; sagen Sie mir von allen neuen Autoren einen , der ein gutes Urteil über Musik hätte ? Es ist Mangel einer gewissen Saite in der Seele , daß es ganz unmöglich ist , die Namen Menzel , Börne , Heine usw. mit irgendeiner musikalischen Verrichtung zusammenzubringen . « » Die Lärmtrommel ! « hieß es irgendwo . Man beklatschte den Einfall und nannte ihn witzig . Aber recht hatte der Justizrat ; auch Cäsar , wenn er sagte : » Was kann empfehlenswerter für die Richtung sein , welche unsre ersten Geister nehmen ? Alle frühere Literatur bildete sich im Interesse irgendeiner vereinzelten Kunst oder Tendenz : die Lessing-Goethische Zeit im Interesse der Antike : die Romantik im Interesse der Malerei : die Phantastik im Interesse der Musik . Erst in unsern Tagen sammelt die Literatur ihre Vorposten , die sich in die fremden Feldlager ganz verloren hatten , und zieht sie in den Kern ihrer Kräfte zurück , um aufs neue zu bestimmen , welches ihr Zweck ist . Ich glaube , daß sich die Literatur ausdehnen wird auf andre Felder , um sie zu befruchten ; aber wahrlich , mein Herr , auf die Musik nicht ! « Bis hierher sprach Cäsar so richtig , daß es unnütz gewesen wäre , Unterschriften darauf zu sammeln . Das Folgende schien zweifelhafter : » Was soll überhaupt die Musik ? Diese klingende Mathematik ? In der Erziehung sind die geometrischen Köpfe meist die dicksten und härtesten , und in den großen Musikern habe ich immer Leute gefunden , die , obschon sie immer mit Schlüsseln umgehen , doch über nichts Aufschluß geben können . Die Musik ist eine ganz sinnliche Kunst . Wenn Sie dem Otaheiter einen Trauermarsch von Spontini vorspielen , mein Herr , glauben Sie , daß er weinen wird ? Er wird springen und seine Kokosschale vor Lebenslust bis auf die Hefe leeren . Musik ist absolut nichts : die Bildung legt erst das hinein , was wir darin zu finden glauben . Wenn ich bei irgendeinem Musikstück ein solcher Narr bin , an die Unsterblichkeit der Seele zu glauben , so verbinden zu gleicher Zeit Sie damit einen Begriff , welcher vielleicht der entgegengesetzte ist . Wenn Sie bei einer Symphonie von Beethoven an einen gotischen Dom denken , so dachte der Komponist an das Giebeldach einer Bauerhütte . Nein , mein Herr , die Musik wird aufhören , zu den Künsten gerechnet zu werden . Nähert sich die Musik in der Oper nicht schon immer mehr der rhetorischen Deklamation ? Ist die Sprache , das volle , tönende , menschliche Wort nicht unendlich höher als der unnatürliche Gebrauch einer ganz im tiefsten Schlunde versteckten zufälligen Fertigkeit ? Ich bitte Sie , überlegen Sie das , mein Herr ! « Hier war keine Verständigung mehr möglich . Was sind Hunderttausende in der Welt ohne das bißchen Fortepiano , was sie spielen können ! Es war , als hätte einer gesagt , die Frauen sollten keine Gigotärmel mehr tragen . Was wären diese schmalen Brüste , diese gedankenlosen Köpfe ohne Gigots , ohne Pianoforte ! Und doch strafte man Cäsarn nicht durch Stillschweigen , ging nicht wie wegen eines Tollen zur Tagesordnung über , sondern schrie auf und rief das Gefühl , den Himmel , die Moralität zu Hülfe , um einen Ketzer zu bekehren . Der blonde Unzeitgemäße war so glücklich , die Frage in das Gebiet der Politik hinüberzuspielen und aus der Musik eine Sache des Staates zu machen . Hierüber schwieg Cäsar . Ihn verdroß nichts mehr als das Warmwerden . Er wußte zu gut , daß die Adler niemals in der Fläche horsten . Warum Niagaradonner , wo Knallerbsen genügen ? Er gab sich willig dem Spotte Wallys hin , die viel zu leichtsinnig war , auf dergleichen Debatten etwas zu geben , zu eitel , um eine allgemeine Unterhaltung interessant zu finden , und die überdies weder sang noch spielte . Wally hatte Ideen , aber nur momentan ; sie verschmähte es , die Geistreiche zu scheinen , weil sie wußte , daß sie schön war . Flüchtig waren ihre Bewegungen , liebenswürdig , ohne Pedanterei ihre Capricen . Cäsar fühlte das und badete sich in dem oberflächlichen Schaume , den Wally von den Ideen nur gelten ließ . Cäsar hatte recht , sie für unfähig zur Spekulation zu halten . Er nahm sie wie ein humoristisches Capriccio der animalischen Natur . Beide spotteten im Vertrauen über sich , über alle . Was sie sprachen als Sprechenswertes , waren Raketen , die sie sich einander zuwarfen . » Warum brechen Sie über Politik ab ? « » In Athen durfte kein Volksredner auftreten , der nicht verheiratet war . « » Was Sie gelehrt sind ! Ich bin es auch : in Kreta durfte niemand Gesetze geben , der nicht einen Strick um den Hals hatte . « » Das ist dasselbe Gesetz : Die Athener wollten eigentlich auch sagen , der keinen solchen Strick am Halse habe . « » Wie unanständig ! « » Wally ! « Wally lachte : es war ein hübscher , vertraulicher Ton , in dem ihr Cäsar drohte . » Was machen Sie mit Leuten , die Ihnen gefallen ? « fragte sie ihn , ohne zu wissen , was sie fragte . » Alles , nur nicht ihre Bekanntschaft . « » Das ist auffallend ! Doch können Sie recht haben . « » Wonach beurteilen Sie die Menschen , Wally ? « » Nach ihren Werken ! - O Gott , nein ; dies wäre ja albern geantwortet , wie im Katechismus . Sagen Sie ? « » Nach dem , was sie sind ? « » Nein , nach dem , was sie imstande wären . « » O Wally , Sie sind liebenswürdig ! Woran würden Sie denken , wenn Sie jemanden prüfen wollten , der zu lieben wäre ? « » An die außerordentlichen Fälle . « Cäsar schwieg