und Zukunft seines Geschlechtes ; aber doch nicht in der Form des harten Erwerbsinns und des Stolzes auf den Besitz , wie im Bauernstand , sondern in der Form des Gefühls für reine Ehre und strenge Pflicht ; denn nicht für sich und seine Kinder pflegt der Förster sein Gut , sondern für andere . Kein Mensch weiß , wie sich das Wesen eines Kindes bildet und wie Erbschaft und Einfluß einander bestimmen . Ganz kleine Kinder haben in viel höherem Maße wie Erwachsene die Fähigkeit , aus Miene und Haltung zu erfahren , was in einem andern ist ; und in viel höherem Maße haben sie auch den Trieb , nachzuahmen , Äußerliches wie Innerliches . Kaum hatte der kleine Hans gehen können , da legte er schon die Hände über den Rücken und ging ernsthaft in der Stube auf und ab mit steifen Schultern , wie sein Vater tat am Sonntagnachmittag , sagte er sein Nein oder sein Ja mit derselben Betonung wie der Vater ; und da seine gesamte Umgebung dieselbe war , in der sein Vater und Großvater aufgewachsen waren , so nahmen alle seine angeborenen Triebe dieselbe Richtung , wie sie bei Vater und Großvater genommen hatten , und seine Art wurde noch stärker , wie die seiner Vorfahren gewesen . Und was erzog ihn alles . Da erwachte er des Morgens , und sein Hauch war sichtbar in der kalten Luft unter dem kalkverputzten Ziegeldach , und die kleinen Fensterscheiben waren dick gefroren . Und unten in der Stube saß er dann am Fenster , sah , wie die Schneeflocken niedertanzten und sich sanft auf Zweige legten und auf Bretter und auf den Erdboden , der mit kleinen Steinchen bedeckt gewesen ; aber wenn die großen Flocken ans Fenster wehten , so vergingen sie schnell , indem sie niederglitten . An manchen Tagen , wenn es nicht schneite und sehr kalt war , taute auch in der Stube das Fenster nicht ab ; dann hauchte er an die Scheibe und schmolz sich ein rundes Loch zum Ausschauen ; im Augenblick war es wieder mit einer dünnen Eishaut bedeckt , die war aber nicht weiß . Im Walde war ein Krachen , Tönen und Donnern ; und der Wald stand doch ruhig und unbewegt mit seinen schneebedeckten Zweigen in der hellen Sonne . Wenn die Kälte so groß war , so wurde das Herz leicht und lustig und verlangte nach Gefahren ; dann dachte er an den letzten Luchs , den sein Großvater hier geschossen , und seine Fäuste ballten sich ; und an die Franzosenzeit dachte er , wie da das ganze Dorf in den Wald gezogen war , und er schämte sich , daß alle solche Furcht gehabt hatten . Denn wer recht hat und Gott fürchtet , der muß ausharren , wie im Buch der Makkabäer erzählt ist von den sieben Brüdern und ihrer Mutter ; wie die Mörder sechs zu Tode gemartert hatten , da sprach der letzte , der noch ein Kind war : » Worauf harrt ihr ? Gedenket nur nicht , daß ich dem Tyrannen hierin gehorsam sein will « , und ließ sich auch martern , trotzdem er noch klein war . Abends las die Großmutter oft lange vor aus der alten Bibel , deren Blätter braun geworden waren durch die Finger so vieler Vorfahren , die jetzt lange vergessen lagen in ihren rasenbedeckten Gräbern ; aus den Geschichtsbüchern im Alten Testament las sie und aus den Evangelien und der Offenbarung Johannis , von dem himmlischen Jerusalem und von der Schale des Zorns , von den vier Reitern und von dem Tier , das über den Gewässern sitzt . Wenn Hans dann mit ihr sprach über das Gelesene , so wunderten sich beide über die Verstocktheit der Juden und freuten sich , daß wir die Offenbarung haben , und daß unser Herr Jesus für uns gestorben ist , an den wir glauben müssen , und können nicht irren . Und wir sehen alle Tage , daß der Gerechte siegt und der Ungerechte vergeht ; denn wenn auch ein schlechter Mensch scheinbares Glück hat , so verrinnt das doch bald , wie es Klaus Hörgen geschah , der aus der Fremde heimkam mit einem großen Vermögen , sich ein Haus kaufte und nichts mehr tat ; was geschieht ? Nach ein paar Jahren wurde ihm sein Haus wieder verkauft , und kam in Schimpf und Schande . Daß es aber einem guten Menschen schlecht ginge , das ist noch nie geschehen ; es müßte denn sein wie bei der frommen Genoveva , weil der Herr sie prüfen wollte und ein Beispiel geben für andre . Im Sommer streifte der kleine Hans viele Stunden lang allein im Wald . Da lagen die Tannennadeln glatt und ungestört auf dem Boden , und die hohen Stämme standen regungslos ; nur wenn er zuweilen auf dem Rücken lag und in die Wipfel schaute in der tiefen Stille , spürte er ein leises Wiegen der Stämme und wie die spitzenbehangenen Äste sich kreuzten , hoch oben . Das war eine andre Welt , hoch oben ; wenn man ein andres Wesen wäre , ein Vogel oder ein Eichhörnchen , so lebte man da , hüpfte von Ast zu Ast , und alles , was unten ist , sähe ganz klein aus und ginge einen nichts an . In die Stille kam plötzlich das Klopfen oder das Hämmern eines Spechtes , ganz von weitem , oder ein unmerklich leises Geräusch von einer kleinen Meise mit blitzenden Augen . Und Moos war da , das drängte sich dicht , und eine Art sah aus wie ein Tannenwald im kleinen , der Berg und Tal überzieht und alles rund macht . Ameisen auf einem solchen Moosberge kamen sich wohl vor wie wir im Hochwald ; vor Gott aber waren wir gleich den Ameisen und ein Wald von vielen Meilen wie ein Häufchen Moos . Das war wunderbar , wenn man auf der anderen Seite die Würdigkeit