einen weiten Zwischenraum getrennt , und vom Meere rings umfluthet , stand , von einer alten halbverdorrten Eiche überragt , noch eine Hütte , an die sich für mich viel köstliche Erinnerungen knüpften . Der alte Schmied Pinnow wohnte da , meines Freundes Klaus Pinnow Vater . Schmied Pinnow war für meine Knabenjahre unzweifelhaft die merkwürdigste Persönlichkeit gewesen . Er besaß vier alte doppelläufige , verrostete Percussionsgewehre und eine lange einläufige Vogelflinte mit Pfannenschloß , die er an jagdlustige Badegäste verlieh und gelegentlich an uns Jungen , wenn wir gut bei Kasse waren , denn Schmied Pinnow that nicht leicht etwas um Gottes willen ; außerdem hatte er ein großes Segelboot , ebenfalls nur zur Benutzung der Badegäste , wenigstens in den letzten Jahren , wo er halb blind geworden war und größere Fahrten nicht wohl unternehmen konnte . Ehemals sollte er freilich ganz andere Fahrten von weniger harmloser Natur gemacht haben ; und die Steuerofficianten , meines Vaters Collegen - mein Vater war seit einiger Zeit zum Rendanten avancirt - schüttelten die Köpfe , wenn sie auf Schmied Pinnows Vergangenheit zu sprechen kamen . Indessen , was ging uns Jungen das an ! Was ging es mich vor allen an , der ich den vier verrosteten Jagdgewehren und der Vogelflinte und des alten Pinnows altem Boot die schönsten Stunden meines Lebens verdankte und an Klaus Pinnow den besten Kameraden von der Welt gehabt hatte . Gehabt ! Denn seit den letzten vier Jahren , wo Klaus bei Schlosser Wangerow in der Lehre und später in Arbeit gewesen , hatte ich ihn selten nur noch gesehen und seit einem halben Jahre gar nicht wieder . Aber eben jetzt dachte ich an ihn , als wir an seines Vaters Hütte vorüberfuhren und auf dem Sande neben dem auf den Strand gezogenen Boot eine Gestalt stand , - zwerghaft klein in Folge der großen Entfernung , - in der meine scharfen Augen aber dennoch Christel Möwe erkannten , Klaus ' Pflegeschwester , welche die nun auch längst verstorbene Frau des alten Pinnow vor sechzehn Jahren nach einer Sturmnacht zwischen Kisten und Planken eines gescheiterten Schiffes am Strande fand und der Alte in einer Anwandlung von Großmuth , wie die Einen - um sich ein Ansehen vor den Leuten zu geben , wie die Andern sagten , in sein Haus aufgenommen hatte . Das Schiff war ein holländisches gewesen ; so viel hatte man aus den Trümmern gesehen , sonst war nie etwas über Namen und Eigenthümer bekannt geworden - infolge vielleicht der Lässigkeit , mit der man von seiten der Behörden die Nachforschungen angestellt - den kleinen Findling aber hatte man Christine oder Christel Möwe genannt , weil das wilde Geschrei der in der Luft kreisenden Möwen Frau Pinnow an die Stelle , wo es lag , gelockt hatte . Ein Geräusch in meiner unmittelbaren Nähe ließ mich schnell den Kopf nach der Seite wenden . Zwei Schritte von mir wurde eine Luke in dem Verdeck des Schiffes geöffnet , und aus der Luke hob sich , mit den Füßen auf der Leiter stehen bleibend , ein Mensch , so weit , daß er eben über die niedrige Schiffswandung blicken konnte . Das kurze starre Haar , das breite Gesicht , der nackte muskulöse Hals , die bis zum Gürtel fast offene Brust , das einst rothbunt gewesene Hemd , die einst grau gewesenen Beinkleider - Alles war mit einer dichten Schicht schwarzen Kohlenstaubes bedeckt , und da der Mann die ohnehin sehr schmalen Augen beinahe zugekniffen hatte , um schärfer in die Weite blicken zu können , so wäre an ihm Alles schwarz gewesen , hätte er nicht in diesem Moment den ungeheuren Mund zu einem fröhlichen Grinsen verzogen und zwei Reihen Zähne gezeigt , die an glänzender Weiße nicht übertroffen werden konnten . Und jetzt hob er sich noch ein paar Zoll höher , winkte mit der großen leeren schwarzen Hand zum Gruß hinüber nach dem Strande , und jetzt erkannte ich den schwarzen Gesellen . » Klaus ! « sagte ich . » Halloh ! « rief er , sichtbar zusammenschreckend , und richtete schnell die schmalen Augen auf mich . » Das war ja ein gewaltig zärtlicher Gruß , Klaus ! « Klaus erröthete unter seiner Rußdecke und zeigte alle seine Zähne : » Herr du meines Lebens ! « rief er , » Georg , wo kommst Du - wo kommen Sie hierher ? « » Ja , und Du , Klaus ! « » Ich bin ja schon seit Ostern hier , « erwiederte er ; - » ich wollte immer schon einmal herankommen und sehen , wie es Ihnen geht . « » Aber , närrischer Kerl , weshalb nennst Du mich denn auf einmal Sie ? « fragte ich . » Na , Sie gehören doch nun auch zu der vornehmen Gesellschaft , « sagte Klaus , mit dem Daumen über die Schulter nach dem Hinterdeck zeigend . » Ich wollte , ich wäre unten bei Dir und Du könntest mir ein tüchtiges Butterbrod geben , « sagte ich . » Hole der Teufel die vornehme Gesellschaft ! « Klaus sah mich erstaunt an . » Ja , aber , « sagte er ; » warum - « » Warum ich hier bin ? « unterbrach ich ihn ; - » weil ich ein Narr , ein Esel bin , Klaus . « » Ach nein ! « sagte Klaus . » Glaub es mir , Klaus , ein vollkommener Esel . Ich wollte , ich hätte lauter so gute Freunde , wie Du , Klaus . « - Und mein Blick irrte zu dem treulosen Arthur hinüber , der mit dem Sonnenschirm der treulosen Emilie zwischen den Gästen herumstolzirte , während sie sich seinen kleinen Strohhut kokett auf die Locken gesetzt hatte . » Ich muß wieder hinunter , « sagte Klaus , freundlich grinsend , » adjüs ! « und er stieg die Leiter hinab . » War das ein Schornsteinfeger ?