englische Witzblatt , zur Erheiterung , und ich bekam es immer nicht , erkundigte mich endlich und höre nun , daß es auf dem Index steht und gar nicht hierher darf . Und gestern frag ich in der einzigen deutschen Buchhandlung nach Shelleys Gedichten : O , die sind erst recht verboten . Nun bitt ich Sie , was soll aus einem Volke werden , dem man die Hilfsmittel der Bildung und des freien Denkens so zumißt , während man es in den engen Kreis beschränkter Dogmen und vernunftwidriger Vorstellungen einzwängt . Ah , da waren die alten Römer doch andere Leute . Die große Toleranz , die sie übten , was die religiösen Anschauungen der besiegten Völker betraf , und die Elemente allseitiger Bildung , die sie den Untertanen nicht verweigerten , das machte aus ihnen Menschen , die ein Weltreich gründen konnten . Es sind ja Menschen unter der oberen Geistlichkeit hier , die Verstand genug haben , um die Mängel des ganzen Regimes einzusehen , aber sie können sich nicht aus der engen Kette losreißen , die sie alle umschlingt und aus ihnen allerdings eine seltene Organisation macht , wie kaum je eine dagewesen und in der auch ihre Macht und zähe Widerstandsfähigkeit gegen alle aufklärenden Neuerungen liegt . « » Ja , « sagte Raden , indem er ein Wölkchen Rauch von seiner Zigarre in die Luft blies , » es ist merkwürdig , wie klug und schlau viele sind , aber liebenswürdig und angenehm auch und frivol dazu . Haben Sie die Blicke des Kardinals bemerkt , die er auf Donna Giulia richtete ? Ich saß hinter ihm und konnte ihn beobachten , es hat mich den ganzen Abend unterhalten . Nun freilich , man kann es den Herren nicht verdenken , denn sie sind auch Menschen trotz ihrer porpora und vom Chef des Staates , von Antonelli , ist es ja bekannt , daß er dem Amor einen besonderen Kultus weiht . Aber ein Land , das solche Frauen hervorbringt wie die Herzogin von Santomara , ist allerdings eine harte Prüfungsschule für die Keuschheit . « » Na ja , Raden , das ist nun gleich wieder Ihre Auffassung von der Sache , « versetzte der Professor kopfschüttelnd ; » ich aber machte eine andere Beobachtung , die mich näher angeht , nämlich , daß die Herzogin Blicke auf unseren Waldemar warf , die freilich geeignet waren , ein junges Herz in Flammen zu setzen . Ich habe es nicht ohne Besorgnis gesehen . « » Ah , mein lieber Professor , so sind wir doch noch imstande , die Natur solcher Blicke zu unterscheiden , « sagte Raden lachend ; » aber ich habe auch schon etwas der Art bemerkt , und wenn sich von dem Feuerwerk dieser göttlichen Augen ein kleiner Brand im Herzen unseres Prinzen entzündete , sollte es mich nicht wundern . Er ist ja bis jetzt noch wie ein junges Mädchen , so unbefangen und rein , dank Ihrer idealistischen Erziehung , guter Professor , aber die Stunde wird doch auch kommen , wo sein junges Herz heißer klopfen wird beim Anblick der allerdings unglaublichen Macht weiblicher Schönheit , von der die Herzogin ein Exemplar ist , wie die Antike sie nicht vollkommener dargestellt hat . « » Ja , ja , schon gut , « versetzte Holberg ; » mir ist es aber zweifache Aufgabe , über ihn zu wachen , nicht nur um der wirklich väterlichen Zuneigung , die ich für ihn habe , auch um seiner edlen Mutter willen , die diesen Sohn vor allem liebt und ihn seiner zarten Gesundheit wegen so isolieren , von den Zerstreuungen des Hofes und der Ermüdung des Soldatenlebens fernhalten konnte in jenem wundervollen Bergschloß , wo ich jahrelang seine Erziehung geleitet habe . In das kräftigende Naturleben um ihn her und in die Welt großer Geister , in die ich ihn führte , kam doch kaum je ein Ton aus der Glanzwelt der Hauptstadt ; nur wenn der ältere Bruder , der Erbprinz , kam , dann wurde erzählt und beschrieben , aber es weckte zum Glück noch keine Sehnsucht in Waldemars Herzen , und als wir nach vollendeten Studien , immer durch die Mutter erlangt , uns zur italienischen Reise rüsten durften , ohne vorher im eigentlichen Strudel des Hoflebens gewesen zu sein , in dem der Erbprinz bereits mit Wonne schwamm , da war in meines Zöglings Herzen nur freudige Ungeduld , dem Lande der Schönheit und der Kunst entgegenzuziehen . Sie begreifen also , Raden , wie es mir schmerzlich sein würde , die Harmonie dieser ganz idealistischen Jugend vielleicht durch eine große Leidenschaft gestört zu sehen . « » Ja , lieber Professor , das verstehe ich schon , « meinte Raden ; » indes ist ja bis jetzt auch gar keine Gefahr ; der Prinz genießt all das Schöne , das ihn umgibt , das ist natürlich . Wenn etwas zu denken gäbe , so wäre es eher das sichtbare Wohlgefallen , das die Herzogin an dem edelschönen nordischen Jüngling nimmt , was man ihr auch nicht verdenken kann , denn ihr Gemahl scheint mir ein unsympathischer Mensch , mit seinem hochmütigen Ausdruck und dem stechenden Blick der Augen , der vermuten läßt , daß er im gegebenen Fall gar nicht vor einer Coltellata oder einem geheimen Mordbefehl zurückweichen würde . « Das Gespräch wurde unterbrochen durch die Rückkunft des Prinzen , der seinen Morgenritt in die Campagna gemacht hatte und nun voll heiterer Jugendlust den Gefährten entzückte Beschreibungen der Schönheit des Morgens in der Campagna machte und dann mit fröhlichem Lachen komische kleine Szenen erzählte , die er erlebt durch das Kauderwelsch des Dieners Heinrich , der ihn stets begleitete und der sich anmaßte , schon italienisch zu sprechen , was von den Bauern draußen natürlich nicht verstanden wurde und zu den possierlichsten Mißverständnissen Anlaß gab . Auch der Professor mußte lachen und alle Furcht schwand beim Anblick der unbefangenen , glücklichen Stimmung