einiger Erholung , wo ich dann aus Stolz und Schüchternheit ganz vereinzelt von meinem Sitz aus die sich willkürlich bildenden fröhlichen Haufen meiner Gespielinnen betrachtete . Lady Marie flüsterte eine Zeit lang mit ein paar ihrer Vertrautern , dann ging sie , wie von ungefähr , nahe an mir vorbei und fragte hochmüthig : Ich bitte , Miß Percy , gehören Sie zu des Herzogs von Northumberland Familie ? - Nein , antwortete ich . - Zu welchen Percy ' s gehören Sie denn ? - Mein Vater ist ein reicher ostindischer Kaufmann in Bloomberry square , erwiederte ich , überzeugt , daß ich mich durch diese Nachricht sehr wichtig machen würde ; allein ganz im Gegentheil fragte Lady Marie weiter : Nun wer war denn Ihr Großvater ? denn einen Großvater müssen Sie doch gehabt haben ? - Dabei sah sie , für ihren Einfall Lob ärntend , um sich her . Ich war aber wirklich in dem Fall , von meinem Großvater gar nichts zu wissen ; aus Verdruß und Einfalt sagte ich : Ich weiß nicht , wer er war , doch ein Herzog kann er nicht gewesen seyn , denn ich hörte meinen Vater oft sagen , er habe bei seinem Eintritt in die Welt nicht fünf Schillinge gehabt . - Die kleinen Mädchen hielten noch einige lose Reden , die mich ziemlich aufbrachten , bis Lady Marie mir endlich noch ins Gesicht sah und ein unmäßiges Gelächter begann . Jetzt war meine Fassung zu Ende . - Mit viel mehr Muth als Zierlichkeit versetzte ich ihr die derbste Ohrfeige , über welche meine Gegnerin in ein unmäßiges Geschrei ausbrach , indeß ihre Gespielinnen starr von Erstaunen und Schrecken umherstanden . Man kann sich denken , was für ein Auflauf entstand ! Lady Mariens Unart ward zwar getadelt , allein für meine rauhe Selbstvertheidigung sollte ich um Verzeihung bitten ; das verweigerte ich hartnäckig , und nach den heftigsten Auftritten wurde ich zum Einsperren abgeführt . Drei Tage lang beharrte ich in meinem Entschluß ; am vierten trieb mich Langeweile und Einsamkeit , der Aufseherin , die sich gleich bei meinem Eintritt in das Haus zu meinen Gunsten erklärt hatte , einen Vergleich anzubieten . Ich forderte , Lady Marie solle sich für ihre Unverschämtheit entschuldigen , so wolle ich mein Unrecht wegen der ertheilten Ohrfeige bekennen . Allein die Reihe , eigensinnig zu seyn , war jetzt an Lady Marie . So ging der fünfte Tag hin , nach welchem man mir , die Haft als Strafe anrechnend , mich ohne alle Bedingung in Freiheit setzte . Von der Zeit an war die entschiedenste Abneigung zwischen Lady Marie und mir ausgesprochen ; nach und nach theilte sie die ganze Pension ; alle unsre Gespielinnen mußten es mit einer oder der andern von uns beiden halten , - eine Trennung , wie die der Whigs und Torys fand statt . Die letzte meiner Gefährtinnen , die sich für meine Partei erklärte , war Miß Julie Arnold , die Tochter eines kürzlich verstorbnen Seeassecuranz-Mäklers . Da der gute Mann sich selbst nicht im Stande sah , seiner Familie Glanz zu geben , gründete er seine Hoffnung auf die Zukunft seines einzigen Sohnes . Um es diesem zu erleichtern , vermachte er ihm , zum Nachtheil seiner Tochter , fast sein gänzliches , ziemlich ansehnliches Vermögen . Der junge Arnold , welchem die Sorge für seine Schwester dennoch oblag , hielt es fürs beste , ihr durch eine glänzende Erziehung Ansprüche an eine gute Versorgung zu verschaffen , und in dieser Absicht kam sie in unsre Pension . Die Natur hatte diesem Mädchen alle Eigenschaften zugetheilt , die zum Emporkommen durch Abhängigkeit erforderlich sind : Biegsamkeit des Charakters , Leichtigkeit im Umgang , ein Talent sich unbefangen anzustellen , keck zu schmeicheln , ein ungezwungnes Betragen , ein kaltes Herz und dabei nur gerade so viel äußre Annehmlichkeit , wie dazu gehört , nirgend zu mißfallen und doch nie Eifersucht auf sich zu ziehen ; das waren die Bestandtheile ihres Wesens . Schon als Kind drängte sie sich unter die vornehmeren Gespielinnen , man liebte sie nicht allgemein , wollte sie aber einer Einzelnen gefallen , so gelang es ihr gewiß . Diese Julie schwankte lange zwischen mir und Lady Marie ; ja wie es gegen die Vacanz zuging , und diese sie einlud , sie auf das Landgut ihres Vaters , des Herzogs von C. , zu begleiten , sprach sie sich eine Zeit lang gänzlich zu ihren Gunsten aus ; allein wenige Tage vor der bestimmten Abreise ließ Laune Lady Marie plötzlich eine Begleiterin ihres Standes wählen , und von nun an war Miß Julie mein treuer Bundesgenoß . Von meinem ersten Denken an gewohnt , Alles mit Heftigkeit zu erfassen , ward meine Liebe zu ihr bald ausschließend . Wir halfen uns gegenseitig in allen Vorfällen : ich trug ihr Neuigkeiten zu , und sie mir Confect , ich machte ihre Aufsätze , und sie half mir bei meinem Putz ; doch der größere Vortheil blieb auf meiner Seite ; meine ungezähmte Offenherzigkeit , auf die frühe Gewohnheit , Alles sagen zu dürfen und für nichts gestraft zu werden gegründet , zog mir bei den künstlichen Verhältnissen der Pensionswelt beständige Unannehmlichkeiten zu ; kam es dann zur Anklage und ich stand auf dem Puncte , mich geduldig der Strafe zu unterwerfen , so wußte Julie durch einen unerwarteten Flug ihrer Einbildungskraft den Sachbestand in ein andres Licht zu stellen , so daß ich der Strafe entging . Hätte sie ihre List für eine Andere verwandt , so würde ich sie vielleicht richtig zu beurtheilen gewußt haben , allein für mich geübt , erregte sie anfangs meine Dankbarkeit und endlich meine Bewunderung . Sieben Jahre meines Lebens gingen darauf hin , alle die schimmernden Talente zu erlernen , welche die glänzende Gesellschaft als einzige Vorzüge erkennt . Für keines bezeigte ich so viel Anlage , wie für die Tonkunst ; keines entwickelte ich auch mit so