die Gass ' gekehrt hab - und sollt ich ' s heimlich tun , das wirst Du mir nicht erlauben , und sollt ich ' s gar unterlassen ? das will ich nicht . Mein Wort brechen , einem Mädchen , was seinen Großvater ernährt und seine Geschwisterkinder ? - Sie weiß nichts davon , zum Tanze zu gehen oder schön geputzt in Kleidern auf den Freier zu warten . Und ich wollte da ein kleines unschuldiges Fädchen anspinnen ins Gewebe der Welt , ein einzig klein Fädchen , und - nein , ich soll ' s abreißen , weil sich ' s nicht schickt . Ach ! wo soll ich in der ereignisvollen Welt meinen Faden anknüpfen , wenn das Einfachste gegen den Anstand ist ! - Wer hat diese Lügen gemacht ? - Denn das sind wirkliche Lügen , nach denen ich mich niemals richten werde ! Ach , wenn Du hier wärst , Clemens , Du würdest vielleicht es der Tante so vernünftig darstellen , daß sie nichts dagegen haben könnte . Ich hab noch viel zu erzählen , aber nicht heut , jetzt lauf ich in den Garten mit dem Spitz , es ist schon Nacht , ich fürcht mich nicht , wenn der Hund bei mir ist . - Am 25. März . Jeden Nachmittag kommt der Herzog , der blinde Herzog von Aremberg , mit einem großen Pack Revolutionsblätter , Sieyès , Mercier , Pétion , noch andre , die mit großem Ernst am Weltgeschick weben . Das klingt ein in meine verneinende Seele gegen alles , was ich in der Welt gewahr werde , sie beweisen und heben den Schleier von aller Verkehrtheit . Abends , wenn alles fort ist , spricht die Großmama mit mir , Mirabeau sei ein Komet , der alles entzündet , was sich ihm nähert . Das Große in ihm verstehen lernen , adle die Seele , sie macht Auszüge aus seinen Briefen , sie gibt mir eine Nadel , damit soll ich ins Heft stechen , welchen Satz ich treffe , den soll ich als Gedenkspruch bewahren , sie hatte diese Sätze selbst alle gesammelt und war überzeugt , ich werde mit der Nadel nicht unrecht stechen , aber ich stach in : » Die Macht der Gewohnheit ist eine Kette , die selbst das größte Genie nur mit vieler Mühe bricht , « und die Großmama stutzt , ob ich den Satz nicht gar selbst erfunden hab . Nein , liebe Großmama , hier steht er , ich bin nicht Mirabeau , aber sein Geist ist mir ins Blut gegangen , er wird mich ewig mahnen , nicht von der Gewohnheit abzuhängen . Die liebe Großmama ! Adieu , mein Clemens , und schreib , daß du kommst . Deine Bettine Liebe Bettine ! Ich kann für Deinen lieben Brief Dir nicht besser danken , als wenn ich Dir sage , daß ich die Woche nach Ostern bei Dir in Offenbach bin , Du kannst Dich insgeheim für Dich drauf freuen , denn Du weißt nur mit mir allein , daß ich komme . Ich habe heute einen Brief von der Großmama erhalten , sie hält viel von Dir und möchte alles auf Dich übertragen , was ihr wünschenswert scheint , sie hat mir wieder ihren Wunsch geäußert , Du möchtest Latein lernen . Du kannst es ja ihr zur Liebe eine Zeitlang lernen . Obschon die Sprache nichts enthält für Menschen und Vieh , sie ist hölzern und eingebildet , mit einer Wohlbeleibtheit , die in ihrer langen Toga sich auf den Bauch schlägt , um auf ihre Würde anzuspielen , und der Klang , der dabei herauskommt , ist ihre ganze Wohlredenheit ; die Großmutter läßt von dem Gedanken nicht los , Deine Sprachfähigkeit durch Latein auszubilden , ich hab ihr vorgeschlagen , sie soll Dich lieber die Derwisch- , Fakiren- , Bonzen- und Brahminensprache lassen lernen , wo so viel grillenhafte Superfeinheit drin ist , die an die mehrere hundertundzweiundneunzigsilbige Wörter grenzt und eine Rangordnung eingeführt hat der Konsonanten als Aristokraten , die den bürgerlichen Vokalen gar den Eintritt nicht gestatten nd lssn ns s ws hnn gfllt xpngrn ns brll , s dß mnchml n Wrrwrr ntstht , dß kn Tfl drs klg wrdn knn . Gib Dir Mühe , der Großmama das Leben so viel als möglich zu versüßen , und lieber als ein bißchen Latein gelernt , ihre Begeisterung dafür kann unmöglich lang dauern , doch ist ' s schön , daß ihre Seele immer nur im Gewand des Erhabnen sich wohl fühlt , und wir können beide uns drüber freuen . Denn in welcher Luft könntest Du besser atmen als da , wo der Gemeinheit Dorn und die Nessel böser verleumderischer Zungen nicht wachsen kann . Die Großmutter schreibt mir auch von Mirabeau , gegenüber stellt sie den Grandison als Ideal eines sittlich moralischen Charakters , das grenzt ans Komische . Sie läßt sich von Dir die Abhandlung Mirabeaus über Staatsgefängnisse übersetzen und schreibt , daß es Dich sehr interessiere . Das hab ich nicht von Dir geahnt . Aber Kind , ist es nicht etwas Einbildung oder Eitelkeit von Dir ? - So oft haben wir in vertrauten Gesprächen alles vom Herzen weggeplaudert , was uns lieb und leid war ; - und meine Seligkeit war abends auf dem Heimweg , daß ich mich besann über Dich ! - - Wie auf dem Grund eines Sees die Fische mutwillig durcheinanderspielen , so konnt ich Deine Gedanken spielen sehen auf dem klaren Grund Deiner Seele ! Und war mein einzig Glück , und nun klingt ' s anders . Und ich lausche in die Nacht hinein , und ich höre Mirabeau , Pétion , Mercier ; das lautet ja wie die dumpfe Sturmglocke , nein , das ist ja nicht das sanfte Läuten meiner Abendglocke , wo Du die Gedanken ausfliegen ließest wie Bienen nach den Feldblumen ? - Bedenke , liebstes Kind , daß Denken die Heimat der