hüpfen ließ . Eusebio blickte lächelnd auf mich hin , während ein finsterer Mönch hereintrat , mir mein liebes kleines Spiel entriß und es unter Flüchen und Verwünschungen gegen die gottlose Entweihung eines Heiligen in die Flammen warf . Eusebio bekam einen harten Verweis und wir trauerten beide über die gestörte Lust . So mochten wohl zehn Jahre verflossen seyn , als ich einst in der Nacht von einem leisen Geräusch erwachte . Ich blickte um mich , und sah beim schwachen Schein einer Lampe , wie Eusebio sorgsam ein Kästchen unter seinem Lager hervorzog , es eröffnete , und einen reichgestickten Mantel mit goldenem Ordenskreutz daraus hervorzog . Er breitete ihn vor sich hin , blieb gedankenvoll stehen , und küßte dann ehrerbietig den Saum des Gewandes . Ich hatte mich während dem genahet , und rief voll Entzücken : Vater , was hast du da für herrliche Sachen ! Der Alte ließ erschrocken die Arme sinken und sagte mit wehmüthigem Tone : Kind , das sollte Dir ewig ein Geheimniß bleiben ! Mußt Du so voreilig in das bunte Gewebe deines Schicksals eingreifen ! Begierig nahm ich indeß den Mantel von der Erde , hüllte mich hinein , und trat so in höchster Lust vor Eusebio hin , der von dem Anblick überwältigt , mich in seine Arme schloß , und weinend ausrief : Ist mir doch , als sehe ich deinen unglücklichen Vater , als er das letzte mal vor der Welt und seinem König erschien . Ihn deckt die kalte Erde , während Du mit den Trümmern seiner Herrlichkeit spielst . War es doch immer mein Wunsch , Dich so geschmückt zu sehen ! und , fuhr er fort , indem er mir die Hand auf die Stirn legte , ich ahnde es , diese Flammen werden ihrer weltklugen Weisheit spotten , was vermag der allmächtige Geist des Menschen nicht ! Er sank bei diesen Worten erschöpft auf sein Lager . Ich kniete neben ihn , und um ihn zu erheitern , wie ich es sonst wohl that , nahm ich die Laute , die vor ihm auf einem Tischchen lag , und griff leise in die Saiten . Von dem Klange wie begeistert richtete er sich in die Höhe , nahm mir das Instrument aus der Hand , spielte und sang folgendes Lied , das mir wie mit Flammenzügen eingegraben blieb . Vergebens hab ich hier gerungen , Vergebens war der eitle Wahn , Es könne Leib und Geist durchdrungen Auf Erden gleiche Lust empfah ' n. Ich fühlte Herz von Herz sich reißen , Und Angst und Schmerz in wunder Brust Wollt ' ich dem Tod zu leben heißen , Und kämpft ' und rang in trüber Lust . Ich seh ' dich , farb ' ge Pracht , erblassen , Es naht sich bleich und kalt der Tod . Ach süßes Kind , dich muß ich lassen , Mich ruft ein göttlich ernst Gebot . So rauscht denn einmal noch ihr Saiten , Ihr dringt aus einer frischen Welt ; Der leise Hauch soll euch begleiten , Der mich noch hier gefangen hält . Die letzten Worte zerrannen fast auf seinen Lippen , und flossen so mit dem Klange zusammen , der immer leiser verhallte , bis die Laute den starren Händen entsank . Auf mein Angstgeschrei eilten die erschrockenen Mönche herzu . Es währte lange , ehe sie mir begreiflich machen konnten , daß Eusebio todt und für mich verloren sey . Von dem Augenblick ward ich so kalt und verschlossen , wie die geliebte Leiche , die man mit Gewalt aus meinen Armen riß . Jener furchtbare Wechsel von Lust und Schmerz schien alle Lebenskraft in mir aufgezehrt zu haben . Der natürliche Trotz in meinem Gemüth lehnte sich gegen die ganze mir bekannte Welt auf , ich haßte alles , was sich mir nahete , da ich unter den erloschenen abgezehrten Gesichtern nicht eins fand , das meinem Eusebio glich , und Niemand als er mich je geliebt hatte . Jede andre Erinnerung ward in das Grab meiner höchsten Freude versenkt , und erst sehr lange nachher unter freudigern Umgebungen gedachte ich des Mantels und jener bedeutenden Worte , die mich zuerst über die Klostermauern hinaushoben . Als ich von Eusebio ' s Begräbniß zurückkam , ward ich in eine fremde Zelle unter die Aufsicht eines jungen Mönches gebracht , der in eigenen Schmerz versenkt , wenig auf mich achtete . Ich fühle noch heute die entsetzliche Angst , die mich in dem Augenblick überfiel , da man mich vor meinem alten , geliebten Zimmer vorbei in dies neue führte . Mit innerer Wuth schloß ich die Augen , um nichts zu sehen , was mich so kalt und fremd abstieß . Auch lernte ich nie meinen neuen Aufseher lieben , vor dessen achtlosen Blicken ich dennoch thun konnte was ich wollte . Überall bekümmerte sich Niemand sonderlich um mich , man schien hinreichende Sicherheit in meinem dumpfen trägen Sinn gefunden zu haben . So kam es denn , daß man mich , als einst Feuer im Kloster ausbrach , mit anderem Geräth in den Garten schleppte , und dort allein ließ . Ich war weder erschrocken noch erfreut . Nur fuhr es einmal wie ein Blitz in mir auf : wenn die Flammen das häßliche Gebäude verzehrten , so müsse man mich wohl frei lassen , und ich könne dann hingehen , wohin ich wolle . Doch war das auch kein bleibender Wunsch , ich kannte ja nichts , wonach ich mich hätte sehnen können . So ging ich gleichgültig auf und ab , bis ich eine kleine Pforte , die nach einem See hinaus führte , und durch welche man wohl in der allgemeinen Noth Wasser herbeigeschafft hatte , offen fand . Ich trat hinaus , ohne etwas Bestimmtes zu wollen , und ging Anfangs den schmalen Fußsteig , der den See hinauf führte , ganz langsam fort . Doch je weiter ich ging , desto freier hob