es schien , blutige Därme an den Flammen auseinander . Ein Grausen überfiel den Grafen bei dem scheußlichen Anblick , er setzte sich rasch auf sein Pferd und sprengte querfeldein . Das Rauschen und Klappern einer Waldmühle bestimmte seine Richtung . Ein ungeheurer Hund empfing ihn dort an dem Hofe der Mühle . Friedrich und sein Pferd waren zu ermattet , um noch weiterzureisen . Er pochte daher an die Haustüre . Eine rauhe Stimme antwortete von innen , bald darauf ging die Türe auf , und ein langer , hagerer Mann trat heraus . Er sah Friedrich , der ihn um Herberge bat , von oben bis unten an , nahm dann Sein Pferd und führte es stillschweigend nach dem Stalle . Friedrich ging nun in die Stube hinein . Ein Frauenzimmer stand drinnen und pickte Feuer . Er bemerkte bei den Blitzen der Funken ein junges und schönes Mädchengesicht . Als sie das Licht angezündet hatte , betrachtete sie den Grafen mit einem freudigen Erstaunen , das ihr fast den Atem zu verhalten schien . Darauf ergriff sie das Licht und führte ihn , ohne ein Wort zu sagen , die Stiege hinauf in ein geräumiges Zimmer mit mehreren Betten . Sie war barfuß und Friedrich bemerkte , als sie so vor ihm herging , daß sie nur im Hemde war und den Busen fast ganz bloß hatte . Er ärgerte sich über die Frechheit bei solcher zarten Jugend . Als sie oben in der Stube waren , blieb das Mädchen stehen und sah den Grafen furchtsam an . Er hielt sie für ein verliebtes Ding . » Geh « , sagte er gutmütig , » geh schlafen , liebes Kind . « Sie sah sich nach der Türe um , dann wieder nach Friedrich . » Ach , Gott ! « sagte sie endlich , legte die Hand aufs Herz und ging zaudernd fort . Friedrich kam ihr Benehmen sehr sonderbar vor , denn es war ihm nicht entgangen , daß sie beim Hinausgehen an allen Gliedern zitterte . Mitternacht war schon vorbei . Friedrich war überwacht und von den verschiedenen Begegnissen viel zu sehr aufgeregt , um schlafen zu können . Er setzte sich ans offene Fenster . Das Wasser rauschte unten über ein Wehr . Der Mond blickte seltsam und unheimlich aus dunkeln Wolken , die schnell über den Himmel flogen . Er sang : » Er reitet nachts auf einem braunen Roß , Er reitet vorüber an manchem Schloß : Schlaf droben , mein Kind , bis der Tag erscheint , Die finstre Nacht ist des Menschen Feind ! Er reitet vorüber an einem Teich , Da stehet ein schönes Mädchen bleich Und singt , ihr Hemdlein flattert im Wind , Vorüber , vorüber , mir graut vor dem Kind ! Er reitet vorüber an einem Fluß , Da ruft ihm der Wassermann seinen Gruß , Taucht wieder unter dann mit Gesaus , Und stille wird ' s über dem kühlen Haus . Wann Tag und Nacht in verworrenem Streit , Schon Hähne krähen in Dörfern weit , Da schauert sein Roß und wühlet hinab , Scharret ihm schnaubend sein eigenes Grab . « Er mochte ungefähr so eine Stunde gesessen haben , als der große Hund unten im Hofe ein paarmal anschlug . Bald darauf kam es ihm vor , als hörte er draußen mehrere Stimmen . Er horchte hinaus , aber alles war wieder still . Eine Unruhe bemächtigte sich seiner , er stand vom Fenster auf , untersuchte seine geladenen Taschenpistolen und legte seinen Reisesäbel auf den Tisch . In diesem Augenblicke ging auch die Tür auf , und mehrere wilde Männer traten herein . Sie blieben erschrocken stehen , da sie den Grafen wach fanden . Er erkannte sogleich die fürchterlichen Gesichter aus der Waldschenke und seinen Hauswirt , den langen Müller , mitten unter ihnen . Dieser faßte sich zuerst und drückte unversehens eine Pistol nach ihm ab . Die Kugel prellte neben seinem Kopfe an die Mauer . » Falsch gezielt , heimtückischer Hund « , schrie der Graf außer sich vor Zorn und schoß den Kerl durchs Hirn . Darauf ergriff er seinen Säbel , stürzte sich in den Haufen hinein und warf die Räuber , rechts und links mit in die Augen gedrücktem Hute um sich herumhauend , die Stiege hinunter . Mitten in dem Gemetzel glaubte er das schöne Müllermädchen wiederzusehen . Sie hatte selber ein Schwert in der Hand , mit dem sie sich hochherzig , den Grafen verteidigend , zwischen die Verräter warf . Unten an der Stiege endlich , da alles , was noch laufen konnte , Reißaus genommen hatte , sank er , von vielen Wunden und Blutverluste ermattet , ohne Bewußtsein nieder . Drittes Kapitel Als Friedrich wieder das erstemal die Augen aufschlug und mit gesunden Sinnen in der Welt umherschauen konnte , erblickte er sich in einem unbekannten , schönen und reichen Zimmer . Die Morgensonne schien auf die seidenen Vorhänge seines Bettes ; sein Kopf war verbunden . Zu den Füßen des Bettes knieete ein schöner Knabe , der den Kopf auf beide Arme an das Bett gelehnt hatte , und schlief . Friedrich wußte sich in diese Verwandlungen nicht zu finden . Er sann nach , was mit ihm vorgegangen war . Aber nur die fürchterliche Nacht in der Waldmühle mit ihren Mordgesichtern stand lebhaft vor ihm , alles übrige schien wie ein schwerer Traum . Verschiedene fremde Gestalten aus dieser letzten Zeit waren ihm wohl dunkel erinnerlich , aber er konnte keine unterscheiden . Nur eine einzige ungewisse Vorstellung blieb ihm lieblich getreu . Es war ihm nämlich immer vorgekommen , als hätte sich ein wunderschönes Engelsbild über ihn geneigt , so daß ihn die langen , reichen Locken rings umgaben , und die Worte , die es sprach , flogen wie Musik über ihn weg . Da er sich nun recht leicht und neugestärkt spürte , stieg er aus dem Bette und trat ans Fenster