extra von mir eintrichtern ließ oder wie ich es nennen soll . Es war , wie wenn er eine Gabe hätte , die Gedanken der Menschen mit wenig Wörtchen zu reihen , hin und her gehen zu lassen und aufzulösen , und doch war er nicht imstande , selbst eine dauernde Gedankenordnung festzuhalten . Aber alles war , wie gesagt , spaßhaft , und jeder ließ ihn gewähren . Er erhielt auch richtig die Verweserei einer ländlichen Elementarschule , wo es herrlich und in Freuden ging ; als er aber Realklassen übernahm , d.h. den Unterricht der größeren Kinder , begann er bald von Ort zu Ort zu rutschen und gab in kurzer Zeit das Schulmeistern auf . Ich hatte mich indessen noch zum Sekundarlehrer ausgebildet und ordentlich Fleiß darauf verwendet ; auch verwaltete ich die Schule , an die ich gewählt wurde , nicht allein mit der üblichen Begeisterung , sondern auch mit einigem Pflichtgefühl und bemühte mich redlich , die Schüler so durchgehend als möglich emporzuarbeiten . Ich freute mich schon der späteren Tage , wo ich manchem Landmann zu begegnen hoffte , der es mir danken würde , wenn er eine richtige Berechnung anstellen , ein Stück Feld ausmessen , seine Zeitung besser verstehen und etwa ein französisches Buch lesen könnte , alles ohne die Hand vom Pfluge zu lassen ! Allerdings hab ich es nicht erlebt ; denn die Buben schwanden einem vorweg aus den Augen und verkrochen sich in alle möglichen Schreibstuben . Keinen sah ich je wieder auf dem Feld und an der Sonne ! « Salander hielt inne und besann sich ; dann tat er einen leichten Seufzer und redete weiter : » Aber hab ich es denn besser gemacht ? Bin ich nicht selbst vom Pfluge weggelaufen ? « » Du meinst , als du den Lehrerberuf aufgabst ? « sagte Wighart , da der andere ein Weilchen wieder verstummte ; » wie bist du denn dazu gekommen ? « Vater und Mutter starben mir in der Heimat in derselben Woche an einem bösartigen Fieber . Im Stall war ihnen ein krankes Kälbchen zugrunde gegangen , das haben sie oberhalb des Hauses in der Wiese vergraben , unfern unserer guten Brunnenquelle , und sich so das Wasser in aller Unschuld vergiftet . Knecht und Magd entrannen dem Tode mit Not . Die Ursache ward erst später entdeckt . Mir aber wandelten sich Schreck und Trauer bald in eine große Unruhe , als ich mich im Besitze des elterlichen Vermögens sah , das nach dem Verkaufe des Hofes für einen Schulmeister artig genug ausfiel . Ich heiratete meine Frau , die mir schon länger in die Augen gestochen , und auch sie besaß bare Mittel . Da wurde es mir plötzlich zu eng in der friedlichen Schulstube , in der entlegenen Landschaft ; ich zog hierher , in die Stadt dort hinter den Bäumen , wollte mitten im Verkehr stehen , unter Erwachsenen , auf Freiheit und Fortschritt ausschauen , ein Geschäftsmann , ein Muster von Brotherrn sein , ja sogar noch den Militärdienst nachholen und Offizier werden , um meinen Mann zu stellen . Denn ich glaubte alles schuldig zu sein , weil ich etwas Vermögen besaß , das im Grunde doch kein Reichtum zu nennen war . Zunächst beteiligte ich mich an einer bescheidenen Gewebefabrik , die von einem kundigen Manne geleitet wurde ; daneben übernahm ich einen herrenlosen Handel mit Strohwaren ; nun , das ist dir ja bekannt , es ging gar nicht übel . Ich hielt mich fleißig und aufmerksam an die Sache , ohne der Welt den Rücken zu kehren . Da war denn auch der Louis Wohlwend ; der betrieb ein Kommissionsgeschäft , wie du auch weißt , nebst einigen Agenturen und war immer noch der gleiche zutuliche und vertrauliche Gesell und Hans in allen Gassen , von dem jeder den Eindruck empfing , daß es ihm gut gehe und er wohl wisse , was er wolle . Auch zu mir hielt er sich fleißig , sooft er Zeit fand , und bald stand ich im Rufe seines Spezialfreundes und wehrte mich nicht dagegen , obschon mir im stillen manches auffällig war , was ihm anhaftete . In einem Gesangverein , in den er mich einführte , bemerkte ich , daß er immer falsch sang ; ich dachte aber , er könne nichts dafür , und nachher beim Glase Wein war er umso kurzweiliger und beliebter , und er behauptete sich , trotzdem der Übelstand offenkundig , im zweiten Tenor . Das ärgerte mich zuletzt ernstlich ; er tat aber , als ob er keine Ahnung hätte , und am Ende sagte ich mir , das sei eigentlich auch ein Idealismus , wenn ein armer Teufel , der kein Gehör habe , durchaus singen wolle . Als ich eines Abends in der Weihnachtswoche an meinem Rechnungsabschluß saß mit dem Vorsatze , bis nach Mitternacht zu arbeiten , kam er , mich in seinen Verein abzuholen , wo Christbaum und Hauptvergnügen sei . Ich wollte nicht mitgehen ; er gab nicht nach , und da meine Frau mich ebenfalls zu gehen bat , mir die Erholung gönnend , tat ich es . Dies war der Unglückstag . Unterwegs kaufte ich zum Überflusse auch noch eine Gabe für den Christbaum , ein artiges Bildungsbuch in Goldschnitt , und erhielt bei der Verlosung dafür einen westfälischen Schinken . Als das Essen , das folgte , vorüber und die Rennbahn für die komischen Sänger , die Deklamanten und Travestanten eröffnet war , bestieg auch Louis Wohlwend das Podium , den Vortrag der Schillerschen Ballade Die Bürgschaft ankündigend und sogleich beginnend . Er wußte das Gedicht zu meiner Verwunderung auswendig und trug es mit einer gewissen Erregung oder Überzeugung , mit halb zitternder Stimme vor , aber mit durchgehend so verflucht falscher Betonung , daß die Wirkung mehr verdrießlich als lächerlich war . Unbewußt sprach er in jenem Tone ungebildeter Leute , welche klagend oder keifend ein Schriftstück vorlesen , dabei