und begüterten Weltalter eine tiefsinnige und romantische Zeit niedergelassen , die unter schlichtem Kleide eine höhere Gestalt verbirgt . Wer wandelt nicht gern im Zwielichte , wenn die Nacht am Lichte und das Licht an der Nacht in höhere Schatten und Farben zerbricht ; und also vertiefen wir uns willig in die Jahre , wo Heinrich lebte und jetzt neuen Begebenheiten mit vollem Herzen entgegenging . Er nahm Abschied von seinen Gespielen und seinem Lehrer , dem alten weisen Hofkaplan , der Heinrichs fruchtbare Anlagen kannte , und ihn mit gerührtem Herzen und einem stillen Gebete entließ . Die Landgräfin war seine Pathin ; er war oft auf der Wartburg bey ihr gewesen . Auch jetzt beurlaubte er sich bey seiner Beschützerin , die ihm gute Lehren und eine goldene Halskette verehrte , und mit freundlichen Äußerungen von ihm schied . In wehmüthiger Stimmung verließ Heinrich seinen Vater und seine Geburtsstadt . Es ward ihm jetzt erst deutlich , was Trennung sey ; die Vorstellungen von der Reise waren nicht von dem sonderbaren Gefühle begleitet gewesen , was er jetzt empfand , als zuerst seine bisherige Welt von ihm gerissen und er wie auf ein fremdes Ufer gespült ward . Unendlich ist die jugendliche Trauer bey dieser ersten Erfahrung der Vergänglichkeit der irdischen Dinge , die dem unerfahrnen Gemüth so nothwendig , und unentbehrlich , so fest verwachsen mit dem eigenthümlichsten Daseyn und so unveränderlich , wie dieses , vorkommen müssen . Eine erste Ankündigung des Todes , bleibt die erste Trennung unvergeßlich , und wird , nachdem sie lange wie ein nächtliches Gesicht den Menschen beängstigt hat , endlich bey abnehmender Freude an den Erscheinungen des Tages , und zunehmender Sehnsucht nach einer bleibenden sichern Welt , zu einem freundlichen Wegweiser und einer tröstenden Bekanntschaft . Die Nähe seiner Mutter tröstete den Jüngling sehr . Die alte Welt schien noch nicht ganz verlohren , und er umfaßte sie mit verdoppelter Innigkeit . Es war früh am Tage , als die Reisenden aus den Thoren von Eisenach fortritten , und die Dämmerung begünstigte Heinrichs gerührte Stimmung . Je heller es ward , desto bemerklicher wurden ihm die neuen unbekannten Gegenden ; und als auf einer Anhöhe die verlassene Landschaft von der aufgehenden Sonne auf einmal erleuchtet wurde , so fielen dem überraschten Jüngling alte Melodien seines Innern in den trüben Wechsel seiner Gedanken ein . Er sah sich an der Schwelle der Ferne , in die er oft vergebens von den nahen Bergen geschaut , und die er sich mit sonderbaren Farben ausgemahlt hatte . Er war im Begriff , sich in ihre blaue Flut zu tauchen . Die Wunderblume stand vor ihm , und er sah nach Thüringen , welches er jetzt hinter sich ließ mit der seltsamen Ahndung hinüber , als werde er nach langen Wanderungen von der Weltgegend her , nach welcher sie jetzt reisten , in sein Vaterland zurückkommen , und als reise er daher diesem eigentlich zu . Die Gesellschaft , die anfänglich aus ähnlichen Ursachen still gewesen war , fing nach gerade an aufzuwachen , und sich mit allerhand Gesprächen und Erzählungen die Zeit zu verkürzen . Heinrichs Mutter glaubte ihren Sohn aus den Träumereien reißen zu müssen , in denen sie ihn versunken sah , und fing an ihm von ihrem Vaterlande zu erzählen , von dem Hause ihres Vaters und dem frölichen Leben in Schwaben . Die Kaufleute stimmten mit ein , und bekräftigten die mütterlichen Erzählungen , rühmten die Gastfreyheit des alten Schwaning , und konnten nicht aufhören , die schönen Landsmänninnen ihrer Reisegefährtin zu preisen . Ihr thut wohl , sagten sie , daß ihr euren Sohn dorthin führt . Die Sitten eures Vaterlandes sind milder und gefälliger . Die Menschen wissen das Nützliche zu befördern , ohne das Angenehme zu verachten . Jedermann sucht seine Bedürfnisse auf eine gesellige und reitzende Art zu befriedigen . Der Kaufmann befindet sich wohl dabey , und wird geehrt . Die Künste und Handwerke vermehren und veredeln sich , den Fleißigen dünkt die Arbeit leichter , weil sie ihm zu mannichfachen Annehmlichkeiten verhilft , und er , indem er eine einförmige Mühe übernimmt , sicher ist , die bunten Früchte mannichfacher und belohnender Beschäftigungen dafür mitzugenießen . Geld , Thätigkeit und Waren erzeugen sich gegenseitig , und treiben sich in raschen Kreisen , und das Land und die Städte blühen auf . Je eifriger der Erwerbfleiß die Tage benutzt , desto ausschließlicher ist der Abend , den reitzenden Vergnügungen der schönen Künste und des geselligen Umgangs gewidmet . Das Gemüth sehnt sich nach Erholung und Abwechselung , und wo sollte es diese auf eine anständigere und reitzendere Art finden , als in der Beschäftigung mit den freyen Spielen und Erzeugnissen seiner edelsten Kraft , des bildenden Tiefsinns . Nirgends hört man so anmuthige Sänger , findet so herrliche Mahler , und nirgends sieht man auf den Tanzsälen leichtere Bewegungen und lieblichere Gestalten . Die Nachbarschaft von Wälschland zeigt sich in dem ungezwungenen Betragen und den einnehmenden Gesprächen . Euer Geschlecht darf die Gesellschaften schmücken , und ohne Furcht vor Nachrede mit holdseligem Bezeigen einen lebhaften Wetteifer , seine Aufmerksamkeit zu fesseln , erregen . Die rauhe Ernsthaftigkeit und die wilde Ausgelassenheit der Männer macht einer milden Lebendigkeit und sanfter bescheidner Freude Platz , und die Liebe wird in tausendfachen Gestalten der leitende Geist der glücklichen Gesellschaften . Weit entfernt , daß Ausschweifungen und unziemende Grundsätze dadurch sollten herbeygelockt werden , scheint es , als flöhen die bösen Geister die Nähe der Anmuth , und gewiß sind in ganz Deutschland keine unbescholtenere Mädchen und keine treuere Frauen , als in Schwaben . Ja junger Freund , in der klaren warmen Luft des südlichen Deutschlands werdet ihr eure ernste Schüchternheit wohl ablegen ; die frölichen Mädchen werden euch wohl geschmeidig und gesprächig machen . Schon euer Name , als Fremder , und eure nahe Verwandtschaft mit dem alten Schwaning , der die Freude jeder frölichen Gesellschaft ist , werden die reitzenden Augen der Mädchen auf