, aber ich finde sie viel zu hoch , ganz unnatürlich hoch . Und da Wendelin auch sagte , ' s geht nich , Leo , so ging es nicht , und ich habe unten bei Schlächtermeister Funke , meinem Wirte , wie Ihr wißt , die Weihnachtsbescherung mit angesehen . Alles war sehr gerührt , auch Funke . Man sollte es nicht für möglich halten . Denn gerade in der Weihnachtszeit wurde immer geschlachtet , und ich konnte das Gequietsche der armen Biester mitunter gar nicht mehr mit anhören , und Funke immer in Person dabei . Und nun doch gerührt . Übrigens war die frische Wurst und besonders der Preßkopf ganz vorzüglich . In bezug auf Verpflegung bleibt hier in Thorn überhaupt nichts zu wünschen übrig , nur der Geist darbt , und das Herz darbt . Überhaupt scheint darben mein Los . Ach , Mutter , warum bist du keine geborene Bleichröder ... ? « » Empörend « , unterbrach hier Therese ihre Vorlesung . » Wir haben schon Manon mit ihren ewigen Bartensteins , und nun fängt Leo auch noch an . « » Daß wir Bartensteins haben , ist ganz gut . Lies lieber weiter . « » ... Also Heiligabend war es nichts . Indessen das Jahr hat auch noch andre große Tage . Der größte aber ist der 4. Januar , wo meine gute Alte , geborene Pütter , geboren wurde . Dieser Tag ist übermorgen , und ich werde gestiefelt und gespornt antreten , um meine Glückwünsche persönlich überbringen zu können . « » Nicht zu glauben . Weihnachten kein Geld , und zwei Tage nach Neujahr , wo doch die vielen Rechnungen kommen , will er die teure Reise machen . « » Es wird sich ja wohl alles aufklären , Mama « , sagte Manon . » Und mutmaßlich noch in diesem Briefe . Höre nur weiter . « » ... Es geschehen nämlich immer noch Zeichen und Wunder , und mitunter ist es mir , als ob der Unglauben und alle solche häßlichen Zeiterscheinungen abgewirtschaftet hätten . Auch der Adel kommt wieder obenauf , und ganz zuoberst der arme Adel , das heißt also die Poggenpuhls . Denn daß wir diesen in einer Art von Vollendung , oder sag ich Reinkultur , darstellen , darüber kann kein Zweifel sein . Aber zur Sache , wie die Parlamentarier sagen . Und so vernimm denn , am Silvesterabend noch ein Bettler ( allerdings ein glücklicher , denn wir brachten es im Kasino auf sieben Bowlen in Großformat ) und am 1. Januar früh ein Gott , ein Krösus . Krösus ist nämlich immer das Höchste , was man auch Klimax nennt . Schon um zehn klopft es , ich reiße mich aus meinem Morgentraum und empfinde einen gewissen bleiernen Zustand , aber nicht auf lange . Denn wer stand vor mir ? Oktavio ? Nein , nicht Oktavio . Wir wollen ihn heute lieber Wendelin nennen . Und was er sagte , war das Folgende : Leo , sagte er , du hast Glück . Geldschiff angekommen . Für mich ? frag ich . Nein , für dich nicht , wenigstens nicht unmittelbar . Aber doch für mich . Das Militärwochenblatt hat mir heute früh das Honorar geschickt . Viel ? unterbrach ich ihn wieder in höchster Erregung . Das Militärwochenblatt schickt immer viel , antwortete er ruhig und legte dabei drei Zwanzigmarkscheine vor mich hin . Ich , geblendet , als ob es nicht Scheine , sondern das reine pure Gold wäre , will mich blindlings und dankbar auf ihn losstürzen , aber er wehrt mich vornehm ab und sagt nur : Alles deine , Leo ; aber nicht zum Verkneipen . Übermorgen früh reist du nach Berlin . « » Der gute Wendelin ! Er schickt ihn dir , weil er weiß , daß er dein Liebling ist « , unterbrach hier Manon und streichelte der Mama die Hände . Therese aber las weiter : » ... Vier Uhr nachmittags bist du da , benimmst dich nett und hilfst am andern Morgen den Geburtstag mitfeiern . Nach Kaisers Geburtstag kommt Mamas Geburtstag . Das ist Poggenpuhlscher Katechismus . Und nun zieh dich an und geh eine Stunde spazieren . Denn du stehst da wie Silvester in seiner letzten Stunde . Unter diesen Worten verließ er mich wie ein Fürst . Und ich werde tun , wie er befohlen hat , und Dienstag nachmittag bei Euch eintreffen . Vier Uhr . Tout à vous ma Reine-mère . Dein glücklicher , verdrehter , wohlaffektionierter Leo I. « Die beiden jüngeren Schwestern klatschten in die Hände , ja , selbst Therese , soviel sie an diesem Übermut auszusetzen hatte , freute sich des Besuchs . Nur die Mutter sagte : » Ja , da soll ich mich nun freuen . Aber kann ich mich freuen ? Herkommen wird er ja wohl gerade mit dem Geld , aber wenn er hier ist , müssen wir ihm doch ein paar gute Tage machen , und wenn er auch bescheiden in seinen Ansprüchen ist , so muß er doch den dritten Tag wieder zurück , und dafür müssen wir aufkommen . « » Sprich doch nicht immer davon « , sagte Therese . » Ja , Therese , du denkst immer , ein Livreediener wird dir eine Kassette bringen mit der Aufschrift Dem tapferen Hause Poggenpuhl , aber das sind alles Märchengeschichten , und der Mann am Schalter , der die Fahrkarten verkauft , ist eine unerbittliche Wirklichkeit . « » Ach , Mama « , sagte Sophie , » damit mußt du dir die Vorfreude nicht verderben . Es geschehen noch Zeichen und Wunder , so hat er geschrieben , und wenn sie nicht geschehen , so laß ich mir auf meine letzten Bilder einen Vorschuß geben , und wenn auch das nicht geht , so ... « » Nun , so haben wir immer noch die Zuckerdose « , warf Manon ein .