und wenden wie ich will - , heute nacht waren die Aussichten schwach , gleich null . « » Mit dem Denken kommen wir da wohl nicht heran « , wandte Werner ein , zerstreut , wie wir uns an einem Gespräch beteiligen , das wir oft schon haben führen müssen . Aber der Baron wurde eifrig : » Ich weiß , der Glaube . Nein , Ihr Glaube ist ein Kunststück , zu dem ich kein Talent habe . Ein Wunder - gut ! Über Wunder kann man nicht sprechen . « » Ah ! « sagte Karola , » sollen wir wieder davon sprechen ! « Der Baron kicherte : » Natürlich ! Ihr seid gesund . Ihr denkt so nebenbei einmal : Unsterblichkeit - wie schön ! Leben nach dein Tode - entzückend ! und damit ist ' s gut . Aber ich - mich geht das jetzt was an . Sehen Sie , Pastor , wenn Sie zu Hause bleiben wollen , nun , dann ist ' s Ihnen gleich , wann der Schnellzug nach Paris geht und ob er Anschluß hat . Sie sagen wohl so im allgemeinen - ach - der Schnellzug , wie schön ! Aber wenn die Koffer gepackt sind , ja , dann blättern Sie im Kursbuch , dann kommt es auf Genauigkeit an . Na - also - ich , - ich seh ' mir das Kursbuch an und , Pastor , ich sag ' Ihnen , es gibt keinen Anschluß . Wir bleiben liegen . « Die Wärme des Kaminfeuers machte Werner die Glieder schlaff und die Augenlider schwer . Er hörte nur halb der hohen , erregten Stimme des Kranken zu . Er schaute Karola nicht an , aber das Gefühl ihrer Gegenwart , das Gefühl , daß ihr Blick für einen Moment auf seinem Gesicht ruhte , der leichte Heliotropduft , das leise Klingen ihrer Armbänder , all das erfüllte ihn mit einem Behagen , das ihm wie ein edler Wein köstlich das Blut erwärmte . Nur mechanisch machte er seine Einwände auf die Reden des Barons . » Ja , aber ohne Leben nach dem Tode , hat das Leben da Sinn ? Für das bißchen Erdenleben , all der Aufwand ! « » Bravo ! « Der Baron klatschte leise in die Hände . » Ich sah Sie damit kommen . Euer Haupttrumpf . Natürlich ist ' s ein Unsinn , dies bißchen