wünschen , daß einem solch bittere Pflicht erwachse - « » Bitter ? So ein frischer , fröhlicher Krieg muß ja was Herrliches sein . Du bist eine Soldatenfrau - vergiß das nicht - « Ich fiel ihm um den Hals ... » O Du mein lieber Mann , sei ruhig : ich kann auch tapfer sein ... Wie oft habe ich ' s den Helden und Heldinnen der Geschichte nachempfunden , welch erhebendes Gefühl es sein muß , in den Kampf zu ziehen . Dürfte ich nur mit - an Deiner Seite fechten , fallen oder siegen ! « » Brav gesprochen , mein Weibchen - aber Unsinn . Dein Platz ist hier an der Wiege des Kleinen , in dem auch ein Vaterlandsverteidiger groß gezogen werden soll . Dein Platz ist an unserem häuslichen Herd . Um diesen zu schützen und vor feindlichem Überfall zu wahren , um unserm Heim und unsern Frauen den Frieden zu erhalten , ziehen wir Männer ja in den Krieg . « Ich weiß nicht , warum mir diese Worte , welche ich in ähnlicher Fassung doch schon oft zustimmend gehört und gelesen hatte , diesmal einigermaßen als » Phrase « klangen ... Es war ja kein bedrohter Herd da , keine Barbarenhorden standen vor den Thoren - einfach politische Spannung zwischen zwei Kabinetten ... Wenn also mein Mann begeistert in den Krieg ziehen wollte , so war es doch nicht so sehr das dringende Bedürfnis , Weib und Kind und Vaterland zu schützen , als vielmehr die Lust an dem abenteuerlichen , Abwechslung bietenden Hinausmarschieren - der Drang nach Auszeichnung - Beförderung ... Nun ja , Ehrgeiz ist es - schloß ich diesen Gedankengang - schöner , berechtigter Ehrgeiz , Lust an tapferer Pflichterfüllung ! Es war schön von ihm , daß er sich freute , wenn er zu Felde ziehen müßte ; aber noch war ja nichts entschieden . Vielleicht würde der Krieg gar nicht ausbrechen , und selbst für den Fall , daß man sich schlage , wer weiß , ob gerade Arno wegkommandiert würde - es geht ja doch nicht immer die ganze Armee vor den Feind . Nein , dieses so herrliche , abgerundete Glück , welches mir das Schicksal zurecht gezimmert hatte , konnte doch dieses selbe Schicksal nicht so roh zertrümmern . - O Arno , mein vielgeliebter Mann - dich in Gefahr zu wissen , es wäre entsetzlich ! ... Solche und ähnliche Ergüsse füllen die in jenen Tagen beschriebenen Tagebuchblätter . Von da ab sind die roten Hefte eine Zeit lang voll Kannegießerei : Louis Napoleon ist ein Intrigant ... Österreich kann nicht lange zuschauen ... es kommt zum Kriege ... Sardinien wird sich vor der Übermacht fürchten und nachgeben ... Der Friede bleibt erhalten ... Meine Wünsche - trotz aller theoretischer Bewunderung vergangener Schlachten - waren natürlich inbrünstig nach Erhaltung des Friedens gerichtet , doch der Wunsch meines Gatten rief offenbar die andere Alternative herbei . Er sagte es nicht grad ' heraus , aber Nachrichten über die Vergrößerung des » schwarzen Punktes « teilte er immer leuchtenden Auges mit ; die hier und da , leider immer spärlicher werdenden Friedensaussichten hingegen konstatierte er stets mit einer gewissen Niedergeschlagenheit . Mein Vater war auch ganz Feuer und Flamme für den Krieg . Die Besiegung der Piemontesen würde ja nur ein Kinderspiel sein , und zur Bekräftigung dieser Behauptung regneten wieder die Radetzky-Anekdoten . Ich hörte von dem drohenden Feldzug immer nur vom strategischen Standpunkt sprechen , nämlich ein Hin- und Herwägen der Chancen , wie und wo der Feind geschlagen würde und die Vorteile , welche » uns « daraus erwachsen mußten . Der menschliche Standpunkt - nämlich daß , ob verloren oder gewonnen , jede Schlacht unzählige Blut- und Thränenopfer fordert , - kam gar nicht in Betracht . Die hier in Frage stehenden Interessen wurden als so sehr über alle Einzelschicksale erhaben dargestellt , daß ich mich der Kleinlichkeit meiner Auffassung schämte , wenn mir bisweilen der Gedanke aufstieg : » Ach , was frommt den armen Toten , was den armen Verkrüppelten , was den armen Witwen der Sieg ? « Doch bald stellten sich als Antwort auf diese verzagten Fragen wieder die alten Schulbuchdithyramben ein : Ersatz für alles bietet der Ruhm . Doch wie , wenn der Feind siegte ? Diese Frage ließ ich einmal im Kreise meiner militärischen Freunde laut werden - wurde aber schmählich niedergezischt . Das bloße Erwähnen von der Möglichkeit eines Schattens eines Zweifels ist schon antipatriotisch . Im voraus seiner Unüberwindlichkeit sicher sein , gehört mit zu den Soldatenpflichten . Also gewissermaßen auch zu den Pflichten einer loyalen Lieutenantsfrau . Das Regiment meines Mannes lag in Wien . Von unserer Wohnung hatte man die Aussicht auf den Prater , und wenn man da ans Fenster trat , wehte es sommerlich verheißend herein . Es war ein wundervoller Frühling . Die Luft war lau und veilchenduftend , und zeitiger als in anderen Jahren sproßte das junge Laub hervor . Auf die im kommenden Monat bevorstehenden großen Praterfahrten freute ich mich unbändig . Wir hatten uns zu diesem Zweck ein kokettes » Zeugel « angeschafft , nämlich einen Kutschierwagen mit einem Viererzug von ungarischen Juckern . Schon jetzt , in diesen herrlichen Apriltagen , fuhren wir beinahe täglich in den Prateralleen spazieren , aber das war nur ein Vorkosten des eigentlichen Maigenusses . Ach , wenn nur bis dahin nicht etwa der Krieg ausbräche ! ... » Na , Gott sei Dank - jetzt hat die Unentschiedenheit ein Ende ! - rief mein Mann , als er am Morgen des neunzehnten April vom Exerzieren nach Hause kam . » Das Ultimatum ist gestellt . « Ich erschrak . » Wie - was - was heißt das ? « » Das heißt , das letzte Wort der diplomatischen Verhandlungen , welches der Kriegserklärung vorausgeht , ist gesprochen . Unser Ultimatum an Sardinien fordert , daß Sardinien entwaffne - was dieses natürlich bleiben läßt , und wir