, rief Friedrich zuletzt . » Geh du nach Ebersbach und frag von Haus zu Haus , ob die Leut nicht einen Unterschied machen , und die Leut müssen doch auch wissen , was sie tun . Überall gilt ' s für eine größere Schande , wenn einer einem Fremden was stiehlt , als wenn er ' s den Eigenen nimmt ; denn da bleibt ' s ja in der Familie . « » Dann sollte man ihn auch in der Familie abmurxeln « , sagte der hartnäckige Zigeuner , » und jedem davon ein Stück zum Kochen geben , wenn eure Gesetze so schlecht sind , daß sie bloß den einen Diebstahl strafen , den andern aber nicht . « » Oha « , sagte Friedrich , » umgekehrt ist auch gefahren . Selbiges ist anders . Die Gesetze , die sind so überzwerch wie du , die behaupten auch , Stehlen sei Stehlen . Wie es herauskam , daß ich meinem Vater ein paar hundert Gulden genommen hatte , die er mir nicht gutwillig geben wollte , um in die Fremde zu gehen , da taten sie mich geschwind nach Ludwigsburg zum Wollkardätschen , ob ich gleich erst ein unverständiger vierzehnjähriger Bube war . Damals hab ich auch gelernt , was der Willkomm und Abschied für höfliche Komplimente sind , und hab empfunden , wie es patscht , wenn Haselholz und Hirschleder zusammenkommen . « Der Zigeuner schlug ein lustiges Gelächter auf . » Aber nicht wahr « , rief er triumphierend , » mit einem solchen Leibschaden noch stundenlang drauflos marschieren und dann auf einem hölzernen . Bänkchen herumrutschen , das könnt auch nicht ein jeder . « » Nun , nun « , entgegnete Friedrich , » man merkt ' s dessenungeachtet wohl , wo du dermalen deine schwache Seite hast . Du sitzt ja so windschief da , als wenn das Bänkchen unter dir brennte , die armen Seelen in der Hölle , die auf dem Glufenhäfelein sitzen , können nicht öfter wechseln und nicht possierlicher den Fuß an sich ziehen . Aber das muß man dir lassen : mannlich hast du dich gehalten . Wenn ich nur noch ein paar übrige Kreuzer hätt , so ließ ich dir einen Kirschengeist zum Einreiben kommen . « » Einreiben ! Wer wird auch die Gottesgabe so sündlich verschwenden ! Den Kirschengeist muß man innerlich brauchen , von innen heraus kuriert er noch einmal so schnell . « » Das glaub ich dir ! « lachte Friedrich . » Überhaupt hab ich schon oft gedacht , ihr Zigeuner müsset ein gutes Fell haben , stich- und kugelfest . Man könnt ' s , schätz ich wohl , zum Überzug für ein schwaches Gewissen brauchen . « » Es dient oft auch dazu . Ja , eine gute Haut , die muß der Zigeuner haben , und hartgesotten muß er sein , wenn er solch mühseliges Leben aushalten soll . Frost und Hitze muß ihm gleichviel gelten . Halbnackt muß er gehen können , wenn ihm der gefrorne Schnee unter den Füßen kracht , und die schwerste Bürde muß ihm wie ein Flaum sein , wenn ihn die Sonne mittags auf die Glieder sticht . Sein Lager ist unter Gottes freiem Himmel , und in böser Nacht hat er ' s nicht immer so gut , daß er auch nur im Hüterhäuschen unterkriechen kann . Oft hat er nur einen Baum zum Obdach , unter dem schläft er zufrieden , wenn der Sturm durch die Äste fährt und die Blätter schüttelt , daß ihm der kalte Regen auf die Stirne tropft . « » Herr Gott « , rief Friedrich mit rauher Rührung , » ich kann doch auch was vertragen , aber so ein Leben muß ja den besten Mann umbringen ! Mußt du nicht selber sagen , daß es vernünftiger wäre , wenn ihr das Heidenleben aufgäbet , eine christliche Ordnung anfinget und ließet euch mit andern ehrlichen Christenmenschen in Handel und Wandel ein ? Wer ein paar tüchtige Arme hat und einen Kopf , der sie regiert , der wird nicht sobald mit leerem Magen ins Bett gehen und nicht im kalten Regen schlafen dürfen . « » Wir sind so gute Christen wie ihr « , versetzte der junge Zigeuner eifrig , » es mag sich fragen , ob wir nicht besser sind ? Aber wie wollten wir denn mit euch leben ? Ihr stoßt uns ja aus und wollt keine Gemeinschaft mit uns haben . Wie kann der Zigeuner , dem ihr mit Verachtung die Türe weiset , sein ehrlich Brot bei euch verdienen ? Ich bin aus einer Familie , die schon seit zweihundert Jahren hier im Württembergischen , dann im Deutschherrischen drunten und in den beiden Markgrafschaften am Rheine drüben hin und wieder zieht . Nun fehlt es uns zwar dort nicht an Bekanntschaften , aber ich möchte doch auch in all diesen Landen einen einzigen Menschen sehen , wenn unsereiner z.B. käme und ihm sagte : Ich will ein ander Leben führen und ein ordentliches Wesen anfangen , da bin ich , nimm mich auf , teile dein Haus und dein Brot mit mir , soviel als dir meine Dienste wert sein mögen - den Menschen möcht ich sehen , der darauf sagen würde : Tritt ein und bleibe bei mir . Auch unter den Unsrigen möcht ich den Menschen sehen , dem es im Schlaf einfallen könnte , eine solche Bitte zu tun . Denn jeder weiß die Antwort im voraus und weiß , wie man beiderseits voneinander denkt . Das ist jetzt eben einmal von Anbeginn so und wird auch nicht mehr anders werden . Ich weiß wohl , ein mancher von den Meinigen ist eines bösen Todes gestorben , und wie könnte es auch anders sein ? Das Element , in dem einer lebt , ist natürlicherweise auch zuletzt sein Tod . Das ist allenthalben so . Wer sein Leben lang im Hanfsamen sitzt wie ein freier