gut berechnet ; aber freilich , ehe sie noch halb um den Teich herum war , hörte sie schon vom Hause her ihren Namen rufen und sah , während sie sich umwandte , die Mama , die , von der Steintreppe her , mit ihrem Taschentuche winkte . Noch einen Augenblick , und Effi stand vor ihr . » Nun bist du doch noch in deinem Kittel , und der Besuch ist da . Nie hältst du Zeit . « » Ich halte schon Zeit , aber der Besuch hat nicht Zeit gehalten . Es ist noch nicht eins ; noch lange nicht « , und sich nach den Zwillingen hin umwendend ( Hulda war noch weiter zurück ) , rief sie diesen zu : » Spielt nur weiter ; ich bin gleich wieder da . « Schon im nächsten Augenblicke trat Effi mit der Mama in den großen Gartensaal , der fast den ganzen Raum des Seitenflügels füllte . » Mama , du darfst mich nicht schelten . Es ist wirklich erst halb . Warum kommt er so früh ? Kavaliere kommen nicht zu spät , aber noch weniger zu früh . « Frau von Briest war in sichtlicher Verlegenheit ; Effi aber schmiegte sich liebkosend an sie und sagte : » Verzeih , ich will mich nun eilen ; du weißt , ich kann auch rasch sein , und in fünf Minuten ist Aschenpuddel in eine Prinzessin verwandelt . So lange kann er warten oder mit dem Papa plaudern . « Und der Mama zunickend , wollte sie leichten Fußes eine kleine eiserne Stiege hinauf , die aus dem Saal in den Oberstock hinaufführte . Frau von Briest aber , die unter Umständen auch unkonventionell sein konnte , hielt plötzlich die schon forteilende Effi zurück , warf einen Blick auf das jugendlich reizende Geschöpf , das , noch erhitzt von der Aufregung des Spiels , wie ein Bild frischesten Lebens vor ihr stand , und sagte beinahe vertraulich : » Es ist am Ende das beste , du bleibst , wie du bist . Ja , bleibe so . Du siehst gerade sehr gut aus . Und wenn es auch nicht wäre , du siehst so unvorbereitet aus , so gar nicht zurechtgemacht , und darauf kommt es in diesem Augenblicke an . Ich muß dir nämlich sagen , meine süße Effi ... « , und sie nahm ihres Kindes beide Hände , » ... ich muß dir nämlich sagen ... « » Aber Mama , was hast du nur ? Mir wird ja ganz angst und bange . « » ... Ich muß dir nämlich sagen , Effi , daß Baron Innstetten eben um deine Hand angehalten hat . « » Um meine Hand angehalten ? Und im Ernst ? « » Es ist keine Sache , um einen Scherz daraus zu machen . Du hast ihn vorgestern gesehen , und ich glaube , er hat dir auch gut gefallen . Er ist freilich älter als du , was alles in allem ein Glück ist , dazu ein Mann von Charakter , von Stellung und guten Sitten , und wenn du nicht nein sagst , was ich mir von meiner klugen Effi kaum denken kann , so stehst du mit zwanzig Jahren da , wo andere mit vierzig stehen . Du wirst deine Mama weit überholen . « Effi schwieg und suchte nach einer Antwort . Aber ehe sie diese finden konnte , hörte sie schon des Vaters Stimme von dem angrenzenden , noch im Fronthause gelegenen Hinterzimmer her , und gleich danach überschritt Ritterschaftsrat von Briest , ein wohlkonservierter Fünfziger von ausgesprochener Bonhomie , die Gartensalonschwelle - mit ihm Baron Innstetten , schlank , brünett und von militärischer Haltung . Effi , als sie seiner ansichtig wurde , kam in ein nervöses Zittern ; aber nicht auf lange , denn im selben Augenblicke fast , wo sich Innstetten unter freundlicher Verneigung ihr näherte , wurden an dem mittleren der weit offenstehenden und von wildem Wein halb überwachsenen Fenster die rotblonden Köpfe der Zwillinge sichtbar , und Hertha , die Ausgelassenste , rief in den Saal hinein : » Effi , komm . « Dann duckte sie sich , und beide Schwestern sprangen von der Banklehne , darauf sie gestanden , wieder in den Garten hinab , und man hörte nur noch ihr leises Kichern und Lachen . Drittes Kapitel Noch an demselben Tage hatte sich Baron Innstetten mit Effi Briest verlobt . Der joviale Brautvater , der sich nicht leicht in seiner Feierlichkeitsrolle zurechtfand , hatte bei dem Verlobungsmahl , das folgte , das junge Paar leben lassen , was auf Frau von Briest , die dabei der nun um kaum achtzehn Jahre zurückliegenden Zeit gedenken mochte , nicht ohne herzbeweglichen Eindruck geblieben war . Aber nicht auf lange ; sie hatte es nicht sein können , nun war es statt ihrer die Tochter - alles in allem ebensogut oder vielleicht noch besser . Denn mit Briest ließ sich leben , trotzdem er ein wenig prosaisch war und dann und wann einen kleinen frivolen Zug hatte . Gegen Ende der Tafel , das Eis wurde schon herumgereicht , nahm der alte Ritterschaftsrat noch einmal das Wort , um in einer zweiten Ansprache das allgemeine Familien-Du zu proponieren . Er umarmte dabei Innstetten und gab ihm einen Kuß auf die linke Backe . Hiermit war aber die Sache für ihn noch nicht abgeschlossen , vielmehr fuhr er fort , außer dem » Du « zugleich intimere Namen und Titel für den Hausverkehr zu empfehlen , eine Art Gemütlichkeitsrangliste aufzustellen , natürlich unter Wahrung berechtigter , weil wohlerworbener Eigentümlichkeiten . Für seine Frau , so hieß es , würde der Fortbestand von » Mama « ( denn es gäbe auch junge Mamas ) wohl das beste sein , während er für seine Person , unter Verzicht auf den Ehrentitel » Papa « , das einfache Briest entschieden bevorzugen müsse , schon weil es so hübsch kurz sei .