mit seinen bunten Bildern . Allerlei lustige Erzählungen , Späße und Schwänke wechselten unter dem lauten Gelächter der Gäste , wobei die Flaschen fleißig geleert wurden , bis der Abend hereinbrach und die Wagen zur Heimfahrt bereitstanden . Sechzehn Jahre war ich alt geworden , als der Pfarrer erklärte , daß ich nun vorbereitet genug sei , die höheren theologischen Studien in dem Seminar der benachbarten Stadt zu beginnen : ich hatte mich nämlich ganz für den geistlichen Stand entschieden , und dies erfüllte meine Mutter mit der innigsten Freude , da sie hiedurch die geheimnisvollen Andeutungen des Pilgers , die in gewisser Art mit der merkwürdigen , mir unbekannten Vision meines Vaters in Verbindung stehen sollten , erklärt und erfüllt sah . Durch meinen Entschluß glaubte sie erst die Seele meines Vaters entsühnt und von der Qual ewiger Verdammnis errettet . Auch die Fürstin , die ich jetzt nur im Sprachzimmer sehen konnte , billigte höchlich mein Vorhaben und wiederholte ihr Versprechen , mich bis zur Erlangung einer geistlichen Würde mit allem Nötigen zu unterstützen . Unerachtet die Stadt so nahe lag , daß man von dem Kloster aus die Türme sehen konnte , und nur irgend rüstige Fußgänger von dort her die heitre , anmutige Gegend des Klosters zu ihren Spaziergängen wählten , so wurde mir doch der Abschied von meiner guten Mutter , von der herrlichen Frau , die ich so tief im Gemüte verehrte , sowie von meinem guten Lehrer recht schwer . Es ist ja auch gewiß , daß dem Schmerz der Trennung jede Spanne außerhalb dem Kreise der Lieben der weitesten Entfernung gleich dünkt ! - Die Fürstin war auf besondere Weise bewegt , ihre Stimme zitterte vor Wehmut , als sie noch salbungsvolle Worte der Ermahnung sprach . Sie schenkte mir einen zierlichen Rosenkranz und ein kleines Gebetbuch mit sauber illuminierten Bildern . Dann gab sie mir noch ein Empfehlungsschreiben an den Prior des Kapuzinerklosters in der Stadt , den sie mir empfahl gleich aufzusuchen , da er mir in allem mit Rat und Tat eifrigst beistehen werde . Gewiß gibt es nicht so leicht eine anmutigere Gegend , als diejenige ist , in welcher das Kapuzinerkloster dicht vor der Stadt liegt . Der herrliche Klostergarten mit der Aussicht in die Gebirge hinein schien mir jedesmal , wenn ich in den langen Alleen wandelte und bald bei dieser , bald bei jener üppigen Baumgruppe stehen blieb , in neuer Schönheit zu erglänzen . - Gerade in diesem Garten traf ich den Prior Leonardus , als ich zum erstenmal das Kloster besuchte , um mein Empfehlungsschreiben von der Äbtissin abzugeben . - Die dem Prior eigne Freundlichkeit wurde noch erhöht , als er den Brief las , und er wußte so viel Anziehendes von der herrlichen Frau , die er schon in frühen Jahren in Rom kennen gelernt , zu sagen , daß er schon dadurch im ersten Augenblick mich ganz an sich zog . Er war von den Brüdern umgeben , und man durchblickte bald das ganze Verhältnis des Priors mit den Mönchen , die ganze klösterliche Einrichtung und Lebensweise : die Ruhe und Heiterkeit des Geistes , welche sich in dem Äußerlichen des Priors deutlich aussprach , verbreitete sich über alle Brüder . Man sah nirgends eine Spur des Mißmuts oder jener feindlichen , ins Innere zehrenden Verschlossenheit , die man sonst wohl auf den Gesichtern der Mönche wahrnimmt . Unerachtet der strengen Ordensregel waren die Andachtsübungen dem Prior Leonardus mehr Bedürfnis des dem Himmlischen zugewandten Geistes , als asketische Buße für die der menschlichen Natur anklebende Sünde , und er wußte diesen Sinn der Andacht so in den Brüdern zu entzünden , daß sich über alles , was sie tun mußten , um der Regel zu genügen , eine Heiterkeit und Gemütlichkeit ergoß , die in der Tat ein höheres Sein in der irdischen Beengtheit erzeugte . - Selbst eine gewisse schickliche Verbindung mit der Welt wußte der Prior Leonardus herzustellen , die für die Brüder nicht anders als heilsam sein konnte . Reichliche Spenden , die von allen Seiten dem allgemein hochgeachteten Kloster dargebracht wurden , machten es möglich , an gewissen Tagen die Freunde und Beschützer des Klosters in dem Refektorium zu bewirten . Dann wurde in der Mitte des Speisesaals eine lange Tafel gedeckt , an deren oberem Ende der Prior Leonardus bei den Gästen saß . Die Brüder blieben an der schmalen , der Wand entlang stehenden Tafel und bedienten sich ihres einfachen Geschirres , der Regel gemäß , während an der Gasttafel alles sauber und zierlich mit Porzellan und Glas besetzt war . Der Koch des Klosters wußte vorzüglich auf eine leckere Art Fastenspeisen zuzubereiten , die den Gästen gar wohl schmeckten . Die Gäste sorgten für den Wein , und so waren die Mahle im Kapuzinerkloster ein freundliches , gemütliches Zusammentreten des Profanen mit dem Geistlichen , welches in wechselseitiger Rückwirkung für das Leben nicht ohne Nutzen sein konnte . Denn indem die im weltlichen Treiben Befangenen hinaustraten und eingingen in die Mauern , wo alles das ihrem Tun schnurstracks entgegengesetzte Leben der Geistlichen verkündet , mußten sie , von manchem Funken , der in ihre Seele fiel , aufgeregt , eingestehen , daß auch wohl auf andere Wege , als auf dem , den sie eingeschlagen , Ruhe und Glück zu finden sei , ja , daß vielleicht der Geist , je mehr er sich über das Irdische erhebe , dem Menschen schon hienieden ein höheres Sein bereiten könne . Dagegen gewannen die Mönche an Lebensumsicht und Weisheit , da die Kunde , welche sie von dem Tun und Treiben der bunten Welt außerhalb ihrer Mauern erhielten , in ihnen Betrachtungen mancherlei Art erweckte . Ohne dem Irdischen einen falschen Wert zu verleihen , mußten sie in der verschiedenen , aus dem Innern bestimmten Lebensweise der Menschen die Notwendigkeit einer solchen Strahlenbrechung des geistigen Prinzips , ohne welche alles farb- und glanzlos geblieben wäre , anerkennen . Über alle hocherhaben rücksichts der geistigen und