seit dem Faschingsdienstag , wo er das erstemal auf einen Tanzplatz kam - sein ganzes Wesen belastete . Ja , wenn er jetzt alles wieder überdachte , so kam ihm sein heutiges Betragen , obwohl es ihm den Dienst beim Krämer kostete , ganz gehörig und planmäßig vor . Der harte Winter war nun glücklich überstanden , unter dem wiedergeschmolzenen Schnee wuchs überall Arbeit hervor , so daß er noch nichts verloren geben mußte , auch wenn seine erste Rechnung fehlte und Hans ihn nicht auf den Platz seines bisherigen Knechtes ließ , welchen letzte Woche ein Bericht von der Erkrankung seines Vaters auf dessen stattliches Anwesen zurückrief . Am Ende lag ihm gar nicht so viel an diesem Dienst . Es war ja fraglich , ob er da jemals eine frohe Stunde haben könnte und ob nicht die böse Stigerin oder noch öfter fast die gute Dorothea , Hansens Magd , ihn zum Sterben ärgern würde ... Es gab auch anderwärts Arbeit in frischer , freier Luft , und das war ihm genug . Wenn er sich nur nicht mehr bloß ins Zimmer zu seinen Gedanken einsperren mußte . Das aber hätt ' er jetzt nicht mehr ausgehalten , während ihm früher so wohl war bei der Nadel , wenn er leise fröstelnd andere hinaus in Kälte und Nässe gehen sah . Es war gerade , als ob er nirgends mehr Ruhe finden könne , seit er auf dem Faschingsdienstag mit Dorotheen getanzt hatte . Noch ärger wurde das , als es draußen immer mehr erwarmte und der allüberall jubelnd verkündete Frühling ihm gar nichts als das Zimmer voll Fliegen und noch längere Arbeitstage bringen zu wollen schien . Gewiß hätte selbst der Krämer , obwohl der sonst so abhängigen Leuten gegenüber keinen Spaß verstand , die trotzigen Stichelreden seines Schneiders nicht gar so hoch aufgenommen , wenn er seine Stimmung zu fassen und zu beurteilen imstande gewesen wäre . Aber das war des Krämers Sache nur bei Leuten , wo es ihm etwas eintrug . In der Karwoche lagen außer den Wänden des Zimmers auch noch ganze Berge von dringender Arbeit auf dem armen Schneider , den der Krämer nach Belieben einspannen zu können meinte . Schon seit Mittwoch grollte und donnerte es bald da , bald dort ; heut abend machten sie sich gegenseitig ihren Standpunkt klar , und darüber hatte es nun Feuer zwischen ihnen gegeben , daß sie so bald wohl nicht mehr zusammen unter einem Dache leben mochten ; darum war Jos heut ausnahmsweise lieber ins Wirtshaus als heim zur Mutter , von der er über seinen Wochenbericht schwerlich ein besonderes Lob erwartete . Jetzt aber war ihm wieder ganz leicht . Der Riß zwischen ihm und dem Krämer mußte ja recht groß werden , wenn er den Bitten der guten Mutter gegenüber stark bleiben und einmal aus dieser Krämerhöhle herauskommen sollte . Das beste war immerhin , wenn er auf alles Bitten und Betteln sagen konnte : » Es geht nicht mehr « , wenn ihm selbst auf der anderen Seite das auch etwas traurig vorkommen mochte . » Aber jetzt nichts von Traurigkeit ! « rief er sich zu . » Wär ' s nicht eine Schande gewesen , wo immer man einmal davon erzählt hätte , daß einer der besten Schüler sich ohne die Gnade dieses Krämerwurms nicht mehr ordentlich durch die Welt bringen könne ? « Die Leute freilich hatten ihm immer ein faules Mutterbüblein gescholten , weil er nie draußen im Schwabenlande blieb , wo das Einerlei der ungeheuren Kornfelder dem an die nahen Berge Gewöhnten wie eine furchtbar große Rechentafel vorkam . Ja , lieber als bei den wohlgenährten Württembergern , wo so manches arme Landeskind Arbeit und Brot fand , blieb er daheim bei der Mutter . Aber seine Tadler hatten darum denn doch nicht ganz recht . Faul war der Jos nicht . Er sammelte das von der Ach ausgeworfene Holz , daß die Mutter mehr als genug hatte ; auch gewann er Beeren für den Pfarrer und andere Liebhaber ; ja , man konnte ihn brauchen , wozu man wollte , wenn man ihm nur nichts vom Schwabenland sagte . Diese Furcht vor der Fremde hatte ihn schon früh in die enge Werkstätte beim Krämer getrieben , die von diesem nebenbei auch noch als Rumpelkammer benutzt wurde . Aber so wohl war ihm doch nicht geworden , als Hansjörg , der damals beim Krämer arbeitete , ihn in die Lehre zu nehmen versprach , wie jetzt , wo er sich von dem ewigen Nädeln und Fädeln erlöst fühlte . Aber nun mußte er seine Bitte um Arbeit denn doch ein wenig einzuleiten beginnen . Wenn Hans ihn auch nicht brauchte , so konnte der ihn doch vielleicht irgendwo empfehlen . » Jetzt geht denn die Feldarbeit wieder an « , begann er hustend , » wahrscheinlich schon gleich nach den Feiertagen . « Stighans schien ihn gar nicht zu hören , der hatte jetzt auch an ganz anderes zu denken . Unverwandt schielte er zu jenem kleinen Häuschen drüben über der Ach am Argenstein , dessen halbblinde Fenster mit den runden Scheiben das trübe Bild des Mondes zwischen neubelaubten Buchenästen hindurchschimmern ließen . Was jetzt wohl das Mathisle dort machte ? Das arme , verlassene Mathisle , das nicht einmal mit seinen drei Kindern daheim Arbeit und Brot , ja selbst kein gutes Bett hatte ! Gewiß dachte es an den Hansjörg , der ihm seine Stütze werden sollte , und dabei ballte es seine Faust vielleicht auch gegen ihn , Stighansen , der ja , wenn auch wider Willen , seinen wackeren Buben zu den Soldaten gebracht hatte . Wie bitter Stighans auch den Tod seines einzigen Bruders Karl beweinte , er wünschte doch oft , daß derselbe , wenn es nun doch einmal sein mußte , ein Jahr früher gestorben wäre , damit er dann nicht mehr zur Rekrutenaushebung hätte mitlosen und verspielen müssen . Daß es ihm nicht um die paar hundert