sagte es wenigstens das Gerücht und die Klosterherren ; denn den Leichnam selbst hatte kein Profaner gesehen , weil er , der warmen Jahrszeit wegen , schnell beigesetzt werden mußte . Die Geschichte ging mir während meiner Nachtwache sehr im Kopfe herum , denn ich hatte bis jezt nur an einen poetischen Teufel geglaubt , keinesweges aber an den wirklichen . Was den poetischen anbetrifft , so ist es gewiß sehr schade , daß man ihn jezt so äußerst vernachlässiget , und statt eines absolut bösen Prinzips , lieber die tugendhaften Bösewichter , in Ifland- und Kotzebuescher Manier , vorzieht , in denen der Teufel vermenschlicht , und der Mensch verteufelt erscheint . In einem schwankenden Zeitalter scheut man alles Absolute und Selbstständige ; deshalb mögen wir denn auch weder ächten Spaß , noch ächten Ernst , weder ächte Tugend noch ächte Bosheit mehr leiden . Der Zeitkarakter ist zusammengeflikt und gestoppelt wie eine Narrenjacke , und was das Ärgste dabei ist - der Narr , der darin stekt , mögte ernsthaft scheinen . - Als ich diese Betrachtungen anstellte , hatte ich mich in eine Nische vor einen steinernen Crispinus gestellt , der eben einen solchen grauen Mantel trug , als ich . Da bewegten sich plözlich eine weibliche und eine männliche Gestalt dicht vor mir und lehnten sich fast an mich , weil sie mich für den Blind- und Taubstummen von Stein hielten . Der Mann ließ es sich recht angelegen sein im rhetorischen Bombast , und sprach in einem Athem von Liebe und Treue ; das Frauenbild dagegen zweifelte gläubig , und machte viel künstlichen Händeringens . Jezt berief sich der Mann keklich auf mich , und schwur er stehe unwandelbar und unbeweglich wie das Standbild . Da wachte der Satyr in mir auf , und als jener die Hand gleichsam zur Betheuerung auf meinen Mantel legte , schüttelte ich mich boshaft ein wenig , worüber beide erstaunten ; doch der Liebhaber nahms auf die leichte Achsel , und meinte der Quader unter dem Standbilde habe sich gesenkt , wodurch es das Gleichgewicht in etwas verlohren . Er verschwur jezt nacheinander in zehn Karaktern aus den neuesten Dramen und Tragödien seine Seele , wenn er jemals treulos ; zulezt redete er gar noch in der Manier des Don Juan , dem er diesen Abend beigewohnt hatte , und schloß mit den bedeutenden Worten : » dieser Stein soll als furchtbarer Gast erscheinen bei unserm nächtlichen Mahle , meine ich ' s nicht redlich . « Ich merkte mir ' s und hörte nun noch wie sie ihm das Haus beschrieb , und eine geheime Feder an der Thür , wodurch er diese öffnen könne , zugleich auch die Mitternachtstunde zum Gastmale festsezte . Ich war eine halbe Stunde früher auf dem Plaze , fand das Haus , die Thür , nebst der geheimen Feder , und schlich leise mehrere Hintertreppen hinauf bis zu einem Saale , auf dem es dämmerte . Das Licht fiel durch zwei Glasthüren ; ich nahete mich der einen , und erblickte ein Wesen in einem Schlafrocke am Arbeitstische , von dem ich anfangs zweifelhaft blieb , ob es ein Mensch oder eine mechanische Figur sey , so sehr war alles Menschliche an ihm verwischt , und nur bloß der Ausdruck von Arbeit geblieben . Das Wesen schrieb , in Aktenstöße vergraben , wie ein lebendig eingescharrter Lapländer . Es kam mir vor als wollte es das Treiben und Hausen unter der Erde schon im Voraus , über ihr , kosten , denn alles Leidenschaftliche und Theilnehmende war auf der kalten hölzernen Stirne ausgelöscht , und die Marionette saß , leblos aufgerichtet , in dem Aktensarge voll Bücherwürmer . Jezt wurde der unsichtbare Drath gezogen , da klapperten die Finger , ergriffen die Feder und unterzeichneten drei Papiere nach einander ; ich blickte schärfer hin - es waren Todesurtheile . Auf dem Tische lagen der Justinian und die Halsordnung , gleichsam die personifizirte Seele der Marionette . Tadeln konnte ich ' s nicht ; aber der kalte Gerechte kam mir vor wie die mechanische Todesmaschine , die willenlos niederfällt ; sein Arbeitstisch wie die Gerichtsstäte , auf der er in einer Minute mit drei Federzügen drei Todesurtheile vollstreckt hatte . Beim Himmel hätte ich die Wahl zwischen beiden , lieber wäre ich der lebende Sünder , als dieser todte Gerechte . Noch mehr ergriff es mich , als ich sein wohlgetroffenes in Wachs bossirtes Konterfei ihm unbeweglich gegenüber sitzen sah , als wäre es an einem leblosen Exemplare nicht genug , und eine Doublette nöthig , um die todte Seltenheit von zwei verschiedenen Seiten zu zeigen . Jezt trat die Dame von vorhin ein , und die Marionette zog die Mütze ab , und legte sie ängstlich erwartend bei sich hin . » Noch nicht schlafen gegangen ? « sagte jene , » was führen Sie für ein wildes Leben ! die Phantasie ewig angespannt ! « - » Phantasie ? « fragte er verwundert , » was meinen Sie damit ? Ich verstehe die neuen Terminologien so selten , in denen Sie jezt reden . « - » Weil Sie sich für nichts Höheres interessiren ; nicht einmal für das Tragische ! « - » Tragisch ? Ei allerdings ! « antwortete er selbstgefällig , » sehen Sie hier , ich lasse drei Delinquenten hinrichten ! « - » O weh , welche Sentiments ! « - » Wie ? Ich dachte Ihnen eine Freude damit zu machen , weil in den Büchern die Sie lesen , so viele ums Leben kommen . Deshalb habe ich auch , um Sie zu überraschen , die Hinrichtungen an Ihrem Geburtstage festgesezt ! « - » Mein Gott ! Meine Nerven ! « - » O weh , Sie bekommen den Zufall jezt so häufig , daß mir jedesmal bang im Voraus wird ! « » Ach ja , Sie können leider dabei nicht helfen . Gehen Sie nur , ich bitte , und legen