, könnt ichs doch ! Aber es geht ja nicht . Hab ich doch keine Seele dort , die sich meiner annehmen würde « . » Und wenn Sie jemand dort fänden - ein bischen Geld besitzen Sie ja auch , um sich irgendwo in einem anständigen Hause einzulogieren - würden Sie hinreisen ? « » Und ob , und ob « rief Johanne mit glänzenden Augen . » Dann will ich an meinen Bruder schreiben , er soll etwas für Sie Passendes suchen « . Johanne schrie glückselig auf . » Ach Gott , wird das herrlich , mit ihnen allen , die ich so lieb habe , die meine Freunde sind , in derselben Stadt sein , dieselbe Luft atmen dürfen , Betty , Betty ! « Plötzlich machte sie ein ernstes Gesicht . » Aber der Vormund ? wird ers erlauben , wird er drauf eingehen ? « » Ich rede mit ihm « versprach Betty Wewerka , in deren Interesse es zu liegen schien , Johannes Wunsch zu unterstützen . In Wahrheit befand sich ihr Bruder in mißlichen Verhältnissen , in denen ihm jede , auch die kleinste Einnahme zu gute kam . Erhielt er Johanne in Pension , so flossen ihm ein paar hundert Mark jährlich mehr zu . Fräulein Wewerka bearbeitete nun die beiden alten Ritters , stellte ihnen vor , wieviel gute Anregung Johanne im Haus ihres Bruders empfinge , wie sie in der Stadt tüchtig lernen würde ; es seien dort viele Fortbildungsschulen für junge Mädchen , man dürfe dem » Bildungsdrang « eines jungen Menschen kein Hindernis in den Weg legen u.s.w. Schließlich gaben die beiden Alten nach und willigten in die Uebersiedelung ihres Mündels nach der Stadt ein . Es wurde ein Termin festgesetzt , an dem Johanne reisen sollte . Das junge Mädchen ging wie im Traum umher . Die Seligkeit ließ sie Essen und Trinken vergessen , ließ sie den Bekannten , die sie anhielten , um ihr ein paar freundliche Worte zu sagen , die Antwort schuldig bleiben . Wenn sie an ihrem lieben alten Häuschen , in dem sie ihre Kindheit verbracht hatte , vorüberschritt , lachte sie heimlich und sagte : du altes schräges Ding , nun werde ich bald anderes als dich zu sehen bekommen . Es war sehr undankbar , aber sie hatte noch kein Leid kennen gelernt , wie sollte sie den Frieden zu schätzen wissen ? Sie nähte sich schnell eine Aussteuer , die ihr großartig erschien . Als sie ein halb Dutzend grober Hemden , etliche Röcke und Leibchen zusammengearbeitet hatte , packte sie alles in einen großen alten Holzkoffer , den sie noch von ihren Eltern besaß , und stellte sich ihrem Vormund als reisefertig vor . Man wartete noch etliche Tage , bis der Brief von Bettys Bruder kam . Er lautete sehr freundlich . Das junge Mädchen möge nur kommen . Er und seine Frau würden es selbst überwachen und ihm hülfreich in seinen Bestrebungen an die Hand gehen . » Und - früher oder später sehen Sie mich auch « sagte Fräulein Wewerka . » Ich warte nur , bis ich eine bestimmte Summe beisammen habe ; dann komme ich für immer nach Ninive . « Nun galts noch zwei Besuche . Der eine war schnell gethan . Es war der auf den Kirchhof . Mutter und Vater hörten still und unbekümmert unter ihren Blumenhügeln die Abschiedsworte der Fortziehenden . Die Toten ereifern sich nicht , denn sie wissen vieles , das da kommt . Auch der zweite Abschiedsbesuch verlief friedlich . Er galt dem Pfarrer . » Weißt du « sagte der alte Herr ruhig zu dem jungen Mädchen , » dir abraten , dein Glück in der Fremde zu suchen , würde zu nichts führen . Du gingest doch . Zieh denn . Vergiß nicht dein Abendgebet täglich zu sprechen , und vergiß noch etwas nicht : Du kommst dereinst wieder , Johanne , und dann wirst du kaum erwarten können , diesen alten treuen Boden unter deinen Sohlen zu spüren . Ich werde es vielleicht nicht erleben , aber denke manchmal daran . Es wird dir ein Trost und eine Mahnung sein « . Und dann segnete er sie und entließ sie . Weinend und doch lachend sah sie einige Tage später nach einem langen Abschied von ihren Bekannten die letzten Häuschen ihres Heimatsortes hinter sich entschwinden . Ein Wäglein brachte sie zur Eisenbahnstation . Noch einen letzten Blick auf die beiden Pappeln vor dem Kirchlein , dann verbarg ein Hügel den Ort , der wie eine treue Mutter ihre ersten Schritte bewacht hatte . Aber Kinder entlaufen oft ihren Müttern , um in der Fremde zu weinen ..... 3 Also das ist sie , die heißerträumte , heißerwünschte Stadt der Großen , Ninive ! ..... In die Ecke einer Droschke gedrückt , ihren großen Holzkoffer vor sich , durchsauste Johanne die Straßen , die nach der Wohnung Herrn Wewerkas führten . Sie sah zum ersten Mal drei , vier Stock hohe Häuser , Pferdebahnen , Schutzleute , Reklamewagen , Dampfbahnen , dazwischen ein schwarzes Gewimmel von tausend und abertausend geschäftig hineilenden Menschen . Der Lärm der Großstadt erschien ihr ohrenzerreißend ; die hinfliegenden Wagen , die Reiter , die Dampfbahnen machten sie schwindlig . Sie hatte sich das alles anders vorgestellt , märchenhaft , still , harmonisch ; diese lebenrauchende , brutale Wirklichkeit erschreckte sie . Vor einer riesenhaften Mietskaserne hielt der Wagen . Sie bezahlte und ließ ihren Koffer in den Hausflur stellen ; der herbeieilende Portier versprach , ihn gleich hinauf zu Wewerkas zu schaffen . Dann schritt sie über vier Treppen , die mit einem nicht allzu saubern Läufer bedeckt waren , und klingelte an einer Wohnung . Ein » Ah « , eine Hand , die sie faßte und hineinzog , und das Schicksal schloß hinter ihr die Thür . - Die ersten zehn Minuten war sie so befangen , daß sie nichts sah , als die Frau