lange daure , und Martin wollte ihm eben in alter Kriegsmanier antworten , da bat jener sorglich , er möchte den Eimer nicht anstoßen lassen , es sei zerbrechliche Ware darin und Martin verschluckte seine Antwort und sprach : » Zu meiner Hochzeit hättet Ihr wohl das Fluchen vergessen können . « - Der Reiter schrie herauf : » Nimm das , was im Eimer liegt , zum Hochzeitgeschenk , sei eingedenk deines Schwures , kein Turm ist zu hoch , kein Grab zu tief für Gottes Richterschwert und für unsern Pfeil . « - Martin trat ernst mit dem Kasten ins Zimmer , den er aus dem Eimer genommen , setzte ihn in der Zerstreuung auf den Apfelkuchen und brummte vor sich : » Wäre ich nur nie bei den alten Mördern gewesen ! « Als Frau Hildegard wegen des Apfelkuchens schalt , sagte er : » Es ist auch ein Hochzeitgeschenk , mit dir Berthold wird es geteilt , vielleicht ist ' s ein feinerer Kuchen , macht es sorglich auf , es soll sehr zerbrechlich sein . « Frau Hildegard schob den durchlöcherten Deckel auf , hob eine Pelzdecke auf und sah mit großem Erstaunen einen kleinen Knaben der auf einem Totenschädel , halb mit einem weichen Kissen bedeckt , ruhte und schlief . » Ha « , fuhr Martin bei dem Anblick auf , » es hat das Zeichen ! « Bei dem Worte sprang er hinaus , sah aber nur noch in bedeutender Entfernung den Reiter auf seinem Schimmel , wie sein weißer Mantel im Winde gleich einem Segel aufbauchte und wie er sich bald gleich einer Schneewolke unter den stumpfen Weiden der Straße verlor . Er kam zurück , als Berthold mit überwundener Sorge sprach : » Es ist nicht tot , es schläft nur , tragt ' s ins Bette , Frau Hildegard , aber denkt nicht , daß dies liebe Kind euch allein gehört , mein ist die Hälfte , Martin hat ' s versprochen . « - MARTIN : » Du sprichst ja wie ein Versucher , dem ich des Kindes Seele verschrieben habe . « - BERTHOLD : » Ich brauche nicht seine Seele , ich brauche nur seine Hand , ich will ' s zum Schreiber aufziehen . « - MARTIN : » Versuch ' s nur ; wenn der Knabe älter wird , da merkt er schon in sich , daß er nicht zum Schreibtisch , sondern unter den Helm gehört ; aber Hildegard , ist es dir denn lieb , ein Kind zu haben , bist ja so still emsig , es einzupacken , als ob du es im Federbett ersäufen wolltest . « - HILDEGARD : » Still , hab nie ein schöneres Kind gesehen , alle andern sind Holzklötze dagegen , ein feines Bild aus Elfenbein ist dies , das muß aus hohem Geschlechte stammen ; wenn wir nur reich wären , um es fein ordentlich aufzuziehen ! « - MARTIN : » Gott sorgt für die Gemslein auf den Felsenspitzen , sieh her Hildegard , sieh den Schatz , der bei dem Kinde im Kästchen liegt . « - BERTHOLD : » Fünf Goldgülden , alle mit dem Stempel unsres letzten Schwabenherzogs Konradin , die sollen wunderselten sein , die mögen in einer recht alten Sparbüchse gerostet haben , bis die grimme Not , die das liebe Kind verstoßen , sie in die Welt trieb . Der Schatz soll dem Kinde bleiben , ich sorge mit Abschreiben in den Abendstunden für das Kind . « MARTIN : » Ich sorge für meine Hälfte , sonst hau ich sie mir von dem Kinde ab , hab wohl keine Kinder mehr zu erwarten , will mich auch von einem Kinde streicheln lassen : ob ich mir hier ein Kind , oder einen Hund futtre , das kostet gleich viel ! « Das Kind war von dem Streite aufgewacht und forderte schreiend seine Nahrung , die Frau war in großer Sorge , was sie ihm geben sollte , sie hoffte , daß ein gläubiges Gebet zur heiligen Mutter , ihre Brust mit Milch füllen könnte , aber Martin schüttelte mit dem Kopfe und sprach : » In unsrer Zeit geschehen keine Wunder . « Frau Hildegard ließ sich aber nicht stören in ihrem Glauben , sondern betete an ihrem kleinen Altare und wie sie noch so betete , da hörte sie das Kind schlucken , das ganz allein lag , weil die beiden Männer an den Herd gegangen waren , um Feuer zu einem Brei anzuschüren . Sie sah sich um , und erblickte ihre große , schwarze Ziege , die sich aus dem Stall losgerissen und auf das Bette gesprungen war , und das Kindlein sog mit freudiger Begierde an der Ziege . Hildegard richtete sich mit gefaltenen Händen auf und rief die Männer : » Seht , seht , dem Frommen geschehen alle Tage Wunder ! « Berthold faltete gleichfalls verwundert die Hände , aber Martin sprach gleichgültig : » Es ist doch gut , daß wir heut das Zicklein zum Hochzeitbraten opferten , die Ziege wäre sonst mit keiner Gewalt zum Stillen des Kinds zu zwingen gewesen , jetzt drängt es sie dazu : es ist nicht alles Liebe , was die Menschen so nennen ! « Dann nahm er Berthold bei der Hand und führte ihn an die andere Ecke des Zimmers , wo der Kasten stand und sprach wehmütig und leise : » Sieh da das weiße Kind unter dem gehörnten , schwarzen Tiere , das dem Teufel ähnlich sieht , so kommt die Unschuld zur Schuld und nährt sich von ihr , so soll auch ich das Kind ernähren und bin nicht wert solcher himmlischen Gnade . Ich halt ' s nicht aus ! Habe so viele blühende Jünglinge in Feldschlacht und Fehden erschlagen und werde nun zum Narrn vor Freude , daß ich der Welt ein Kind zum Ersatz aufziehe , o ich wollte , daß ich bei meinem Vater