wahrhaft schöne Handlung , eine große Empfindung , die vor Jahrhunderten verübt oder gefühlt ward , und auf unser persönliches Wohl oder Weh keinen Einfluß hat , Thränen des reinsten Wohlgefallens in unser Auge lockt - dies Gefühl entstand mit der Menschheit , erhielt sich und dauert fort . Du siehst , mein Lieber , daß ich Deine Auffoderung , Dir viel , und viel von mir selbst zu schreiben , treulich in Erfüllung setze . Ich habe jetzt mehr als je über mich nachgedacht , und ich hoffe , dies soll nicht ohne Nutzen gewesen seyn . Ja , Barton , ich erwarte viel von mir selbst . In dieser jugendlichen Freudigkeit gedeihen gute Entschlüsse , und die Kräfte , die ich in mir fühle , sollen eine wohlthätige Erscheinung werden , und die Fackel der Thätigkeit auch in fremden Gemüthern anzünden . Das handelnde Leben , ohne welches die edelsten Gesinnungen unfruchtbar bleiben , und alle Kraft des Gedankens verschwindet , reizt mein Verlangen , und ich brenne vor Sehnsucht mein eignes Wesen , in Wort und That , wieder zu finden . Leb wohl , mein Freund , und laß mich bald von Dir hören . Dritter Brief Eduard an Barton Liegt es in meiner gegenwärtigen Stimmung , oder ist es ein besondrer Reiz dieser Gegend , was mir diese Stadt so angenehm macht , daß ich sie ungern verlassen würde , auch dann , wenn mir der nähere Umgang des vortrefflichen Mannes , dem ich empfohlen bin , nicht so viel wahren Vortheil gewährte , als er wirklich thut ? - Ich denke mir oft , hier sollte ich eigentlich gebohren sein , und lebhaft sehnte ich mich schon sonst in diese Gegend , gleichsam als wären Theile in mir , die hier erst ihr wahres Vaterland finden würden . Und so viel ist gewiß - bin ich gleich nicht unter dem Einfluß dieses schöneren südlichen Himmels gebohren , so wird doch vieles hier in mir erzeugt , was mir ein neues schöneres Daseyn gewährt . Ein unbeschreibliches glückliches Gefühl steht mit mir auf , winkt mir ins Freie , belebt mir jede Ansicht . Blühende Mandelbäume , schmeichelnde Lüfte , muntre Vögel , die in den zarten Schatten des sprossenden Gesträuchs frölich umher hüpfen , alles , alles erhebt mein Herz mit freudiger Ahnung . Viele Stunden , die nicht ernstere Beschäftigungen einnehmen , weihe ich der Musik . Die Mitternacht findet mich oft im Genuß dieser bezauberten Welt , und kaum bin ich des Morgens wach , so tragen mich die lockenden Töne bald wieder in ihr geheimnißvolles Vaterland hin . Vor einigen Wochen ist Nanette Sensy hier angekommen . Sie hatte meine Wohnung bald erfahren , und kam , anstatt mich zu sich rufen zu lassen , selbst zu mir . Wir waren seit mehrern Jahren getrennt , und unser Wiedersehen war so fröhlich , herzlich , so kindlich , als Du Dir nur denken magst . Erinnerungen an das väterliche Haus , an unsere Jugendspiele , und ein lustiges Verwundern über jede kleine Veränderung , die wir gegenseitig an uns bemerkten , erfüllten die ersten Stunden , und seitdem vergeht kein Tag , wo wir nicht , allein oder in Gesellschaft , zusammen sind . Ich finde sie sehr liebenswürdig , und es ist mir herzlich wohl bei ihr . Sie ist jetzt Witwe und ist , wo möglich , noch heitrer , muthwilliger , unbefangner geworden , als sie vor ihrer Verheirathung war . Es leben hier in der Nähe mehrere ihrer Verwandten , und da ihr die Gegend gefällt , so gedenkt sie lange hier zu bleiben . Gestern hatten wir ganz in der Frühe , noch mit einigen Andern , eine Wallfahrt nach einem ziemlich fern gelegenen Dorfe gethan , dessen Lage uns sehr romantisch beschrieben wurde , und es auch wirklich war . Nanette war sehr ermüdet , als wir zurückkamen und wollte die noch übrigen Stunden des Tages allein sein . Ich hingegen fühlte mich noch sehr munter , und da der Abend schön war , ließ ich mein Pferd satteln und suchte das Freie . Sehnsucht nach menschlichem Anblick lockte mich auf die Landstraße , wo ich in jeden Wagen , der mir begegnete , neugierig hinein sah und mich damit belustigte , aus dem Aussehen der Reisenden auf ihren Stand , Gewerbe , Charakter und Vorhaben zu schließen . In dem letzten , den ich sah - denn für die folgenden hatte ich kein Auge mehr - schlummerte in einer Ecke des Wagens eine unbeschreiblich schöne , weibliche Gestalt . Du weißt , wie mich Schönheit , wenn und wo ich sie auch finde , unwiderstehlich anzieht , - wie mußte sie in diesem Moment auf mich wirken , da sie mich so empfänglich gegen jeden Eindruck fand ! - Ich wandte um , der Wagen fuhr langsam , und ich hatte Zeit , sie ruhig zu betrachten . Der Schlaf goß eine liebliche Unbestimmtheit über die schönen Züge , in denen kein herrschender Ausdruck sichtbar war , und mich dünkt , ein wahrhaft schönes Gesicht dürfe auch nie einen andern Ausdruck haben , als den , einer reinen Harmonie , welchen es von der Natur empfängt . - Die schöne Schläferin erwachte endlich , und nun fielen meine Blicke auch auf ihre Begleitung , auf die ich zuvor gar nicht geachtet hatte . Es war ein bejahrter Mann , mit einem sehr bedeutenden Gesicht , welches wunderbar anziehend und zurückstoßend war . Ein leichter Gram schien um die Augen zu schweben , und flößte Theilnahme ein , doch ein kaltes verächtliches Lächeln bewachte den Mund und zerstörte schnell jenen Eindruck wieder . Die Stirne zeigte Hoheit und das Auge schien geübt , in fremden Seelen zu lesen . Ich sah bald daß meine Blicke ihm lästig waren , und fühlte selbst das Unschickliche derselben . Ich nahm nun einen andern Weg , und träumte noch viel über die beiden . Nie schienen mir zwei