ich auf aus dem Haufen , die mir theils merkwürdig , theils lächerlich waren , und ich beschrieb sie mir nachher in meinem Tagebuche und war mit der Ausbeute zufrieden . Außerdem gerieth ich noch beim muthigen Klang der Trommeln , Pfeifen und Hörner auf politische Gedanken über Krieg und Frieden , und in Streit mit einem jungen Menschen , der an der Table d ' hôte mein Nachbar war , und die Meinung behauptete , daß an den zum Fidibus gewordenen spanischen Papieren ein allgemeiner Völkerkrieg sich entzünden würde . In Summa , ich hatte etwas erlebt , daß ich in der Stadt geblieben war . Unterdeß hatten meine Freunde für mich den Kuckuck angerufen , und nannten mich einen radicalen Stadtphilister , als sie wiederkamen . Und ich schüttelte ihnen als eben so vielen liebenswürdigen Naturphilistern derb die Hände . Die Alten haben vor schönen Landschaften nie geweint , und Herodot , der erste große Reisebeschreiber , weiß nur von den Menschen und ihren Sitten gut zu erzählen . Nichts Herrlicheres , als zu sehen , wie in der antiken Welt das Menschliche so nahe an den Menschen gerückt stand , und wie sich dasselbe im Staat als der höchsten Lebensform begränzte und zusammenschloß , ein glücklicher Himmel über glücklichen Häuptern . Sie waren human , weil sie politisch waren , und sie waren politisch , weil sie religiös waren , und religiös , weil politisch . Und so hing Alles im Großen bei ihnen zusammen . Das Menschliche , das sie im Staat so frei und kräftig aus sich herausgebildet hatten , verhinderte daß die magischen Schatten des Waldes sie nicht lockten , und die Natur ihnen nicht rief , sich an ihre Brust zu stürzen . Sie waren jede Stunde zu glücklich , um mit der Lerche des Morgens zu schwärmen und mit der Nachtigall Abends zu klagen . Das Unglück geht am liebsten hinaus ins Grüne und unter die Einsamkeit der wehenden Bäume , das Unglück oder die spielende Kinderunschuld . Die Kinder und die Zerrissenen , beide stehen dem Naturelement am nächsten , und beide würden darin verloren gehen , wenn es nicht ein Stärkeres gäbe als das Naturelement , nämlich den historischen Trieb in die werdende Welt- und Völker-Zukunft , die Alle aufreizt , sich zu bilden , zu bewegen und zu versöhnen . Und die Deutschen waren nie unglücklicher , nie innerlich zerrissener , als zur Zeit ihrer Natursentimentalität und Landschaftsempfindsamkeit im Leben und Dichten . Ich moderner Deutscher bin auch um ein gut Theil glücklicher , seitdem ich nicht mehr im Monbijou-Garten von Berlin spazieren gehe . Ich rufe : Menschen ! Menschen ! und noch einmal Menschen ! Ein Königreich für Menschen ! Mit schönen Gegenden umgehn , kann ich allenfalls auch in meiner Stube , und habe ziemlich genug Phantasie dazu . Denn nachdem ich in der lieben schönen Gotteswelt manche gesehn , kann ich mir fast alle denken , und bringe sie mir , ehe ich des Morgens zu schreiben anfange , oft zu Dutzenden beim Zumfensterhinaussehen in meiner Einbildungskraft hervor . Ich denke mit die mannigfachsten Gruppirungen von Wald , Berg , Fluß , Baum , Himmel und Thal , und gieße dann über diese meine müßigen Landschaftsgedanken einen großartig beleuchtenden Sonnen- Auf- oder Untergang aus . So rufe ich mir , mag es Winter oder Sommer sein , die herrlichste und entfernteste Natur in meine Nähe , und kann , wenn ich will , meine literarischen Siebensachen am hohen Meere oder in einem italienischen Pomeranzenwäldchen schreiben . Der Natur läßt sich immer eine schöne Decoration abgewinnen , aber die Menschenwelt kommt nicht , wenn und wo man sie ruft . Zu den Menschen muß man hinaus , man muß sie aufsuchen in Sturm und Wetter , in Schneegestöber und Regengüssen , man muß mit ihnen reden und lachen , leben , und leiden , und wenn man sie sieht , kennt man sie noch nicht . Wenn man mit ihnen spricht , versteht man sie noch nicht . In der Natur ist Alles einfach , und ihre reichsten Gestaltungen bestehen doch nur aus den einfachsten Combinationen . Es ist immer der Wald , der Fels , der Berg , der See , die Wolke , nur hierhin oder dorthin anders gestellt , und im Norden zu andern Schildereien vermalt , als im Süden . Darum kann ich mir schöne Gegenden denken , wenn ich des Morgens auf die Straße hinaussehe , ich brauche nur zu combiniren . Mit den Menschen bringe ich ' s nicht so weit , wenn ich zu Hause bleibe . Ein Mensch läßt sich nicht combiniren , er ist die sich selbst bewegende Macht , und zugleich treiben ihn die Geister . Er gestaltet sich von innen und macht oft ein verstecktes Wesen mit sich selbst . Und wenn ein großer Weltentdecker alle Welttheile eines Menschenherzens entdeckt hätte , würde er noch jeden Augenblick aus dessen Untiefen neue Inseln emporschießen sehn , und nicht immer glückliche ; neue Inseln , mit fremden Pflanzen , Blumen , Gefühlen und Launen bedeckt . Den Frühling kenne ich ; er ist maigrün und himmelblau . Der Menschen Gesichter habe ich noch lange nicht ausgelernt . Der Mensch hat alle Tage ein anderes Gesicht , und weiß kaum selbst , wie er eigentlich aussieht . Ich habe ihn verwundert angesehn , wenn er liebte und haßte , wenn er eine Frau nahm und seine Mutter begrub . Ich will ihm nachlaufen , wenn er begeistert ist , eine Fürstin einholt , Revolutionen veranstalten will und sich knechtisch geberdet . Ich will mich zu ihm in den Wagen setzen , wenn er auf Reisen geht , ich will mit ihm anstoßen , wenn er seinen Wein trinkt , ich will seiner Tochter den Hof machen , wenn sie artig ist . Nur fort ! Nur fort ! Nur vorwärts , Schwager ! - - Ich habe für heut genug geblasen ! Die Landstraße wird hell , der