leuchtenden Laterne beschienen , einsam dastand , » so trägt jeder am Ende seine Jugend heim ; einmal im Leben muß dies trübselige Leichenfest vor sich gehen ! Ach , die süße , göttliche Jugend ! Da hatte der seltsame Alte nun alle jene traulichen Pfänder der Lust , Bänder und Tücher der verstorbenen Geliebten seiner Jugend , dem Püppchen umgebunden , mit dem zärtlichen Andenken jeder glücklichen geschwundenen Stunde es umhangen , und geht nun mit der kleinen Leiche hinaus . Auf dem Grabe , das diese Schätze in sich aufnimmt , sizt nun der arme , alte Mensch und legt den kalten , versteinerten , von Jugend und Liebe verlassenen Körper als Leichenstein auf den Hügel . « Der junge Eduard sah den großen , schönen Mann schweigend und betrübt an ; er wollte eben einige Worte des Trostes vorbringen , als jener mit einer leidenschaftlichen Bewegung seine Rechte auf die Schulter des Jünglings stüzte und mit einem Tone des tiefsten Jammers ausrief : » Schenke mir Deine Jugend , fülle diesen Busen mit Wärme , und Du sollst über mich gebieten ! « Eduard schmiegte sich an die edle Gestalt , ein geheimnißvolles Bangen erfaßte sein ganzes Wesen , es herrschte eine minutenlange Pause , und langsam fielen die Flocken auf die beiden finstern Gestalten herab . » Lassen Sie uns gehen , « rief der Herzog , » die Nacht wird kalt . « - Sie gingen um die Ecke und verschwanden bald in der Finsterniß . - In die Malerstube des alten Hofmalers Gotthold hatte seine Tochter Emilie ihren Verlobten hinbeschieden , weil der junge Eduard ihr zu wissen gegeben , es drücke seine Brust ein Geheimniß , und zwar ein freudiges , welches sein Mädchen erfahren müsse . Dem aufhorchenden , schönen Kinde berichtete jezt der , durch die Eile noch fast athemlose Jüngling sein sich immer fester knüpfendes Verhältniß mit dem Herzog und dessen Freunden , die Ereignisse des gestrigen Abends ; er beschrieb das freundliche Wesen der fürstlichen Geliebten , und ihre zarte Beachtung jedes Fremden , der sich ihrem Zirkel nähere ; zulezt fragte er das zu Boden sehende Mädchen um ihre Meinung . » Was soll ich zu dem allen sagen , « entgegnete sie mit sanfter Stimme , » Du hast es ja gewollt , Dein Bestreben ging ja immer dahin , mit diesen höhern Ständen in Berührung zu treten ; jezt hast Du es . « - » Freilich hab ' ich , was ich wollte , « rief der begeisterte Jüngling , » doch , freue Dich mit mir : das fehlt mir noch . « - » Freuen ? « entgegnete das besorgte Mädchen , » die Zeit wird lehren , ob ich dazu Ursache habe . Ich bin nur zufrieden , Dich deinen dicken Folianten und der pressenden Kante deines Schreibpults entzogen zu haben . Mir kam es öfters vor , als stählen jene kleinen schwarzen Zeichen , deren Du so viele täglich auf das blendende Papier maltest , allmählig das schöne leuchtende Roth auf deinen Lippen und Wangen . « - » Wie poetisch ! « rief der Jüngling . » Nicht das , « entgegnete unwillig das Mädchen , » ich will nichts Poetisches sagen ; etwas Wahres , meine Empfindung habe ich Dir ausdrücken wollen . « - » Nun ja - und ist es nicht hübsch , daß deine Empfindungen poetisch sind ? « - Emilie sah ihn mit einem langen , fragenden Blick in die Augen , dann sagte sie etwas leiser und stockend : » Ich habe eine Furcht vor der heutigen Poesie ; ich glaube , daß deswegen die Leute so bleich und hohläugig - und wieder auf der andern Seite so elend und jämmerlich herumlaufen , weil sie so poetisch sind . Der Vater wird Dir meine eigentliche Meinung besser erklären , ich muß immer fürchten , ausgelacht zu werden , wenn meine ungelenke und unwissende Zunge dergleichen Dinge berührt . « - Eduard küßte seine erröthende und schmerzlich lächelnde Geliebte . Indem trat der Vater herein , und packte einige mitgebrachte Bilder aus ; er wurde sogleich ins Interesse gezogen , und um seine Meinung , rücksichtlich des Fürsten und seiner Freunde , befragt . Gotthold schob seine Brille auf die Stirne hinauf , die von einem Rest des silberhellen Greisenhaares spärlich bekleidet wurde , und sagte zu dem am Fenster lehnenden Jüngling : » Ich denke , Du kennst meine Ansicht rücksichtlich dieser Herren ; es sind Zeitbilder , elegante Herren . Der eine schreibt bittersüße Verse , der andere bringt ganz unerhörte Noten zusammen ; aus dem dritten , dem Dicken , bin ich noch nicht recht klug geworden ; der berühmte Mann scheint in ihm noch nicht reif geworden zu seyn , gleichsam noch in der Hülse zu stecken . Sie sind alle aber sehr unzufrieden , nicht allein über ihren übel zugeschnittenen schwarzen Frack , sondern auch sogar über das Leben . Vielleicht haben sie auch Recht ; prüfe selbst , mein Sohn . Du hast zu deinem Wissen einen tüchtigen Grund gelegt ; die Meinungen der alten Weisen und Dichter haben deinen Geist bilden helfen , nun richte den Blick in ' s Leben , besuche die weltverbesserlichen Thee ' s , die Diner ' s , wo die vornehme Zerknirschung , der zahme Egoismus und die kalte Resignation sammt der Sinnlichkeit Tafel halten und sich bei den Gerüchen der Schüsseln aus fremden Zonen betäuben . Mir ist nach vielem Streit unerwartet und wider mein Verdienst ein schöner Friede geschenkt worden . « Als Eduard am Abend sich entfernte , um am andern Morgen zum Herzog zu gehn , winkte ihm das blaue Auge seines Mädchens in die tiefe Fensternische hinein . Sie sprach nicht , sie zwang sich zum Lächeln , doch eine Thräne fiel über dies falsche Lachen hinweg . Jezt hatte sie Eduarden geschwind etwas umgehängt und in den Rock gesteckt . » Nicht jezt gesehen , «