und Frau sich zanken , bis die Frau in Krämpfe fällt oder gar in Ohnmacht . Das , welches den Trumpf erhalten , schwieg , wenn es ihn schon tief fühlte und er ihm weh tat . Doch wie tief er auch ging , lang haftete er nicht , er eiterte nicht . Hauptsächlich waren es zwei Gründe , welche es verhüteten , daß solche eingegangene Trümpfe nicht böses Blut machten . Ännelis Mutter wohnte bei ihnen . Das war eine gar verständige Frau und hatte den Tochtermann sehr lieb . Sie war früher bei einem andern Tochtermann gewesen , welcher sie roh und wüst behandelt hatte . Sie hätte alles dargeben sollen und nichts brauchen , alles annehmen und zu nichts was sagen . Hier hatte sie es , wie sie es wollte . Christen zog sie zu Rat , als wenn sie seine eigene Mutter wäre , hielt sie um ein Geringes , und wenn im Haus etwas Gutes zu essen oder zu trinken war , so ruhte er nicht , bis die Mutter auch davon hatte , wenn sie es auch nicht begehrte . Und wenn es ihr irgendwo fehlte , so ging er ihr selbst zum Doktor und hielt diesem an , er solle recht anwenden , es möge kosten was es wolle ; wenn ihm das Mutterli abgehen sollte , er wüßte nicht , wie es ferner machen . So sah die Mutter deutlich , sie sei ihm nicht im Weg und er möge ihr Leben und alles Gute so lange gönnen als Gott , und das ist wahrhaftig nicht an allen Orten der Fall . Wenn nun das Mutterli sah , daß ein Wort eingeschlagen hatte , Änneli bös war , vielleicht gar weinte und ihr klagte , so was hätte sie nicht verdient und sie halte es nicht mehr aus und sie wolle lieber sterben als länger so dabei sein , so goß Mutterli nicht Öl ins Feuer , sondern sagte : » Du gutes Kind , du weißt gar nicht , was Leiden ist , und weil du großes Leiden nicht kennst , darum nimmst du ein klein Wörtchen so schwer auf . Aber Änneli , Änneli , versündige dich nicht ; es macht mir immer Angst , wenn ich junge Weiber wegen so kleinen Dingen so nötlich tun sehe , der liebe Gott suche sie mit schwerem Unglück heim , damit man es erfahre , warum er einem das Weinen gegeben und wann er das Klagen erlaubt . Wenn du gehabt hattest was ich , dann würdest du für solche Kleinigkeit Gott danken und darin ein Zeichen sehen , daß er dich recht lieb hat . Denk doch , wie ich es gehabt habe ! « Und sie erzählte Änneli eine Geschichte aus ihrem Leben , von ihrem Manne oder ihrem Tochtermanne und wie sie sich da habe fassen müssen , wenn Unglück und Elend nicht noch größer hätten werden sollen . Freilich tönte das anfangs manchmal nicht gut bei Änneli , und sie sagte : » Ich bin darum nicht Euch , und was habe ich davon , wenn Ihr noch böser gehabt habt als ich , darum habe ich noch lange nicht gut . « So sprach Änneli wohl , aber der Mutter Rede wirkte doch , es setzte sich ihr Zorn , und ihre Liebe richtete sich wieder auf . Wenn sie dann ganz wieder zufrieden war , so warf sie ihrer Mutter scherzweise wohl vor , man sollte eigentlich meinen , Christen wäre ihr Kind , denn sie hätte diesen lieber als sie , und er möge machen und sagen , was er wolle , so sei alles recht . Sie glaube einmal , wenn Christen ihr die Nase abbeißen wollte , sie zündete ihm dazu . Aber die Mutter redete auch Änneli z ' best . Wenn sie dem Christen einmal ein Wort ins Herz gejagt hatte und die Mutter sah , daß es drin saß wie ein Splitter im Fleische , trappete sie Christen nach , bis sie ihn in einer heimlichen Ecke hatte , und bat ihn , er solle es nicht übel nehmen ; er wisse wohl , Änneli sei ängstlicher Natur , und sie hätte ihr das nie abgewöhnen können , gäb was sie probiert hätte . Aber es bös meinen , das tue sie nie , und wenn er nur zufrieden wäre , sie wisse , sie wäre es sicher auch gerne . Christen war nicht so , daß wenn jemand sich unterzog , er dann um so wüster tat , er wurde auch nicht um so aufbegehrischer , je demütiger einer sich darstellte ; die Art hatte er nicht , zu einem Ratsherrn hätte er nicht getaugt . Er sei nicht böse , sagte er dann der Schwiegermutter , aber es daure ihn , daß Änneli meine , sie müsse für ihn sinnen . Alles auf einmal machen könne man nicht , und so unbesinnt dreinfahren wie ein Muni in einen Krieshaufen , das möge er nicht . Er hätte nie gesehen , daß viel dabei herauskomme . Aber er wisse wohl , ein jeder hätte seine Art und daß Änneli es gut meine . Darum wenn ihm schon zuweilen etwas eingehe , so trage er es ihr nicht nach , man müsse mit einander Geduld haben , es hätte ein jeder seine Fehler , und wofür sei man sonst in der Welt ? So mittelte , als guter Hausgeist , die Schwiegermutter die meisten Streitigkeiten , oder , um es besser zu sagen , ebnete die kleinen Spalten , welche sie zwischen den Herzen sah . Hier und da war wohl eine Spalte , welche sie nicht sah oder welche sie nicht ebnen konnte , ehe die Sonne unterging ; die ebnete und schloß dann ein anderer Geist . Es war eine alte schöne Haussitte , welche durch Jahrhunderte eine unendliche Kraft übte und alles , was Streitbares in den Herzen sich ansetzte , alsobald zerstörte und tilgte ,