immer vor sich hin , als müßte sie die Zudringliche , die ihren Platz einnahm , wegdrängen . Oder hatte die vornehme Bäuerin nur ein Auge für Amrei draußen beim letzten Haus in der Einsamkeit , aber mitten unter den Menschen kannte sie sie nicht ? Gelten da nur die Kinder reicher Leute , die Kinder der Verwandten ? Amrei erschrak , als sie diesen leise sich regenden Gedanken plötzlich laut hörte , denn Dami sprach ihn aus ; aber während sie mit dem Bruder in ziemlicher Entfernung dem großen Trupp folgte , der die Landfriedbäuerin umgab , suchte sie den bösen Gedanken dem Bruder und wohl damit auch sich auszureden . Die Landfriedbäuerin verschwand endlich im Hause des Rodelbauern und die Kinder kehrten still zurück , bis Dami plötzlich sagte : » Wenn sie zu dir kommt , sag ' nur auch , daß sie auch zum Krappenzacher gehen muß und ihm sagen , daß er gut gegen mich sein soll . « Amrei nickte und die Kinder trennten sich , ein Jedes ging nach dem Hause , wo es eine Unterkunft gefunden hatte . Die Nebel , die sich am Morgen verzogen hatten , kamen am Mittag als voller Regenguß hernieder . Der große rothe Regenschirm der Landfriedbäuerin bewegte sich aufgespannt hin und her im Dorf und man sah kaum die Gestalt , die darunter war . Die schwarze Marann ' hatte die Landfriedbäuerin nicht getroffen und sagte bei der Heimkunft : » Sie kann ja auch zu mir kommen , ich will Nichts von ihr . « Die beiden Kinder wanderten wieder hinaus nach dem elterlichen Haus und saßen dort zusammengekauert auf der Thürschwelle und redeten fast kein Wort . Wieder schienen sie zu ahnen , daß die Eltern doch nicht wieder kämen und Dami wollte zählen wie viel Tropfen von der Dachtraufe fielen ; aber es ging ihm allzuschnell und er machte sich ' s leicht und schrie auf Einmal : » Tausend Millionen ! « » Da muß sie vorbei , wenn sie heimgeht , « sagte Amrei , » und da rufen wir sie ; schrei ' nur auch recht mit , und dann wollen wir schon weiter mit ihr reden . « So sagte Amrei , denn die Kinder warteten hier noch auf die Landfriedbäuerin . Es klatschte eine Peitsche im Dorf . Man hörte jenes nachspritzende Pferdegetrapp im aufgeweichten Wege und ein Wagen rollte herbei . » Wirst sehen , der Vater und die Mutter kommen in einer Kutsche und holen uns , « rief Dami . Amrei schaute traurig nach ihrem Bruder um und sagte : » Schwätz nicht so viel . « Als sie sich umwendete , war der Wagen ganz nahe , es winkte Jemand von demselben unter einem rothen Regenschirm hervor , und fort rollte das Gefährte und nur der Spitz des Kohlenmathes bellte ihm eine Weile nach und that als wollte er mit seinen Zähnen die Speichen aufhalten ; aber am Weiher kehrte er wieder zurück , bellte noch einmal hinaus unter der Hausthüre und schlüpfte dann hinein in ' s Haus . » Haidi ! fort ist sie ! « sagte Dami wie triumphirend ; es war ja die Landfriedbäuerin . » Hast des Rodelbauern Rappen nicht gekannt ? Die haben sie davon geführt . Vergiß meine ledernen Hosen nicht ! « schrie er noch laut mit aller Kraft seiner Stimme , obgleich der Wagen bereits im Thale verschwunden war und jetzt schon die kleine Anhöhe am Holderwasen hinaufkroch . Die Kinder kehrten still in ' s Dorf zurück . 3. Vom Baum am Elternhause . Am Tage vor Allerseelen sagte die schwarze Marann ' zu den Kindern : » Jetzt holt ordentlich Vogelbeeren , morgen brauchen wir sie auf dem Kirchhof . « » Ich weiß wo , ich kann holen , « sagte Dami mit einer wahrhaft gierigen Freude und rannte zum Dorf hinaus , daß ihn Amrei kaum erreichen konnte . Als sie am elterlichen Hause ankam , war er schon oben auf dem Baum und neckte sie stolz , sie solle auch heraufkommen , weil er wußte , daß sie das nicht könne . Er pflückte nun die rothen Beeren und warf sie hinab in die Schürze der Schwester . Sie bat ihn , er möge auch die Stiele mit abpflücken , sie wolle einen Kranz machen . Er sagte : » Das thu ' ich nicht ! « Und doch kam fortan keine Beere ohne Stiel mehr herunter . » Horch wie die Spatzen schelten ! « rief Dami vom Baume , » die ärgern sich , daß ich ihnen ihr Futter wegnehme . « Und als er endlich Alles abgepflückt hatte , sagte er : » Ich gehe nicht mehr herunter , ich bleib ' da oben Tag und Nacht , bis ich todt herunter falle , und komme gar nicht mehr zu dir , wenn du mir nicht was versprichst . « » Was denn ? « » Daß du deinen Anhenker von der Landfriedbäuerin nie trägst , so lange ich ' s sehe ; versprichst du mir das ? « » Nein ! « » So komm ' ich nicht mehr herunter ! « » Meinetwegen ! « sagte Amrei und ging mit den Vogelbeeren davon . Sie setzte sich aber nicht weit entfernt hinter einen Holzstoß , wand einen Kranz und schielte dabei immer hinaus , ob Dami nicht endlich käme . Sie setzte sich den Kranz auf und plötzlich überfiel sie eine unnennbare Angst wegen Dami . Sie rannte zurück , Dami saß rittlings auf einem Ast an den Stamm zurückgelehnt und die Arme übereinander geschlagen . » Komm herunter , ich verspreche dir , was du willst ! « rief Amrei und in einem Nu war Dami bei ihr auf dem Boden . Zu Hause schalt die schwarze Marann ' über das alberne Kind , das sich aus den Beeren , die man zum Grabe der Eltern brauche , einen Kranz gemacht habe . Sie