doch , sie täten mehr für uns als unsre Lehnsverwandten . « - » Hör Dolores « , erwiderte Klelia , » da habe ich neulich eine Geschichte in dem alten Buche von Hugh Schapler gefunden , das du immer wegen der alten Sprache nicht leiden mochtest ; ich habe mich ganz hinein gelesen und verstehe jetzt fast alles in den alten Büchern , die muß ich dir doch wieder erzählen ; es ist doch immer auf eigene Art gewesen , wie adlige Menschen der Not begegnet sind , und wir beweisen ' s auch wieder . « - » Aber sieh einmal den hübschen Bauerburschen mit der roten Weste « , unterbrach sie Dolores , » sieht der nicht unserm Erbprinzen ähnlich ; hör Klelia , das sage ich dir , wenn ich denke , daß ich immerdar in so bäurischer , gemeiner Beschäftigung mein Leben zubringen sollte , wahrhaftig ich möchte lieber solch einen Burschen zum Manne haben , als gar keinen . « - » Schäme dich « , sagte Klelia , » auch im Scherze muß man nicht so reden ; ich hätte nichts dagegen , wenn du dich in einen armen Jüngling , den du zufällig kennen lerntest , verliebt hättest ; ich würde dich bedauern , aber nicht verdammen , wenn du dieser Leidenschaft die alte Sitte und Ehre unsres Hauses durch eine Mißheirat aufopfertest , aber so im allgemeinen von den Männern , vom Heiraten reden , das geziemt keinem ehrlichen Mädchen . « - » Ei « , sagte Dolores , und sang lustig : » Will ich mit schönen Knaben reden , Die neigen sich in Demut gleich , Und merken nicht , wie gern ich jedem Den roten Mund zum Kusse reich ; Ach dacht ich oft bei mir so schwer , Ach wenn ich nur nicht Gräfin wär ! Wo hast du denn wieder diese Weisheit gelesen , du wirst dich noch überstudieren ; erzähle nur die alte Geschichte , ich hoffe , sie wird unterhaltender sein . « - Wir müssen ihr kürzlich nacherzählen , teils weil die Geschichte uns erlustigt , teils weil sie zu den beiden Pflegetöchtern in naher Beziehung steht . Viertes Kapitel Hugh Schapler und sein Vetter Simon Herr Gernier Schapler ( Capet ) , von Geblüt und Stamm ein edler rittermäßiger Mann , hatte sich nicht geschämt die Tochter eines reichen Metzgers zu Paris , eine fromme , tugendsame und überschöne Jungfrau zu einer ehelichen Gemahlin zu nehmen . Gott , der ihn reichlich mit Geld und Gut versehen , hat ihm auch einen jungen Sohn mit dieser seiner Gemahlin beschert , an den er beider Kräfte so wunderbar gewendet , ein Kind von außerordentlicher Stärke und adliger Gesinnung hervor zu bringen . Der Vater starb , noch ehe dieser Sohn geboren , die Mutter aber in der Geburt . Die Verwandten ließen ihn Hugh ( Hugo ) taufen , er wuchs in allen ritterlichen Tugenden auf , es war kein Turnier im Lande , wo er nicht Ehre eingelegt hätte , doch weil er ohne elterliche Zucht geblieben war , so schöpfte er mit dem großen Löffel auf , und weil er viel vertragen konnte , so verschlemmte er viel . Seine Wirte , Schuster , Schneider , Harnischer , Sporer versahen es sich am wenigsten , als Hugh gar nichts mehr im Vermögen hatte , sie schlossen immer noch falsch , wer so viel vertäte , müsse so viel übrig haben , wie noch jetzt häufig der Fall ist . DOLORES : » Auch bei unserm Vater , - es ist doch unrecht , daß er gar nicht für uns gesorgt hat , warum hat er uns in die Welt gesetzt . « ... Als nun diese Schuldleute kamen , saß Hugo in großem Unmute einige Tage bei sich verschlossen und aß Arme Ritter statt der reichen Braten , bis ihm endlich einfiel zu seinem Vetter Simon nach Paris zu reiten , der ein reicher Metzger daselbst und seiner Mutter nächster Blutsverwandter war . Also machte sich Hugh eines Morgens heimlich auf , ritt nach Paris und da er vor seines Vetters Haus kam , das mit roten ausgeschnitzten und aufgeblasenen Braten , wie mit einer köstlichen Tapete behangen war , da wurde er bald erkannt und ihm die Türe geöffnet . Hugh aber wollte nicht also hineinreiten , sondern stieg ab von seinem Pferde , zog seinen Hut ab und grüßte seinen Vetter ganz demütiglich , welcher ihn mit gleicher Demut bewillkommte und sprach : » Lieber Herr und Vetter , wie soll ich das verstehen , daß Ihr Euch gegen mich so demütig erzeiget , hab ich Euch doch all mein Tage nie so schlecht gerüstet gesehen ; so hat auch Euer Vater Herr Gernier Euch solchem geringen Stande nie zugeführt ; Ihr wißt wohl , wie er oft mit zwölf gerüsteten Pferden in meinem Hause zu Herberge gelegen , er hatte auch stets die auserlesensten Knechte aus ganz Frankreich , deshalb ich mich über Euch entsetze und besorge , es gehe Euch nicht nach Eurem Sinne . Darum so kommt in mein Haus , Euer Pferd soll wohl versorgt werden , habt Ihr dann ein heimlich Anliegen , dadurch Ihr so betrübt seid , wollet mir solches nicht verhalten ; kann ich Euch dann mit Leib und Gut behülflich sein , so sollt Ihr an mir keinen Zweifel haben , ich will mich hierin nicht sparen , noch verdrossen sein . « - DOLORES : » Ja wenn unsre Vettern so gedacht hätten , und das war doch nur ein gemeiner Mann ; ach Schwester , wenn wir doch den Stadtschlächter zu unserm Blutsverwandten hätten . « ... Auf dieses freundliche Erbieten ging Hugh mit seinem Vetter Simon in sein Haus ; sein Pferd wurde abgezäumt , er zog seinen Harnisch und Rüstung ab . Indem ließ sein Vetter Simon ein herrlich Nachtmahl auftragen , frische Würste in der Suppe , Rindermark auf geröstetem Brot , Rippenstücke mit