fällt dort steil ab , und tief unten strömt das Wasser reissend vorbei . Ich setzte mich nieder zwischen Farnen und allerhand Ranken und schaute in die Tiefe auf die Meeresstrasse , durch die alle Schiffe fahren , die vom fernen Osten nach Vancouver kommen . Und ich träumte , wie hübsch es sein müsste , hier irgendwo ein waldverborgenes Häuschen zu besitzen ; dann würde ich alle Tage bis zu dieser äussersten Spitze gehen , setzte mich dort unter die alten Bäume und schaute aus , ob Schiffe aus Far-away Cathay kommen . Und an einem Tage würde endlich ein Schiff kommen , auf dem ständen Sie , und ich würde Ihnen von meinem Felsen aus einen grossen Strauss frischer Waldblumen herabwerfen . Denn nicht wahr , Sie bleiben doch nur gerade so lange in China , als es durchaus nötig ist ? Ich mache ja schon so viel schöne Pläne für die Zeit , wo wir uns wiedersehen werden . Wann , wo wird das sein ? 5 Banff , September 1899 . Die Frühsonne scheint in mein Zimmer , lieber Freund , draussen zwitschern Spatzen , die sich in der Jahreszeit irren und jetzt beim nahenden Herbst noch an Frühlingsidyllen denken , und ich will den Tag beginnen , indem ich Ihnen guten Morgen zurufe , hinaus in die unergründliche Weite . Möge Ihnen ein freundlicher Lufthauch meinen Gruss bringen - wo Sie auch sein mögen . Ich fürchte , es kann dort nicht so schön sein wie hier . Das hiesige Hotel liegt auf waldigem Bergrücken , in grösster Einsamkeit , und erinnert an manche Tiroler Burgen . Von unseren Fenstern aus haben wir einen weiten Blick auf ein Gebirgstal , in dessen Tiefe , zwischen hohen Fichten , ein Bach fliesst , der , zur Zeit da Eis und Schnee schmelzen , zum reissenden Strome wird . Im Hintergrund erheben sich steile , schneebedeckte Felsen . Nach der langen Reise ist die hiesige Behaglichkeit an sich ein Genuss . Es ist herrlich , wieder mal in einem Bett zu schlafen , das weder schwankt noch schüttelt , und Mahlzeiten einzunehmen , ohne Sorge , dass der Zug abfährt , oder dass der gegenübersitzende Reisende seekrank wird . Dicht neben dem Hotel ist ein grosses , offenes Schwimmbassin , das von warmen Schwefelquellen gespeist wird . Fichten stehen ringsherum und das laue Wasser , der Sonnenschein und die köstliche würzige Luft bilden zusammen einen so wonnigen Aufenthalt , dass man im Sommer sicher gern Stunden dort verbrächte . Weiter unten , dem Tale zu , sind natürliche Grotten mit sprudelnden Quellen und tiefen Teichen , die geheimnisvoll unter den überhängenden Felsen verschwinden . Das Wasser ist so klar , dass man tief unten auf dem Grund die weissen Sandflächen und die einzelnen Kieselsteinchen schimmern sieht . Ich muss dort immer an die schöne Undine denken . In solch tiefen , klaren Wassern ist sie gewiss , unbewusst glücklich , wie die silbrigen Fischchen , herumgeschwommen , bis sie hinauf zur Welt stieg und unglücklich ward , weil sie sich einbildete , dass es nötig sei , eine Seele zu haben . Hätte doch irgend ein welterfahrenes Wesen der armen Undine erklärt , dass Seelenbesitz der entbehrlichste von allen ist , und dass die kalten , schlüpfrigen Fischchen am besten durch die Welt kommen , mit ihren geheimnisvoll grünlichen Augen , die so tief scheinen und auf deren Grund gar nichts ist . Wir haben hier einen Offizier kennen gelernt , der die Mounted Police des Distriktes befehligt . Im Winter muss das ein recht einsamer Posten sein , wenn das Hotel geschlossen ist und die ganze Welt weit und breit unter tiefem Schnee begraben liegt . Im Sommer dagegen und auch jetzt noch in den schönen Herbsttagen scheint Kapitän White ein ganz lustiges Leben zu führen . Er ist beständig hier im Hotel und die Damen sehen ihn alle als eine Art Badedirektor an , der für die Vergnügungen der ganzen Gesellschaft verantwortlich ist . In der Halle , wo in zwei grossen Kaminen halbe Baumstämme knisternd verbrennen und an den Wänden und auf dem Boden herrliche dicke Felle liegen , flirtet er mit schönen blauäugigen Kanadierinnen , die hier mit allerhand Sports die Saison zubringen ; er flirtet mit amerikanischen » Summer Girls « , die es origineller gefunden haben , sich Kanada statt Europa anzusehen , und er flirtet mit blassen , verwaschen aussehenden Engländerinnen aus Hongkong , die alljährlich in immer grösserer Zahl hierher kommen , um sich vom dortigen erschlaffenden Klima zu erholen . Es werden täglich grosse Ausflüge unternommen , zu denen die ganze Gesellschaft meist in Kapitän Whites Coach fährt . Er kutschiert vortrefflich , aber es sieht ganz abenteuerlich aus , wenn er mit seinem Viergespann die steilen Korkenzieher-Wege hinauffährt , in so scharfen Windungen , dass das erste Paar Pferde oft genau eine Etage höher zu stehen kommt , als das zweite und der Wagen . Gestern sass ich bei solcher Fahrt neben Kapitän White , und auch bei den halsbrecherischsten Stellen erzählte er lustig weiter , besonders von den Wintersports und von den hiesigen Indianern . Er sagte mit dem Brustton englischer Selbstgefälligkeit , die Regierung sorge für sie mit Geld und Proviant - ich finde das eigentlich das Mindeste , nachdem man den armen Leuten ihr Land weggenommen und ihnen als besondere Gastgeschenke Trunksucht und allerhand Epidemien gebracht hat . Von Zeit zu Zeit sollen die Indianer noch jetzt grosse Versammlungen abhalten , bei denen ungeheure Mengen Branntwein getrunken werden und die alten Krieger sich unter lautem Beifall all ihrer einstmaligen Morde und Diebstähle rühmen . Um den Alten an Mut nicht nachzustehen und da Raub und Totschlag im modernen Kulturstaate doch sehr unangenehme Konsequenzen haben , bringen sich die jungen Männer in den Versammlungen eigenhändig grosse Wunden bei und werden dann auch als Krieger in den Bund aufgenommen . Wir fuhren gestern nach dem Devil ' s Lake , einem tiefblauen See klarsten Wassers ,