es Morgens war , oder Nachmittags . In dieser Zeit nun gegen Ende der Studien in der Handelsakademie - kam mir Adalbert Stifter zur Hand . Ich nahm die Werke dieses Poeten in mein Blut auf und sah die Natur im Stifterschen Geiste . Es ist mir später schwer geworden , Nachahmung meines Lieblingsdichters zu vermeiden und dürften Spuren davon in den älteren meiner Schriften wohl zu finden sein . Den Landleuten gegenüber regte sich nun in mir ein lebhafter Drang , sie zu beobachten , und sie wurden der Gegenstand meiner Dialektgedichte . Zahlreiche Proben davon brachte ich meinem Dr. Svoboda . Seine Beurteilung war nicht ohne Strenge ; doch verstand er es , meinen oft herabgedrückten Mut allemal wieder zu wecken , was sehr not tat . Er verwies mich auf große Vorbilder ; jedoch solche machten mich stets mutlos , während Leichteres , weniger Gelungenes - wenn es überhaupt in meiner Richtung lag - mich reizte und belebte , Besseres zu schaffen . Der Einfluß Dr. Svobodas auf meine geistige Entwickelung ist ein großer , obgleich mir sein hoher ästhetischer Standpunkt lange Zeit unverständlich und kaum zu erreichen schien . Als er mir einst sagte , ich müsse ein in ganz Deutschland gelesener Schriftsteller werden , lachte ich ihm dreist ins Gesicht , aber er lehrte mich Selbstzucht und die Selbstschätzung , den Ehrgeiz - - damit hat er manches erreicht . Um jene Zeit suchte ich in Graz einen Verleger für ein Bändchen Gedichte in steierischer Mundart . Ich fand einen einzigen , der sich bereit erklärte , das Büchlein herauszugeben , wenn mir Robert Hamerling dazu ein Vorwort schriebe . Schon einige Monate früher hatte ich die Kühnheit gehabt , mich selbst bei Hamerling vorzustellen . Sein mildes Wesen und das Interesse , das er für mich zeigte , ermutigten mich , ihm die Gedichte vorzulegen und dafür um ein Vorwort zu bitten . Und Robert Hamerling hat meinem » Zither und Hackbrett « , wie wir das Büchlein nannten , einen Begleitbrief mitgegeben , der mir fürs Erste bei dem Verleger , Herrn Josef Pock in Graz , ein ganz anständiges Honorar eintrug . Diesem Vorworte ist es zu verdanken , daß die Kritik dem Büchlein ihre Aufmerksamkeit zuwandte , und » Zither und Hackbrett « hatte einen schönen Erfolg . Robert Hamerling war mir dieser ersten Tat ein treuer Freund geblieben . Sein schlichtes Wesen , seine gütige bescheidene Art , zu leiten und zu raten , seine liebreichen Gesinnungen , seine von jeder Überschwenglichkeit freie , ich möchte sagen , klassisch reine Weltanschauung war für meine Schriften , aber noch mehr für die Ausbildung meiner Denkungsart von wesentlichen Folgen . Dieser stets anregende , schöpferische Geist , dieser beruhigende versöhnende Charakter , dieses stille , aber entschiedene Hinstreben nach dem Schönen und Guten ist für mich in meinen verschiedenen Lebenslagen von unschätzbarem Werte geworden . Ein freundlicher Zufall wollte es , daß » Zither und Hackbrett « gerade in den Tagen erschien ( Juli 1869 ) , als ich nach beendigten Studien die Handelsakademie verließ , um nun eine Stelle zu suchen . Dr. Svoboda jedoch sagte : » Jetzt suchen Sie keine Stelle , jetzt mieten Sie sich ein lichtes Zimmer und studieren und dichten , auch machen Sie Reisen , schauen die Welt an und schreiben darüber . Sie haben einen glücklichen Stil , werden Ihre Schriften in den Zeitungen abdrucken lassen , und dann als Bücher herausgeben . Das Land Steiermark wird Ihnen ein Stipendium verleihen , und Sie werden Schriftsteller sein . « So ist es auch geworden . Schon für die nächsten Monate zog ich mich in meine Waldheimat zurück und schrieb ein neues Buch in steirischer Mundart : » Tannenharz und Fichtennadeln « ; später das Buch » Stoansteirisch « . ( Die Dialektwerke sind bei Leykam in Graz verlegt . ) Diesem folgte bald das beschreibende Werkchen : » Sittenbilder aus dem steierischen Oberlande « , später erweitert unter dem Titel » Volksleben in Steiermark « . Die Winterszeit verlebte ich in Graz , wieder bei meinem alten Finanzrat Frühauf , besuchte Vorlesungen an der Universität und trieb fleißig Privatstudien . Im Sommer reiste ich . Ich bereiste Steiermark , besonders Oberland , Oberösterreich , Salzburg , Kärnten und Tirol . Im Jahre 1870 machte ich eine Reise durch Mähren , Böhmen , Sachsen , Preußen bis auf die Insel Rügen . Ging dann nach Hamburg , zur See nach den Niederlanden und fuhr rheinaufwärts bis in die Schweiz . Ich hatte vor , die Schweiz genau zu studieren , doch zog es mich mit solcher Macht nach der Steiermark zurück , daß mir der ausbrechende deutsch-französische Krieg eine willkommene Veranlassung war , den unter meinen Füßen brennend gewordenen Boden eiligst zu verlassen . Zwei Jahre später bereiste ich Italien . Ich wollte auch nach Sizilien , doch hat mich in Neapel das Heimweh derart übermannt , daß ich umkehrte und bei Tag- und Nachtfahrten den kürzesten Weg nach Hause suchte . In den heimatlichen Tälern lag der frostige Herbstnebel , aber ich stieg auf die Berge , in den Sonnenschein hinauf und war glücklich . Die Alpenhöhen waren meine Lust . Ich ging stets allein , und diesen Wanderungen verdanke ich hohe Genüsse . Im Jahre 1870 von meiner Reise durch Deutschland heimgekehrt , fand ich auf meinem Tische eine Aufforderung des Pester Verlagsbuchhändlers Gustav Heckenast ( mit welchem ich schon früher in bezug auf seinen Freund Adalbert Stifter in Briefwechsel gestanden ) , für seinen Verlag ein Buch zu schreiben . Das Buch war aber schon fertig und hieß : » Geschichten aus Steiermark « . Heckenast ließ es sogleich drucken und ermunterte mich zu neuen literarischen Arbeiten . Ein Jahr später besuchte ich den fein gebildeten Weltmann auf seinem Landgut in Maróth . Er schloß sich freundlich an mich , ich mich innig an ihn , es entwickelte sich zwischen dem vornehm denkenden Kunstmäcen , dem verdienstvollen Begründer der deutsch-ungarischen Literatur und