Burgwarte « nach Berlin und schickte Triumphartikel nach Heilsberg . Jeden Morgen beim Kaffee hatten die Heilsberger ihren großen Moment , da kam die » Burgwarte « , und da lasen sie es schwarz auf weiß , daß » ihr Notar « jetzt in Berlin der Mann des Tages war . Die historische Stadt war denn auch vollständig auf der Höhe der Situation . Die Damen veranstalteten Kaffeekränzchen , wo der besagte Notar , an dem sie früher , seiner Ungeselligkeit wegen , kein gutes Haar gelassen hatten , als Sankt Georg gefeiert wurde . Die Herren hielten Extrasitzungen im historischen Verein , wo der Bürgermeister als Vizepräsident den abwesenden Präsidenten vertrat , und am besten befand sich dabei der Goldene Löwe , das Vereinslokal , denn in der allgemeinen Begeisterung fühlte man fortwährend das Bedürfnis , Toaste auszubringen und Gesundheiten zu trinken . Frau von Maiendorf hatte es aus dem schon erwähnten Grunde abgelehnt , die Gastfreundschaft ihrer Verwandten auch für diesmal anzunehmen , sie war im Hotel abgestiegen , während Hartmut bei seinem Freunde wohnte . Er hatte den ganzen Vormittag bei seiner Braut zugebracht und kam eben nach Hause , wo er Herrn Notar Treumann vorfand . Dieser fühlte wieder einmal die dringende Notwendigkeit , sich auszusprechen , und packte deshalb schleunigst den Major und begann die gestrige Rede seines Neffen zu erörtern , so ausführlich und unermüdlich , daß Arnold , der ja auch dabei gewesen war , endlich die Geduld verlor . » Nun ja , es war ein großer Erfolg , aber das alles sind doch im Grunde nur Vorpostengefechte , die eigentliche Schlacht soll erst in der nächsten Woche stattfinden . Am Montag beginnen die Verhandlungen , haben Sie sich denn schon einen Platz auf der Tribüne gesichert ? Der Andrang wird sehr groß werden . « » Auf der Tribüne ? « wiederholte Treumann mit überlegener Miene . » Ja , dort sitzen die Zuhörer , dort sitzen Sie , Herr Major – mein Platz ist natürlich bei der Presse . « » Was der Tausend ! Hat man der › Burgwarte ‹ das zugestanden ? « rief Hartmut lachend . » Man hat schon Mühe und Not , die Vertreter der großen Blätter unterzubringen . « » Ich habe es auch erst durchsetzen müssen ! « erklärte der Notar . » Man war anfangs sehr wenig entgegenkommend , einer von den Herren wurde sogar ausfallend . Er fragte sehr von oben herab : Heilsberg ? Was ist das für ein Ding ? Und Burgwarte ? Das klingt ja ganz mittelalterlich – bedaure sehr ! Aber ich bin die Antwort nicht schuldig geblieben . Meine Herren – habe ich gesagt – Heilsberg ist eine historische Stadt , Heilsberg ist die Heimat und der Wohnort eines gewissen Ernst Raimar , dessen Name Ihnen vielleicht nicht ganz unbekannt ist , und ich bin sein Onkel ! Ich hoffe , Sie werden meinem Neffen die Rücksicht erweisen und dem Organ seiner Vaterstadt , vertreten durch seinen nächsten Anverwandten , einen Platz gewähren . « » Eine ausgezeichnete Rede ! « sagte der Major anerkennend , » Das mit der Vaterstadt stimmt zwar nicht , denn Ernst ist Berliner , aber das macht nichts , wenn es nur hilft . « » Natürlich half es ! « triumphierte der alte Herr . » Man wurde ungemein höflich und verbindlich , man sagte mir sofort den gewünschten Platz zu , und gleich an Ort und Stelle hatte ich noch ein Interview . « Hartmut schüttelte etwas bedenklich den Kopf . » Herr Notar , Sie lassen sich aber jetzt von aller Welt interviewen . Sie wissen , Ernst liebt das gar nicht , er selbst ist sehr zurückhaltend , er steht niemand Rede , und Sie lassen sich von dem ersten besten ausfragen ! « » Von dem ersten besten ? Oho ! Es war der Berichterstatter der › Times ‹ ! « » Nun , dann hätte er Ernst selbst fragen können . « » Das hat er ja versucht , aber Ernst war völlig unzugänglich wie immer , und nun hörte er die Verhandlung wegen des Platzes und stellte sich mir vor als Vertreter des Weltblattes . Er bat sehr artig um einige persönliche Notizen , die er seinem Berichte beizufügen wünsche . Mit Vergnügen , Herr Kollege – sagte ich – mit dem allergrößten Vergnügen ! Ernst Raimar ist , wie schon erwähnt , mein Neffe , ich habe ihn aus der Taufe gehoben , ich kenne ihn von Kindesbeinen an . Sie finden in mir die allerbeste Quelle . Heute morgen habe ich nach Heilsberg telegraphiert : Interview des Berichterstatters der › Burgwarte ‹ durch den Berichterstatter der › Times ‹ ! Ich werde unserem Organ das ganze Interview mitteilen ! « Das Entzücken des alten Herrn über seine Wichtigkeit als Onkel seines Neffen war so naiv und harmlos , daß der Major es nicht über das Herz brachte , ihn auszulachen , er bemerkte nur : » Herr Notar , Ihr Enthusiasmus für Ernst wird nachgerade beängstigend . Ihr Liebling , der Maxl , wird das übelnehmen , er ist ja doch das patentierte Genie in der Familie . Wo treibt er sich denn eigentlich herum ? Bei uns ist er erst ein einziges Mal aufgetaucht , und da brauchte er Geld . Sonst glänzt er durch Abwesenheit , was wir mit Fassung ertragen . « In dem Gesicht Treumanns zeigte sich eine gewisse Verlegenheit , er zögerte mit der Antwort . » Das geschieht Ihretwegen , « gestand er endlich , » Maxl sagt , Sie hätten ihn beleidigt , und seine Selbstachtung verbiete ihm , die Schwelle zu überschreiten , wo Sie weilen . « » Nun , das Geld hat er sich doch geholt von der besagten Schwelle , « spottete Hartmut , » das gilt vermutlich als Ausnahme . Was übrigens die Selbstachtung des Maxl betrifft , so heißt die , ins Deutsche übersetzt : Neid ! Ganz