von der Sie noch die Reste sehen , war der heiligen Familie gewidmet und vor alters als Wallfahrt wegen mancher Wunder berühmt . Die Kirche war der Mutter und dem Sohne geweiht . Sie ist schon seit mehreren Jahrhunderten zerstört . Die Kapelle , dem heiligen Pflegevater gewidmet , hat sich erhalten , so auch der brauchbare Teil der Klostergebäude . Die Einkünfte bezieht schon seit geraumen Jahren ein weltlicher Fürst , der seinen Schaffner hier oben hält , und der bin ich , Sohn des vorigen Schaffners , der gleichfalls seinem Vater in dieser Stelle nachfolgte . Der heilige Joseph , obgleich jede kirchliche Verehrung hier oben lange aufgehört hatte , war gegen unsere Familie so wohltätig gewesen , daß man sich nicht verwundern darf , wenn man sich besonders gut gegen ihn gesinnt fühlte ; und daher kam es , daß man mich in der Taufe Joseph nannte und dadurch gewissermaßen meine Lebensweise bestimmte . Ich wuchs heran , und wenn ich mich zu meinem Vater gesellte , indem er die Einnahmen besorgte , so schloß ich mich ebenso gern , ja noch lieber an meine Mutter an , welche nach Vermögen gern ausspendete und durch ihren guten Willen und durch ihre Wohltaten im ganzen Gebirge bekannt und geliebt war . Sie schickte mich bald da- , bald dorthin , bald zu bringen , bald zu bestellen , bald zu besorgen , und ich fand mich sehr leicht in diese Art von frommem Gewerbe . Überhaupt hat das Gebirgsleben etwas Menschlicheres als das Leben auf dem flachen Lande . Die Bewohner sind einander näher und , wenn man will , auch ferner ; die Bedürfnisse geringer , aber dringender . Der Mensch ist mehr auf sich gestellt , seinen Händen , seinen Füßen muß er vertrauen lernen . Der Arbeiter , der Bote , der Lastträger , alle vereinigen sich in einer Person ; auch steht jeder dem andern näher , begegnet ihm öfter und lebt mit ihm in einem gemeinsamen Treiben . Da ich noch jung war und meine Schultern nicht viel zu schleppen vermochten , fiel ich darauf , einen kleinen Esel mit Körben zu versehen und vor mir her die steilen Fußpfade hinauf und hinab zu treiben . Der Esel ist im Gebirg kein so verächtlich Tier als im flachen Lande , wo der Knecht , der mit Pferden pflügt , sich für besser hält als den andern , der den Acker mit Ochsen umreißt . Und ich ging um so mehr ohne Bedenken hinter meinem Tiere her , als ich in der Kapelle früh bemerkt hatte , daß es zur Ehre gelangt war , Gott und seine Mutter zu tragen . Doch war diese Kapelle damals nicht in dem Zustande , in welchem sie sich gegenwärtig befindet . Sie ward als ein Schuppen , ja fast wie ein Stall behandelt . Brennholz , Stangen , Gerätschaften , Tonnen und Leitern , und was man nur wollte , war übereinander geschoben . Glücklicherweise , daß die Gemälde so hoch stehen und die Täfelung etwas aushält . Aber schon als Kind erfreute ich mich besonders , über alles das Gehölz hin und her zu klettern und die Bilder zu betrachten , die mir niemand recht auslegen konnte . Genug , ich wußte , daß der Heilige , dessen Leben oben gezeichnet war , mein Pate sei , und ich erfreute mich an ihm , als ob er mein Onkel gewesen wäre . Ich wuchs heran , und weil es eine besondere Bedingung war , daß der , welcher an das einträgliche Schaffneramt Anspruch machen wollte , ein Handwerk ausüben mußte , so sollte ich , dem Willen meiner Eltern gemäß , welche wünschten , daß künftig diese gute Pfründe auf mich erben möchte , ein Handwerk lernen , und zwar ein solches , das zugleich hier oben in der Wirtschaft nützlich wäre . Mein Vater war Bötticher und schaffte alles , was von dieser Arbeit nötig war , selbst , woraus ihm und dem Ganzen großer Vorteil erwuchs . Allein ich konnte mich nicht entschließen , ihm darin nachzufolgen . Mein Verlangen zog mich unwiderstehlich nach dem Zimmerhandwerke , wovon ich das Arbeitszeug so umständlich und genau , von Jugend auf , neben meinem Heiligen gemalt gesehen . Ich erklärte meinen Wunsch ; man war mir nicht entgegen , um so weniger , als bei so mancherlei Baulichkeiten der Zimmermann oft von uns in Anspruch genommen ward , ja bei einigem Geschick und Liebe zu feinerer Arbeit , besonders in Waldgegenden , die Tischler- und sogar die Schnitzerkünste ganz nahe liegen . Und was mich noch mehr in meinen höhern Aussichten bestärkte , war jenes Gemälde , das leider nunmehr fast ganz verloschen ist . Sobald Sie wissen , was es vorstellen soll , so werden Sie sich ' s entziffern können , wenn ich Sie nachher davor führe . Dem heiligen Joseph war nichts Geringeres aufgetragen , als einen Thron für den König Herodes zu machen . Zwischen zwei gegebenen Säulen soll der Prachtsitz aufgeführt werden . Joseph nimmt sorgfältig das Maß von Breite und Höhe und arbeitet einen köstlichen Königsthron . Aber wie erstaunt ist er , wie verlegen , als er den Prachtsessel herbeischafft : er findet sich zu hoch und nicht breit genug . Mit König Herodes war , wie bekannt , nicht zu spaßen ; der fromme Zimmermeister ist in der größten Verlegenheit . Das Christkind , gewohnt , ihn überallhin zu begleiten , ihm in kindlich demütigem Spiel die Werkzeuge nachzutragen , bemerkt seine Not und ist gleich mit Rat und Tat bei der Hand . Das Wunderkind verlangt vom Pflegevater , er solle den Thron an der einen Seite fassen ; es greift in die andere Seite des Schnitzwerks , und beide fangen an zu ziehen . Sehr leicht und bequem , als wär ' er von Leder , zieht sich der Thron in die Breite , verliert verhältnismäßig an der Höhe und paßt ganz vortrefflich an Ort und