der Tag werde kommen , wo seine lieben Freunde und Nachbaren wieder auf der Höhe bei ihm zu Gaste sein und frei ostwärts mit ihm blicken würden . Alles stimmte ein . Aber wenn jemals unprophetische Worte gesprochen wurden , so waren es diese . Der Krieg kam wieder , mit ihm Hunger und Pest , und zerstörte entweder den Wohlstand der Dörfer oder diese selbst . Ganze Gemarkungen wandelten sich in eine Wüste , und die Hälfte der Hohen-Vietzer Hofestellen stand leer , weil ihre Insassen verflogen oder verstorben waren . Inmitten dieses Elendes , ehe noch der Schimmer besserer Zeiten heraufdämmerte , schloß Rochus die müden Augen , und sie trugen ihn bergan in die Gruft unterm Altar und stellten den kupfernen Sarg , mit Beschlägen und Wappentafeln und mit aufgelötetem silbernen Kruzifix , in die lange Reihe der ihm vorangegangenen Ahnen . Nichts fehlte ; denn der Zeiten Not hatte dem Vater die Ehren des Begräbnisses nicht kürzen sollen . So wollte es der älteste Sohn : der jüngere , mit seinem Regiment an der fränkischen Saale stehend , hatte der Bestattung nicht beiwohnen können . Anselm war nun Herr auf Hohen-Vietz . Es war nicht frohen Herzens , daß er das erste Korn in den nur schlecht gepflügten Boden warf : aber siehe da , die Saat ging auf , ohne daß Freund oder Feind - denn zwischen beiden war längst kein Unterschied mehr - die jungen Halme zerstampft hätte : der Krieg , so schien es , hatte sich ausgebrannt wie ein Feuer , das keine Nahrung mehr findet , und ehe das Jahrzehnt schloß , ging die Mär von Mund zu Mund , die Mär , daß Friede sei . Und es war Friede . Was niemand mehr mit Augen zu sehen gehofft hatte , es war da . Und als abermals zwei Jahre ins Land gezogen waren , ohne daß Schwede oder Kaiserlicher im Lebusischen gelagert und geplündert hätte , und jeder , selbst der Ungläubigste , seiner Zweifel sich entschlagen mußte , da traf ein Brief im Hohen-Vietzer Herrenhause ein , der führte die Aufschrift : » Dem wohledlen , gestrengen und festen Anselm von Vitzewitz , erbsessen auf Hohen-Vietz im Lande Lebus . « Der Brief selbst aber lautete : » Mein insonders vielgeliebter Bruder ! Von heut ab in zween Wochen , so Gott seinen Segen zu meinem Plane gibt , bin ich bei Dir in Hohen-Vietz . Ich erwarte nur noch die Permission aus Wien , die mir Kaiserliche Majestät nicht refüsieren wird . Vielleicht , daß uns tempora futura wieder zusammenführen , wie uns die Tage der Kindheit und adolescentia zusammen sahen . Wir Lutherischen - trotzdem sie zu Münster und Osnabrügge den Religionsfrieden mit vollen Backen proklamieret haben - sind wenig gelitten im kaiserlichen Heere , und kein Tag vergeht ohne Andeutung , daß man uns nicht mehr braucht . Ich höre , daß Unser gnädigster Herr Kurfürst , dem ich nie säumig gewesen , als meinen Lehns- und Landesherren zu konsiderieren , eine brandenburgische Armee wirbt , derowegen er aus schwedischem und kaiserlichem Heer Offiziers und Generals im beträchtlichen herübernimmt . Es sollte mir eine rechte Freude sein , so die Reihe auch an mich käme ; denn daß ich es sage , es zieht mich wieder heimb in mein liebes Land Lebus . Unsere Vettern und Nachbarn , die Burgsdorffs , die post mortem Schwarzenbergii das A und das O bei Hofe sind , werden doch etwas tun wollen für eine alte Kriegsgurgel , die den Dienst kennt wie den Catechismum Lutheri . Interim bene vale . Der ich bin Dein Bruder Matthias von Vitzewitz , kaiserlicher Oberst . « Und Matthias kam wirklich und hielt die angegebene Zeit . Ein Fest sollte seine Anwesenheit feiern . In dem großen Anbau waren drei Tische gedeckt : zwei standen unten und liefen , der Länge des Saales nach , nebeneinander her , der dritte Tisch aber stand quer auf einer mit Wappen und Bannern geschmückten Empore , zu der drei Stufen hinanführten . Die ganze Freundschaft aus Barnim und Lebus war geladen : die Brüder saßen einander gegenüber ; neben ihnen , an der Quertafel : Adam und Beteke Pfuel von Jahnsfelde , Peter Ihlow von Ringenwalde , Balthasar Wulffen von Tempelberg , Hans und Nikolaus Barfus von Hohen-und Nieder-Predikow , dazu Tamme Strantz , Achim von Kracht , zwei Schapelows , zwei Beerfeldes und fünfe von Burgsdorff . Sie waren alle , schon um Glaubens willen , mehr schwedisch als kaiserlich , besonders Peter Ihlow , der - ein Neffe Feldmarschall Ihlows - einen Groll gegen den Wiener Hof hatte , ihn anklagend , seinen Oheim in Schloß Eger meuchlings gemordet zu haben . Er wiederholte auch heute seine Anklage , wobei es dahingestellt bleiben mag , ob er die Gegenwart des Gastes momentan vergaß oder sie vergessen wollte . Matthias von Vitzewitz , als er seinen Kriegsherrn , den Kaiser , in so herausfordernder Weise schmähen hörte , erhob sich und rief : » Peter Ihlow , hütet Eure Zunge . Ich bin kaiserlicher Offizier . « » Du bist es « , rief jetzt Anselm , aus dem der Wein , aber noch mehr das protestantische Herz sprach , über den Tisch hinüber : » du bist es ; aber besser wäre es , du wärest es nie gewesen . « » Besser oder nicht , ich bin es . Des Kaisers Ehre ist meine Ehre . « » Ein Glück , daß du die Ehre satt hast . Die Fremden sind wenig gelitten im kaiserlichen Heere . « Matthias , der sich bis dahin mühsam bezwungen hatte , verlor alle Herrschaft über sich , als er sich , durch Vorhaltung seiner eigenen Briefworte , in so wenig großmütiger Weise besiegt und gefangen sah . Die Augen traten ihm aus der Stirn , und sein Kinn auf den Knauf des Degens stützend , schrie er : » Wer das sagt , der lügt