Terrasse ausgebreitet , welche von da zu dem Parke führte . Hier , von der Gartenseite aus , gewahrte man den neuesten Anbau , unter dem Großvater des letzverstorbenen Herzogs entstanden , und zwar nach seiner Rückkehr aus Italien von einer Gesandtschaft an Sixtus den Fünften , wohin ihn Elisabeth gesendet , während ihrer kurzen Freundschaft mit dem heiligen Stuhle . Der Erbauer hatte hier den Geschmack seiner Vorfahren am meisten beeinträchtigt . Italien hatte seine Phantasie mit Bildern entzückt , die keinen Raum auf dem vaterländischen Boden fanden . Kunstwerke jeder Art waren ihm gefolgt ; aber die hohen gothischen Gemächer des alten Stammschlosses , mit ihren schmalen spitzen Fenstern und dem ungewissen Lichte der in tausend Farben spielenden Scheiben , war kein Aufenthalt für die Marmorbilder , die man aus ihren heiteren Säulenhallen weggeführt , noch für Kunstwerke des Pinsels , die vergeblich eine Gemeinschaft suchten an den mit Zierrathen überladenen Wänden , wo , nächst zahllosen , in Stein und Marmor gehauenen Wappenschildern , nur die düsteren Ahnenbilder , aus der Kindheit der Kunst herstammend , zu ihnen niederstarrten . Die hierdurch erregte Besorgniß des Herzogs um seine Lieblinge löste sich bald im fröhlichen Gefühl ungemeiner Mittel , und er gab ihnen in einem neuen Flügel hinter hellen Scheiben und luftigen Kuppeln die Heimat wieder , so weit dies unter Englands Nebelhimmel möglich war . Nahm der italienische Flügel vom Hauptgebäude aus den nördlichen Theil der Terrassen ein , so hatte dagegen die Gemahlin des Herzogs , eine Gräfin aus dem Hause Devereux , an der anderen Seite der Terrasse nach Süden eine Kapelle aufgeführt , die deutlich die Einwirkung zeigte , welche der Geschmack des Herzogs durch den Aufenthalt in Italien davon getragen . Aber es war auch nicht zu läugnen , daß man sich hier von dem unreinen Geschmack berührt fühlte , der später seine Verwirrung der gothischen und griechischen Baukunst über halb Europa ausbreitete . Dessenungeachtet diente auch diese weit aus der Erde gehobene Kapelle , mit ihren schönen Portalen , herrlichen Treppen und im blumenreichsten Schnitzwerk prangenden Fenstern , nicht minder zu einer Verherrlichung des Ganzen . Es führten von hier sanfte Wege ab in die angebauten Thäler , deren Bewohner sich auf denselben nach der Kirche begeben durften . Die Kapelle war durch den südlichen Thurm unmittelbar mit dem Schlosse verbunden . Der untere Raum desselben ward die Begräbnißkapelle genannt , weil darunter sich die Familiengruft befand und der Raum darüber vor Erbauung der neuen Kapelle zum Gottesdienst gebraucht ward . Dieser fast leere Raum grenzte an die fürstlichen Hallen , die in drei Abtheilungen sowohl die Tiefe als Länge des ganzen Schlosses einnahmen . Nur um den Eingang von dem Schloßhof her zu trennen und die breiten Treppen nach den obern Gemächern zu führen , war der mittlere Saal durch prachtvolle Gitter und die Decke tragende Pfeiler getheilt . Trotz seiner ungeheuern Größe und seiner verschwenderischen Ausstattung ward er weniger geachtet , und bei feierlichen Gelegenheiten mehr als stillschweigend gestatteter Tummelplatz der höheren Schloßbeamten und der zahllosen Dienerschaft angesehn . Dagegen waren die daranstoßenden Säle mit einem überraschenden Glanze geschmückt , und trugen den ganzen Stolz ihrer fürstlichen Bewohner und allen Luxus , den England damals aufzuweisen wußte , ergänzt durch Italiens Schätze und den Kunstfleiß der vorschreitenden Niederländer , zur Schau . Statt der Fenster öffneten sich weite Thüren nach den Terrassen hin , die , gegen die Annäherung der verschiedenen Thiere des Waldes durch goldene Gitter geschützt , Luft und Licht gar anmuthig einließen , und bei unfreundlicherem Wetter häufig zu den regelmäßigen Spaziergängen der Frauen benutzt wurden ; wie denn jene Säle überhaupt allem gemeinschaftlichen oder öffentlichen Verkehr der Schloßbewohner gewidmet waren . Die Fürsten gaben hier ihren Unterthanen oder dem Adel der Grafschaft Audienzen . Hohe Gäste wurden hier bewirthet , die fürstliche Jugend mit ihren Gespielen trieb hier ihre verschiedenen Lustvarkeiten ; Familienfeste und Zusammenkünfte , in guter Jahreszeit das allgemeine Frühstück und die Tafel , Alles ward hier abgehalten ; bis zu den pomphaften Leichenbegängnissen dieser Familie , welche mit ihren strengen Ceremonien den Saal zunächst dem Erbbegräbniß füllten . Dagegen schloß der nördliche Thurm im Erdgeschoß die prächtige Bibliothek in sich , und durch sie gelangte man zu den schönen Marmorstiegen , die den italienischen Flügel sogleich als das Kind einer fremden Zone ankündigten , welcher seit dem Tode des Erbauers , der ihn nie mehr verließ , die stete Wohnung der Herzöge blieb . Die Zimmer , welche die Herzoginnen bewohnten , hatten jedoch , obwohl die alterthümliche Urgestalt weder entfernt werden konnte , noch sollte , nach und nach Umgestaltungen erlitten , welche zu ihrer ursprünglichen Pracht noch das Schöne und Angenehme fügten ; und wenn wir den ferner liegenden Waffensaal und den der Ahnenbilder , den man noch immer die Gallerie nannte , abrechnen , boten diese Zimmer zugleich einen schönen und imposanten Anblick dar . Das Schlafzimmer der Herzoginnen war im südlichen Thurm und von der Erbauerin der Kapelle durch einen verhüllten Eingang unmittelbar mit dem Chorstuhl verbunden , den die Herzoginnen darin einnahmen . Außerdem waren unter dem letzt verstorbenen Herzoge für den Prinzen von Wales , welcher in naher Verbindung mit ihm stand , eine Reihe Zimmer eingerichtet , eines so hohen Besuches und so freigebigen Wirthes gleich würdig , welche , wenn auch nur selten geöffnet , doch stets für die vornehmsten Gäste ihre Bestimmung behielten . Alle Theile des Schlosses waren , wenn auch mit einem großen Aufwand an Raum , außerdem bewohnt , denn es gehörte zu dem Luxus damaliger Zeit , außer der höheren Dienerschaft beider Geschlechter noch einen unübersehbaren Troß geringer Dienstleute zu besitzen . Der argwöhnischen Politik der Königin Elisabeth war es zwar nach und nach gelungen , die eigentliche bewaffnete Dienerschaft ihrer Großen zu entfernen , die freilich fast jedes befestigte Schloß zu einer kleinen Festung umschufen , doch war kaum etwas Anderes erreicht , als daß die Waffen in den Rüstkammern hingen , und diejenigen , die sonst darin geübt