uns doch heute abend bei Sudenburgs ? Gewiß , gnädige Frau . Dann also au revoir ! Darf ich bitten , mich dem Herrn Gemahl zu empfehlen ? Wenn ich ' s nicht vergesse ! Der Wagen hielt . Fernau wäre für sein Leben gern mit der schönen Frau ausgestiegen ; aber er wagte es nicht . Dafür warf er , während der Wagen weiter fuhr , dem Herrn in der Ecke mehr als einen wütenden Blick zu , welchen dieser , der wieder vor sich nieder sah , glücklicherweise nicht bemerkte . Das ist doch seltsam , sagte Klotilde bei sich , während sie in der Querstraße auf ihre Wohnung zuschritt . Was war das nur eigentlich mit dem Herrn ? Er war nicht einmal so schön wie Fernau ; und Fernau hatte recht : trotz seiner Eleganz sah er doch eigentlich wie ein Spießbürger aus . Dennoch - wunderlich ! ich glaube wahrhaftig , das Herz hat mir ordentlich geschlagen . Es ist nur die wahnsinnige Langweile . Es ist nur , weil - Sie brach ihr Selbstgespräch jäh ab . Auf der andern Seite der Straße , um ein weniges ihr voraus , ging ihr Mann . Sie hätte ihn mit ein paar Schritten einholen , auf der fast menschenleeren Straße leichtlich mit einem halblauten : Viktor ! abrufen können . Wozu ? Er würde sich nicht freuen , sie zu sehen ; und sie brannte nicht darauf , sein gleichgültiges : Ach , sieh da , Klotilde ! zu hören . Wenn ihr doch ein Mensch sagen könnte , weshalb sie diesen , gerade diesen geheiratet hatte ! Und weshalb Menschen , die sich nicht mehr lieben , vielleicht einander nie geliebt haben , nun so miteinander weiter leben müssen ! Ein bittres Lächeln zuckte um ihre Lippen . Wie hatte sie zu Adele gesagt : er geht seinen Weg , ich den meinen ! Nun ja : da ging er ; und sie ging hier ! Viktor war an dem Hause angelangt . Er hatte geschellt , blickte , auf das Öffnen der Thür wartend , sich zufällig um und sah seine Frau über den Straßendamm kommen . Ach , sieh da , Klotilde ! Aus der Stadt ? Ja . Ich muß an Dir vorübergefahren sein . Drittes Kapitel Die schönen Räume der Wohnung des Ministerialdirektors Sudenburg hatten seit einer halben Stunde angefangen , sich mit den eingeladenen Gästen zu füllen . Die ersten waren , wie stets , die jungen , unverheirateten Offiziere gewesen , die mit dem Glockenschlage acht sich einfanden - Kameraden , zumeist der beiden älteren Söhne des Hauses , Fritz und Franz , Sekondelieutenants : Fritz in der Artillerie , Franz in der Infanterie . Zum Glück für Stephanie , die kaum noch wußte , was sie mit dem uniformierten , wenig ausgiebigen Schwarm beginnen sollte , waren dann auch bald , beinahe gleichzeitig , ihre liebste Freundin Klotilde mit Viktor , und Adele mit ihrem Gatten gekommen , und sie mußte vorerst einmal Adele , welche ganz neu in diesen Kreis trat , » ein wenig lancieren « . Adele hatte es ihr nicht schwer gemacht . Von der Furcht , die sie heute vormittag angesichts ihres Debüts in der Berliner Gesellschaft gehabt haben wollte , war schlechterdings nichts zu bemerken . Jeder der ihr Vorgestellten , gleichviel , ob Herr oder Dame , schien für sie eine intime Bekanntschaft zu sein , deren Anfang bis in ihre Kinderjahre zurück datierte . Eine entzückende kleine Person , sagte Hauptmann von Luckow zu ein paar jüngeren Kameraden . Diese lachenden , blauen Augen , diese lustig blitzenden , weißen Zähne , dies fröhliche Geplauder - wahrhaftig , das wirkt wie eine Oase auf den verschmachtenden Wanderer in der Wüste . Das Wort machte die Runde . Es dauerte nicht lange , bis - mindestens unter den jüngeren Herren - keiner von Adele anders , als von der » Oase « sprach . Inzwischen hatte sich Elimar ebenfalls sein Terrain erobert , ohne daß man von ihm , so wenig wie von Adele , sagen konnte , er habe es darauf abgesehen gehabt . Aber seine gehaltene , gegen Höher- und Niedrigerstehende gleich liebenswürdige Freundlichkeit ; seine große Unterhaltungsgabe , der jedes Thema genehm , und die doch niemals nach Beifall und Bewunderung zu haschen schien ; die Melodie selbst seiner immer nur halblauten und immer gleich verständlichen Stimme - es wäre nicht erst nötig gewesen , daß der Kriegsminister , der eben erschienen war , ihn , sobald er nur erst die Wirte begrüßt , sofort durch ein längeres , augenscheinlich sehr intimes Gespräch auszeichnete , um die Gesellschaft von der Bedeutenheit des Mannes zu überzeugen . Die Gesellschaft war jetzt beinahe vollzählig ; es schien sogar ein wenig an Raum zu fehlen , aber nur , weil in der langen Flucht der Zimmer einige so gut wie leer blieben , während die Herrschaften sich in einigen wenigen zusammendrängten . Mama hat gut reden , sagte Fritz zu Franz , sich heimlich den Schweiß von der Stirn wischend ; ich kann sie nicht auseinander bringen ; sie stehen wie die Mauern . Wenn man die kleine Meerheim da loseisen könnte ! Es laufen dann gleich ein Dutzend nach . Wird sich kaum noch der Mühe verlohnen . Endlich müssen wir doch einmal zum Souper kommen . Bist Du mit der Tischordnung fertig ? Hat sich was mit Tischordnung , wenn Stephanie mir die ganze Geschichte wieder umkrempelt . Sagt , ich hätte lauter dummes Zeug gemacht ! Wirst Du auch , alter Sohn ! Meinetwegen . Ich bekümmere mich nicht mehr darum . - An einen Schwarm von Herren , der Klotilde umringte , trat Viktor eilfertig heran . Verzeihung , Ihr Herren ! Ich möchte meiner Frau - Bitte ! bitte ! Was giebt ' s ? fragte Klotilde . Hast Du mit Excellenz schon gesprochen ? Welcher ? Es sind ein halbes Dutzend hier . Mein Gott