, eine Schere , eine gute neue Kleiderbürste , unterschiedliche Tuchabschnitzel , welche seinen Kleidungsstücken entsprachen , zusammengerollt und mit einem Bindfaden vielfach umwunden , und die sie ihm ja nicht zu verlieren empfahl , indem ein gewandter Schneider die Existenz eines Rockes mit dergleichen manchmal um ein volles Jahr zu fristen vermöge . Sie geriet hiebei wieder in einigen Konflikt mit dem Sohne , welcher alle vorhandenen Lücken für die verschiedenen Bruchstücke einer alten Flöte , für ein Lineal , eine Farbenschachtel , einen baufälligen Operngucker usw. in Beschlag nehmen wollte . Ja , er machte , obgleich er kein Mediziner war , doch einen vergeblichen Versuch , einen defekten Totenschädel , mit welchem er seinem Kämmerchen ein gelehrtes Ansehen zu geben gewußt hatte , noch unter den Deckel zu zwängen . Die Mutter jagte ihn aber mit widerstandsloser Energie von dannen , und man behauptet , daß das greuliche Möbel nicht lange nachher einem ehrlichen Totengräber bei Nacht und Nebel nebst einem Trinkgelde übergeben worden sei . Sie schlossen mit Mühe den vollgepfropften Koffer ; denn auch das Kind der unbemitteltsten Eltern , wenn es aus den Armen einer treuen Mutter scheidet , nimmt immer noch etwas weniges über seine Bedürfnisse hinaus mit und ist in einem gewissen Sinne wohlausgestattet . Die Tage sind traurig , wo diese Ausstattung , diese warme Hülle sich nach und nach auflöst und verliert und mit bitteren , oft reuevollen Erfahrungen durch wildfremdes Zeug ersetzt werden muß . Während Heinrich noch eine große , schwere Mappe einwickelte , die ganz mit Zeichnungen , Kupferstichen und altem Papierwerk angefüllt war , sein wanderndes Museum , besorgte seine Mutter das Frühstück und ermahnte ihn , unterdessen noch bei den Hausgenossen Abschied zu nehmen . Das Haus gehörte ihr und war ein hohes altes bürgerliches Gebäude , dessen unterstes Geschoß noch in romanischen Rundbogen , die Fenster der mittleren im altdeutschen Stil und erst die zwei obersten Stockwerke modern , doch regellos gebaut waren . Alles war düster und geschwärzt . Drei oder vier Handwerkerfamilien bewohnten seit langen Jahren in guter Eintracht mit der Frau Hausmeisterin das Haus . Bei ihnen trat Heinrich nacheinander ein und sagte sein Lebewohl . Die braven Leute wünschten ihm mit herzlicher Teilnahme alles Glück und ermahnten ihn , nicht zu lange in der Welt herumzufahren , sondern bald wieder zu ihnen und zu der Mutter zurückzukehren . Die glückliche Festtagsruhe , in welcher er die zufriedenen und nach nichts weiter verlangenden Menschen antraf , trat ihm ans Herz , und er bat sie , seiner Mutter , die nun ganz allein sei , mit Rat und Tat beizustehen . Die ernsthaften Hausväter , den sonntäglichen Seifenschaum um Mund und Kinn , versicherten , daß seine Bitte unnötig sei , holten bedächtig aus ihren bescheidenen Pulten einen harten Taler hervor und drückten denselben dem Scheidenden mit diplomatischer Würde verdeckt in die Hand . Obgleich er , nach der Behauptung seiner Mutter , ein Obenhinaus war , so durfte er doch durch diese bürgerliche schöne Sitte sich nicht beleidigt finden . Auch lag ein rechter Segen in diesem sauer erworbenen und mit ernstem Entschlusse geschenkten Gelde ; es schien Heinrich die ersten Tage seiner Reise hindurch , wo er es zuerst gebrauchte , um seine Hauptkasse zu schonen , als ob es gar nicht ausgehen wollte . Endlich saß er seiner Mutter beim Frühstück gegenüber , auf dem Stuhle , auf welchem der dreijährige Knabe schon geschaukelt hatte . Es war nun alles getan und vorbereitet ; ein Mann hatte den Koffer nach der Post geholt - es war eine Totenstille in der Stube . Die Morgensonne umzirkelte die altertümlichen , ererbten Porzellantassen , welche Heinrich schon zwanzig Jahre lang durch die Hände seiner Mutter gehen sah , ohne daß je eine zerbrochen wäre . Es war ein feierlicher Moment gewesen , als er für würdig erfunden ward , sein Kinderschüsselchen mit einer dieser bunten und vergoldeten Tassen versuchsweise zu vertauschen . Frau Lee hätte ihrem Sohne noch gern allerlei gesagt ; aber sie konnte mit ihm gar nicht sentimental sprechen , sowenig als er mit ihr . Endlich sagte sie schüchtern und abgebrochen : » Werde nur nicht leichtsinnig und vergiß nicht , daß wir eine Vorsehung haben ! Denke an den lieben Gott , so wird er auch an dich denken , und mach , daß du bald etwas lernst und endlich selbständig werdest ; denn du weißt genau , wieviel du noch zu verbrauchen hast und daß ich dir nachher nichts mehr werde schicken können , das heißt , wenn es dir übel ergehen sollte , so schreibe mir ja , solange du weißt , daß ich selbst noch einen Pfennig besitze , ich könnte es doch nicht ertragen , dich im Elend zu wissen . « Der Sohn schaute während dieser Anrede stumm in seine Tasse und schien nicht sehr gerührt zu sein . Die Mutter erwartete aber keine andern Gebärden , sie wußte schon , woran sie war , und fühlte sich etwas erleichtert . Ach , du lieber Himmel ! dachte sie , eine Witwe muß doch alles auf sich nehmen ; diese Ermahnungen zu erteilen , dazu gehört eigentlich ein Vater , eine Frau kann solche Dinge nicht auf die rechte Weise sagen ; wenn das arme Kind nicht zurechtkommt , wie werde ich die Sorge mit dem gehörigen klugen Ernste vereinigen können ? Heinrich aber war jetzt mit seinen Gedanken schon weit in der Ferne ; die Neugierde , die Hoffnung , Lebens- und Wanderlust hatten ihn mächtig angewandelt , und die Ungeduld übernahm ihn . Er sprang auf und sagte » Jetzt muß ich gehen , leb wohl , Mutter ! « Die Tränen stürzten ihr in die Augen , als sie ihm die Hand gab , und er fühlte , als er vor ihr her die vier Treppen hinabeilte , daß sein Gesicht ganz heiß wurde , aber er bezwang sich . Die Hausgenossen kamen auch noch unter die Haustüre ,