Beschützer der Emigranten auszusprechen , hat wie die meisten Kinderkrankheiten späte und böse Folgen hinterlassen . Josephine ! ich war damals ein Mann ! Als ich nach Paris kam - doch , unterbrach er sich selbst , lassen wir das ! Wenn die gute alte Wallstädt , die ich , als einzige Dame meines Bereichs , nicht missen kann , mich nur nicht den ganzen Tag von dem unterhalten möchte , was die Soldaten bei ihr geplündert haben ! - Die Langeweile ist auch keine kleine Qual , sagte , ablenkend , Josephine . Ist ihr denn so viel weggekommen ? fragte Waldau . Keine Stecknadel ! In unserm Hause ist gar nicht geplündert worden , und nur theilweise drüben bei Bürgermeisters , wo unter andern der saubre Major , den mir St. Luce noch zu guterletzt präsentirte , eine Kommode ausgeräumt hat . Glaube mir , Sophiens Kochen und Backen während der Schlacht , die Vorräthe , die wir aufgekauft hatten , und der überraschende Empfang , der den Plünderern ward , haben Wunder gethan . Nach einem Tage voll Blut und Kampf einen für sie gedeckten Tisch finden , das ist eine Verlockung , der es wahrhaftig schwer ist , bösen Willen entgegenzusetzen . Diese Frau ist unser guter Engel . Aber du ? du hattest bis gestern nur Kartoffeln ? Bewahre , lieber Freund , ich hatte auch eine Tafel Chokolade zum Nachtisch . - Und heute ? - fuhr er fort , in zärtlicher Bewunderung ihres heitern Muthes ihre Hände an sein Herz drückend - und heute ? Nun , heute mußt du Sophien fragen ; du weißt , daß ich mich nicht um die Details der Wirthschaft bekümmern darf ! Ich habe aber gestern von Duguet gehört , daß sogar für unsre Herzogin - Uebertreibung ! Die Menge , denen die edle Frau den Schutz ihrer fürstlichen Nähe gewährte , hatte vielleicht die Vorräthe aufgezehrt ; die Franzosen hatten die Bäckerläden geplündert und zerstört , die vorräthigen Mehlsäcke auf den Gassen ausgeleert - wo sollten die Leute sogleich das Brot hernehmen , oder den Muth , es zu backen ? Bei uns hat man am ersten Tage für sie nach einer Flasche alten Wein gefragt ; schade daß ihn die Kerls schon allen ausgesoffen ! Josephine ! den ganzen Keller ? Oui , mon ami ! Bis auf ein Fäßchen Malvasier und weißen Burgunder , den Sophie irgendwo , in ihrer Tasche glaube ich , versteckt hat . Fünf hundert Flaschen ! Haben uns gerettet , Waldau ! Das sind Nebendinge . Als ich dich glücklich überredet hatte , in dies Dachstübchen zu ziehen , da war alles gut ! Nur einen Augenblick , als die Kanonenkugeln wie Scheeren die Bäume unter unsern Fenstern beschnitten und die Zweige gegen die Scheiben anschlugen , war mir bange ! Armes Kind ! sagte Waldau bewegt , hätte ich dich nicht in mein Leben gerissen ! So würde ich auf andre Weise gelitten haben ! Lieber Freund , wer darf in unsrer Zeit auf ruhige Tage hoffen ? Daß du durch frühere Begünstigung der Emigrationen , durch deine Freundschaft mit Turgot und Chateaubriand die Augen auf dich gezogen , ist halb vergessen ; das Schlimmste , glaube mir , sind deine Artikel im Tartarus . Indessen geht Mancher , dem das Herz ängstlich schlug , jetzt sorgenlos umher und spielt den Vermittler zwischen den Feinden und den der Sprache nicht mächtigen Stadtbehörden . Warum sollten wir mehr zu fürchten haben als sie ? Weil ich nicht so handeln werde . Thut nichts , dafür hast du eine gar gescheite Frau ! Habe nur noch ein klein wenig Geduld , ich habe dir bei allen Bekannten ein wunderschönes Podagra angelogen ! Und die Offiziere ? Halten mich für eine reiche Witwe . Sophie benimmt sich vortrefflich , sie ist abwechselnd die Hausfrau , wenn Gemeine kommen und Duguet gerufen wird , oder meine Gesellschafterin , meine Haushälterin , ich glaube sogar meine Duegna . Sie singt mit ihren Landsleuten Nationallieder in lüttich ' schem Dialekt , die Gott verstehen mag . Es klopfte wieder leise und Madame Sophie erschien mit der Hälfte eines gekochten Huhns , hinter ihr die beiden Kinder . Eh ! Sophie , wo hast du das her ? riefen wie aus einem Munde beide Gatten . Dame ! erwiderte Sophie , mit großer Gewandtheit den Tisch mit Silber deckend , man ist nicht umsonst eine Lütticherin . Man hat seinen Landsmann . Siehst du ! sagte lachend Frau von Waldau , so macht sie es den ganzen Tag . Die gute Seele ist eine wahre Perle in dieser Zeit . Ich glaube , sie fühlt sich im gewohnten Element , sie die Revolution erzeugte . Die Kinder unterbrechen das Gespräch . Mitten in Kriegesnoth und allgemeiner Sorge breiteten Bildung und Anmuth eine Art Friedensasyl um die Leidenden . Aber auch das angenehme angewöhnte Gefühl der Wohlhabenheit hatte Theil an der Gestalt des Augenblicks . Daheim traf die von Waldaus rückkehrende Anna die Mutter oft in Thränen . Seit dem Eindringen der feindlichen Truppen wollte das Wirthschaftgeld nirgend mehr zureichen . Manches war , in den ersten Tagen der Drangsale vernachlässigt , weggekommen , durch die Plünderer fortgeschleppt ; nun zeigten sich von allen Seiten Bedürfnisse , es mußte Vieles neu angeschafft werden ; alle Ausgaben hatten sich vergrößert und das Einkommen sich nirgend gemehrt . Der Bürgermeister war ein ängstlicher Mann , rechtlich in hohem Grade , dagegen um den Pfennig handelnd und sorgend . Die Mutter war dadurch gewohnt , das Geld zu manchem kleinen Putz- oder Kleidungsstück von ihrem Wirthschaftsümmchen abzusparen , jetzt mußte es einzeln dem Vater für alles Fehlende abgefordert werden ; es ward ihr ungern , oft mit Vorwürfen gegeben . Anna war erst acht Jahre alt , aber sie fühlte mit der Mutter ; - und wenn sie eben drüben gewesen war bei Waldaus , fühlte sie es noch tiefer . Wenn ich groß bin , will ich reich