, « unterbrach hier den Meister Abraham Johannes Kreisler , » höre , Freund , noch jetzt , unerachtet es schon ziemlich lange her ist , spricht man von dem Geburtstage der Fürstin , dessen Feier du angeordnet hast , wie von einem dunklen Geheimnis , und gewiß hast du nach deiner gewöhnlichen Art und Weise viel Abenteuerliches begonnen . Hielt das Volk dich schon immer für eine Art von Hexenmeister , so scheint dieser Glaube durch jenes Fest noch um vieles stärker geworden zu sein . Sage mir nur geradezu , wie sich alles begeben . Du weißt , ich war damals nicht hier - « » Eben das , « fiel Meister Abraham dem Freunde ins Wort , » geben das , daß du nicht hier , daß du , der Himmel weiß , von welchen Furien der Hölle getrieben , fortgerannt warst wie ein Wahnsinniger , eben das machte mich toll und wild , eben deshalb beschwor ich die Elemente herauf , ein Fest zu stören , das meine Brust zerschnitt , da du , der eigentliche Held des Stücks , fehltest , ein Fest , das nur erst dürftig und mühsam daherschlich , dann aber über geliebte Personen nichts brachte als die Qual beängstigender Träume - Schmerz - Entsetzen ! - Erfahre es jetzt , Johannes , ich habe tief in dein Inneres geschaut und das gefährliche - bedrohliche Geheimnis erkannt , das darin ruht , ein gärender Vulkan , in jedem Augenblick vermögend loszubrechen in verderblichen Flammen , rücksichtslos alles um sich her verzehrend ! - Es gibt Dinge in unserm Innern , die sich so gestalten , daß die vertrautesten Freunde darüber nicht reden dürfen . Darum verhehlte ich dir sorglich , was ich in dir erschaut , aber mit jenem Fest , dessen tieferer Sinn nicht die Fürstin , sondern eine andere geliebte Person und dich selbst traf , wollte ich dein ganzes Ich gewaltsam erfassen . Die verborgensten Qualen sollten lebendig werden in dir und wie aus dem Schlaf erwachte Furien mit verdoppelter Kraft deine Brust zerfleischen . Wie einem zum Tode Siechen sollte Arzenei , dem Orkus selbst entnommen , die im stärksten Paroxysmus kein weiser Arzt scheuen darf , dir den Tod bereiten oder Genesung ! - Wisse Johannes , daß der Fürstin Namenstag zusammentrifft mit dem Namenstage Julias , die auch , wie sie , Maria geheißen . « » Ha ! « rief Kreisler , indem er , zehrendes Feuer im Blick , aufsprang , » Ha ! - Meister ! ist dir die Macht gegeben , mit mir freches höhnendes Spiel zu treiben ? - Bist du das Verhängnis selbst , daß du mein Inneres erfassen magst ? « » Wilder unbesonnener Mensch , « erwiderte Meister Abraham ruhig , » wann wird endlich der verwüstende Brand in deiner Brust zur reinen Naphthaflamme werden , genährt von dem tiefsten Sinn für die Kunst , für alles Herrliche und Schöne , der in dir wohnt ! - Du verlangtest von mir die Beschreibung jenes verhängnisvollen Festes ; so höre mich denn ruhig an , oder ist deine Kraft gebrochen ganz und gar , daß du das nicht vermagst , so will ich dich verlassen . « - » Erzähle , « sprach Kreisler mit halberstickter Stimme , indem er , beide Hände vors Gesicht , sich wieder hinsetzte . » Ich will , « sprach Meister Abraham , plötzlich einen heitern Ton annehmend , » ich will dich , lieber Johannes , gar nicht ermüden mit der Beschreibung aller der sinnreichen Anordnungen , die größtenteils dem erfindungsreichen Geiste des Fürsten selbst ihren Ursprung verdankten . Da das Fest am späten Abend begann , so versteht es sich von selbst , daß der ganze schöne Park , der das Lustschloß umgibt , erleuchtet war . Ich hatte mich bemüht , in dieser Erleuchtung ungewöhnliche Effekte hervorzubringen , das gelang aber nur zum Teil , da auf des Fürsten ausdrücklichen Befehl in allen Gängen , mittelst auf großen schwarzen Tafeln angebrachter buntfarbiger Lampen , der Namenszug der Fürstin brennen mußte , nebst der fürstlichen Krone darüber . Da die Tafeln an hohen Pfählen angenagelt , so glichen sie beinahe illuminierten Warnungsanzeigen , daß man nicht Tabak rauchen oder die Maut nicht umfahren solle . Der Hauptpunkt des Festes war das durch Gebüsch und künstliche Ruinen gebildete Theater in der Mitte des Parks , welches du kennst . Auf diesem Theater sollten die Schauspieler aus der Stadt etwas Allegorisches agieren , welches läppisch genug war , um ganz außerordentlich zu gefallen , hätte es auch nicht der Fürst selbst verfaßt , und wäre es daher auch nicht , um mich des geistreichen Ausdrucks jenes Schauspieldirektors , der ein fürstliches Stück aufführte , zu bedienen , aus einer durchlauchtigen Feder geflossen . Der Weg vom Schloß bis zum Theater war ziemlich weit . Nach der poetischen Idee des Fürsten sollte der wandelnden Familie ein in den Lüften schwebender Genius mit zwei Fackeln vorleuchten , sonst aber kein Licht brennen , sondern erst , nachdem die Familie und das Gefolge Platz genommen , das Theater plötzlich erleuchtet werden . Deshalb blieb besagter Weg finster . Vergebens stellte ich die Schwierigkeit dieser Maschinerie vor , welche die Länge des Wegs herbeiführte , der Fürst hatte in den Fêtes de Versailles etwas Ähnliches gelesen , und da er hinterher den poetischen Gedanken selbst gefunden , bestand er auf dessen Ausführung . Um jedem unverdienten Vorwurf zu entgehen , überließ ich den Genius samt den Fackeln dem Theater-Maschinisten aus der Stadt . - Sowie nun das fürstliche Paar , hinter ihm das Gefolge , aus der Türe des Salons trat , wurde ein kleines pausbackiges Männlein , in die Hausfarben des Fürsten gekleidet , mit zwei brennenden Fackeln in den Händchen , vom Dache des Lustschlosses herabgezogen . Die Puppe war aber zu schwer , und es begab sich , daß kaum zwanzig Schritt davon die Maschine stockte , so daß der leuchtende Schutzgeist des fürstlichen