untergebracht . « » In einem Stalle ! « rief der Wirt , mit einer Miene , die das Entsetzen ausdrücken sollte . » Nein , da ginge ich selbst lieber in den Stall , und gäbe einem solchen Herrn meine Schlafkammer . « Hermann fand an diesen unnützen Reden kein Behagen . Ihm lag das Abenteuer im Walde am Herzen . Ehe der Wirt daher zu seinem Zwecke gelangte , unterbrach ihn jener mit der Frage : Ob nicht vor einigen Tagen hier ein junges Mädchen seinen Angehörigen verlorengegangen sei ? Hierauf bediente ihn der Wirt sofort ausführlich und überflüssig . Er war die wandelnde Chronik des Städtchens , und wußte , was von dem einen Tore bis zum andern sich ereignete , oder doch hätte ereignen können . » Das ist eine wilde Geschichte ! « rief er . » Haben der Herr auch schon davon gehört ? Kommt hier ein nichtsnutziger Komödiant an , mietet sich ein , lebt , man weiß nicht wovon ? treibt , man weiß nicht was ? Er hat ein Kind bei sich , schön wie die Sonne und wild wie der Teufel , mit dem gibt es alle Tage Lärmen , daß die Nachbarn zum Burgemeister gehn , und bitten , dem Unfuge zu steuern . Was ist der Grund gewesen ? Denken Sie nur ; der Abschaum von Vater hat das unschuldige Kind einem alten Sündengesellen zur Unehre verkaufen wollen . Seine leibliche Tochter ! Da ist das Mädchen weggelaufen . Die beiden Alten haben gestern und heute die Gegend abgesucht , und der Burgemeister hat gesagt , er werde suchen . Die arme Person ist weg , und wer weiß , in welchem Weiher schon ihr Leichnam schwimmt ! « Hermann erwiderte , daß man das Beste hoffen müsse , und daß das Schicksal der Witwen und Waisen in höherer Hand ruhe . Damit war der Wirt zwar einverstanden , aber es beruhigte ihn nicht . Er sagte daher , weil ihm keine feinere Wendung einfiel : » Es ist hier weder Schrank noch Kommode . Wenn der Herr vielleicht Ihre Sachen , und besonders die Barschaften mir zum Aufbewahren geben wollten ... « Hermann fand dieses Anerbieten vernünftig , und griff nach seiner Brieftasche , in welcher er bedeutende Wechsel führte , um sie dem Wirte einzuhändigen . Wie erschrak er , als er nicht die seinige , sondern die des Philhellenen hervorzog ! Beide sahen einander ähnlich , und waren im Nachtquartiere vertauscht worden . Hermann erblaßte ; die Sache konnte von den übelsten Folgen sein . Indessen faßte er sich , und sagte dem Wirte , daß er denn doch lieber alles , was er habe , selbst behalten wolle . Dieser aber hatte ihn erblassen sehn , und verließ ihn mit bedenklichem Gesichte . Hermann kannte die Umstände , in welchen sich ein Philhellene zu befinden pflegt . Er wußte , daß versteckte Schätze hier wohl kaum zu erwarten seien , und öffnete mit einer bösen Ahnung die Brieftasche . Ach , da waren Freiheitslieder in großer Anzahl , Logenzertifikate , und Marschrouten nach allen vier Himmelsgegenden , aber keine Dinge , welche einem irdischen Bedürfnisse abzuhelfen vermochten ! Er verwünschte diesen Zufall . Drei bis vier Taler in der Tasche , ohne Kreditbriefe , ohne Hut auf dem Kopfe , ein einziges Kleid am Leibe , irrte er hier umher , mehrere Tagereisen von seinen Quellen entfernt . Was sollte er beginnen ? Fremd in der Gegend , wie leicht konnte er den Strich verfehlen , den der Philhellene gegangen war , der ohnehin von der Landstraße abzuweichen liebte , um in weniger besuchten Gegenden seine Grundsätze auszubreiten ! Dazu schwebte ihm die Gestalt jenes Kindes vor , dem schleunige Rettung vom Verderben not tat . Flämmchen und der Philhellene zogen ihn nach verschiednen Seiten ; er wußte nicht , was er tun sollte , und blätterte zerstreut in den Freiheitsliedern seines Freundes , der dagegen das Geld und die Wechsel hatte . Wie das ferne Licht in der Grube dämmerte ihm aber doch die Hoffnung , sein Geist werde ihm auch dieses Mal helfen , wie er ihm so oft in Bedrängnissen geholfen hatte . Viertes Kapitel Währenddessen hatte sich unten im Gasthofe ein großer Lärmen erhoben . Der Wirt hinkte , ( denn er war lahm ) im Hausflur und in der anstoßenden Stube umher , die Wirtin rang die Hände , vier bis fünf Neugierige standen vor dem Ehebette des Paars ; alles schwatzte durcheinander . Der Grund dieses Aufruhrs war die Kammerjungfer der Herzogin . Diese litt an der Epilepsie , und war eben von ihrem Übel befallen worden , als sie in der Küche das Brenneisen wärmen wollte , um die Gebieterin zu frisieren . Der Wirt sollte einen Friseur schaffen , und konnte es nicht . Von solchem Gewerbe hatte das kleine elende Landstädtchen nie gehört ; das Haarabschneiden wurde dort in den Familien besorgt . Die Person zuckte auf dem Bette , die Umstehenden gaben Mittel an , ihr zu helfen , jeder ein anderes . Die Wirtin rief der Kranken zu , wenn es ihr möglich sei , das frisch überzogne Bett mit ihren heftigen Bewegungen zu verschonen ; worauf die Arme natürlich keine Rücksicht nahm . Der Wirt beteuerte unter allerhand Flüchen , daß der Stadt niemand nötiger tue , als ein Friseur , wie er stets gesagt habe . In dieses Getöse trat Hermann . Das Flattern und Mausern der Tauben über ihm , der Dunst und Geruch der Felle unter ihm , seine Unruhe und Ratlosigkeit hatten ihn aus der abscheulichen Nummer Zwölf ins Freie getrieben . Von einem gelaßnen Karrentreiber , der mit seinem Hundegespann , um besser hören zu können , bis vor die Tür des Zimmers gefahren war , in welchem die Kranke stöhnte , vernahm er die Geschichte . Er ließ sich den Namen des eingekehrten Herzogs sagen , und erschrak , diesmal aber freudig , als der Karrentreiber