was sie anfangen solle . Die Frau Base sagte : daß ich die Aufwartung nicht wohl übernehmen könne , es der Herr Vetter auch nicht leiden werde , denn er sey ein wenig eigen ; daß ich aber jeden Tag , wenn der junge Herr ausgegangen sey , kommen solle , das Zimmer zu reinigen ; denn sie habe mich schon zugelehrt , und ich wisse mit feinen kostbaren Möbeln recht gut umzugehen ; daß die Frau Präsidentin aber mit dem Herrn Vetter ja nicht von Geld und dergleichen sprechen solle ; sonst werde er es nicht leiden . Auch der junge Herr dürfe nichts davon wissen ; sonst könne es gleich ein böses Gerede geben . Die Frau Präsidentin freute sich gar sehr darüber und streichelte mich , und nannte mich ihr liebes Kind . Der Herr Vetter hatte auch nichts dagegen ; sagte aber : ich müsse ihr erst schreiben , habe nicht nöthig , den Leuten dienstbar zu werden ; da es aber die Frau Präsidentin sey , möchte ich ihr nicht verhehlen , daß er es gern sähe ; doch wolle er nichts gesagt haben , sobald sie nicht ihren vollen Willen darein gäbe . Und so bitte ich sie denn , herzliebste Mutter , leide sie es doch ! und gebe sie dem Boten nur mündliche Antwort , damit sie durch das Schreiben nicht zu lange aufgehalten werde . Nun , ich befehle sie dem lieben Gott , herzliebste Mutter . Gretchen an ihre Mutter . Ich danke ihr tausendmal , herzliebste Mutter ! und ich habe auch dem Boten das schöne Silberstück von der Frau Pathe geschenkt . Ich weiß gewiß , daß sie nicht bös werden wird ; denn ich habe ja oft gesehen , daß sie auch in der Freude so etwas weggeschenkt hat . Sey sie nur ruhig , herzliebste Mutter ! Sie soll gewiß Freude an mir erleben . Alle Leute , die mich kennen lernen , haben mich gleich über die Maassen lieb , und da gebe ich mir immer mehr Mühe , daß ich Alles recht schön und ordentlich mache . Ich habe auch der Frau Base an den Hemden geholfen , und zuletzt hat sie gesagt , ich könne sie nur ganz allein machen , denn so gute Augen habe sie doch nicht mehr . Nun muß ich ihr aber etwas gestehen , herzliebste Mutter , wovon ich nicht weiß , ob es Recht ist . Sie kennt ja das schöne Liederbuch , was mir der Herr Pfarrer geschenkt hat . Da hab ' ich nun , als die Hemden ganz fertig waren , und sie die Frau Base nicht mehr in die Hände bekam , des Nachts allerhand schöne Verse aus dem Buche hineingenäht . Immer einen ganzen Vers um den Hals , und einen um die beiden Aermel , auf jedem die Hälfte ; und vorn auf der Brust , weiß sie ja , macht man immer so ein doppeltes Herzchen von Leinwand , daß es nicht einreissen soll ; das hab ' ich aber viel grösser gemacht , denn es hält besser , und ich hätte auch sonst nicht die grosse Krone aus meinem Zeichentuche darüber nähen können , denn es sind gar zu viel Zierrathen daran ; so aber sieht es sehr schön aus , und da der junge Herr eine Gemüthskrankheit hat , so kann der liebe Gott es wohl einmal fügen , daß er die schönen Verse bemerkt , und daß sie ihn trösten , wenn er am allerbetrübtesten ist . Ach liebste Mutter , ich glaube gewiß nicht , daß sie bös darüber wird . Es betrübt mich nur , daß ich es der Frau Base noch nicht gesagt habe , denn ich schäme mich jetzt , daß ich es heimlich gemacht . Meint sie aber , daß es Unrecht ist , wenn ich es länger verschweige , so will ich es sagen . Nun , ich befehle sie dem lieben Gott , herzliebste Mutter , und lasse sie mich doch bald ihre Meinung wissen . Stephani an seine Verwandten . Sie vermeidet mich . O mein Gott ! bin ich ihr Feind ? - Wenn es möglich wäre , daß sie mich verkenne , meine wahrhafte Liebe nicht begriffe , wäre sie dann noch meiner würdig ? - Fort ! der Gedanke vergiftet mich ! Sie , die Grausamen , die sich weiden an meiner Marter , haben ihn mir gegeben . Liebe verschloß mir den Mund , Liebe soll mir ihn öffnen . Schmerz werd ' ich hervorbringen . O mein Innerstes selbst wird er durchdringen . Am Ende ist es wohl Feigheit und Eigensucht , daß ich noch zaudere . - Dieser Vorstellung bedurft ' es , um mich unwiderruflich zu bestimmen . Es war des Fürsten Geburtstag , und sie feierte ihren glänzendsten Sieg . Der Beifall wurde ein anhaltendes Jauchzen . Aber sie war tödtlich ermüdet und klagte über Schmerzen in der Brust . Ich trug sie in ihr Zimmer . Meine Hände zitterten , und das laute Schlagen meines Herzens versetzte mir den Athem . Wie dein Herz schlägt - sagte sie . O ! - rief ich , mit halb erstickter Stimme - so trage ich dich bald , wenn das deine aufhört zu schlagen . So bald noch wohl nicht - antwortete sie mit erzwungenem Lächeln - doch was seyn muß , muß seyn . Meiner gedenkst du nicht dabei ! Hältst du mich für unsterblich ? Ist das eine Antwort auf meine Klage ? Du klagst das allgemeine Loos der Menschheit . O nein ! - rief ich ausser mir - Ich klage , daß du der Ruhe deines Herzens , deiner Jugend und Schönheit das Grab gräbst . Schön und jung zu sterben , wahrlich ein neidenswerthes Loos ! Meiner gedenkst du nicht ? - rief ich abermals - Erwiedere mir nichts ! Ruhe und schweige ! Was du hörtest , erpreßte mir der Schmerz . Bald , ein andermal