Ausübung der Tugend einen eigenen Reiz und eine eigene Schönheit gegeben , welchen Dingen die edlen Gemüter nachstreben . Wer Gutes tut , weil das Gegenteil dem menschlichen Geschlechte schädlich ist , der steht auf der Leiter der sittlichen Wesen schon ziemlich tief . Dieser müßte zur Sünde greifen , sobald sie dem menschlichen Geschlechte oder ihm Nutzen bringt . Solche Menschen sind es auch , denen alle Mittel gelten , und die für das Vaterland , für ihre Familie und für sich selber das Schlechte tun . Solche hat man zu Zeiten , wo sie im Großen wirkten , Staatsmänner geheißen , sie sind aber nur Afterstaatsmänner , und der augenblickliche Nutzen , den sie erzielten , ist ein Afternutzen gewesen , und hat sich in den Tagen des Gerichtes als böses Verhängnis erwiesen . Daß bei dem Vater kein Eigennutz herrschte , beweist der Umstand , daß er im Rate der Stadt ein öffentliches Amt unentgeltlich verwaltete , daß er öfter die ganze Nacht in diesem Amte arbeitete , und daß er bei öffentlichen Dingen immer mit bedeutenden Summen an der Spitze stand . Er sagte , man solle mich nur gehen lassen , es werde sich aus dem Unbestimmten schon entwickeln , wozu ich taugen werde , und welche Rolle ich auf der Welt einzunehmen hätte . Ich mußte meine körperlichen Übungen fortsetzen . Schon als sehr kleine Kinder mußten wir so viele körperliche Bewegungen machen , als nur möglich war . Das war einer der Hauptgründe , weshalb wir im Sommer auf dem Lande wohnten , und der Garten , welcher bei dem Vorstadthause war , war einer der Hauptbeweggründe , weshalb der Vater das Haus kaufte . Man ließ uns als kleine Kinder gewöhnlich so viel gehen und laufen , als wir selber wollten , und machte nur ein Ende , wenn wir selber aus Müdigkeit ruhten . Es hatte in der Stadt sich eine Anstalt entwickelt , in welcher nach einer gewissen Ordnung Leibesbewegungen vorgenommen werden sollten , um alle Teile des Körpers nach Bedürfnis zu üben und ihrer naturgemäßen Entfaltung entgegen zu führen . Diese Anstalt durfte ich besuchen , nachdem der Vater den Rat erfahrener Männer eingeholt und sich selber durch den Augenschein von den Dingen überzeugt hatte , die da vorgenommen wurden . Für Mädchen bestand damals eine solche Anstalt nicht , daher ließ der Vater für die Schwester in einem Zimmer unserer Wohnung so viele Vorrichtungen machen , als er und unser Hausarzt , der ein Begünstiger dieser Dinge war , für notwendig erachteten , und die Schwester mußte sich den Übungen unterziehen , die durch die Vorrichtungen möglich waren . Durch die Erwerbung des Vorstadthauses wurde die Sache noch mehr erleichtert . Nicht nur hatten wir mehr Raum im Innern des Hauses , um alle Vorrichtungen zu Körperübungen in besserem und ausgedehnterem Maße anlegen zu können , sondern es war auch der Hofraum und der Garten da , in denen an sich körperliche Übungen vorgenommen werden konnten , und die auch weitere Anlagen möglich machten . Daß wir diese Sachen sehr gerne taten , begreift sich aus der Feurigkeit und Beweglichkeit der Jugend von selber . Wir hatten schon in der Kindheit schwimmen gelernt , und gingen im Sommer fast täglich , selbst da wir in der Vorstadt wohnten , von wo aus der Weg weiter war , in die Anstalt , in welcher man schwimmen konnte . Selbst für Mädchen waren damals schon eigene Schwimmanstalten errichtet . Auch außerdem machten wir gerne weite Wege , besonders im Sommer . Wenn wir im Freien außer der Stadt waren , erlaubten die Eltern , daß ich mit der Schwester einen besonderen Umgang halten durfte . Wir übten uns da im Zurücklegen bedeutender Wege oder in Besteigung eines Berges . Dann kamen wir wieder an den Ort zurück , an welchem uns die Eltern erwarteten . Anfangs ging meistens ein Diener mit uns , später aber , da wir erwachsen waren , ließ man uns allein gehen . Um besser und mit mehr Bequemlichkeit für die Eltern an jede beliebige Stelle des Landes außerhalb der Stadt gelangen zu können , schaffte der Vater in der Folge zwei Pferde an , und der Knecht , der bisher Gärtner und gelegentlich unser Aufseher gewesen war , wurde jetzt auch Kutscher . In einer Reitschule , in welcher zu verschiedenen Zeiten Knaben und Mädchen lernen konnten , hatten wir reiten gelernt , und hatten später unsere bestimmten Wochentage , an denen wir uns zu gewissen Stunden im Reiten üben konnten . Im Garten hatte ich Gelegenheit , nach einem Ziele zu springen , auf schmalen Planken zu gehen , auf Vorrichtungen zu klettern , und mit steinernen Scheiben nach einem Ziele oder nach größtmöglichster Entfernung zu werfen . Die Schwester , so sehr sie von der Umgebung als Fräulein behandelt wurde , liebte es doch sehr , bei sogenannten gröberen häuslichen Arbeiten zuzugreifen , um zu zeigen , daß sie diese Dinge nicht nur verstehe , sondern an Kraft auch die noch übertreffe , welche von Kindheit an bei diesen Arbeiten gewesen sind . Die Eltern legten ihr bei diesem Beginnen nicht nur keine Hindernisse in den Weg , sondern billigten es sogar . Außerdem trieb sie noch das Lesen ihrer Bücher , machte Musik , besonders auf dem Klaviere und auf der Harfe , zu der sie auch sang , und malte mit Wasserfarben . Als ich den letzten Lehrer verlor , der mich in Sprachen unterrichtet hatte , als ich in denjenigen wissenschaftlichen Zweigen , in welchen man einen längeren Unterricht für nötig gehalten hatte , weil sie schwieriger oder wichtiger waren , solche Fortschritte gemacht hatte , daß man einen Lehrer nicht mehr für notwendig erachtete , entstand die Frage , wie es in Bezug auf meine erwählte wissenschaftliche Laufhahn zu halten sei , ob man da einen gewissen Plan entwerfen und zu dessen Ausführung Lehrer annehmen sollte . Ich bat , man möchte mir gar keinen Lehrer mehr nehmen ,