– keine Vorwürfe ! Ich will es nicht . Leb ’ wohl , Gabriele ! “ „ Jetzt fange ich aber wirklich an , die Geduld zu verlieren , “ sagte Max Brunnow , als er in die Wohnung seines Freundes trat . „ Ich glaube , alle Welt hat sich in die Ansicht des Hofrathes Moser verrannt , daß ich nothgedrungen staatsgefährlich sein müsse , weil ich den Namen Brunnow trage . Ueberall sieht man mich mit verdächtigen oder hochachtungsvollen Blicken an , je nach der Parteistellung . Es ist diesen Menschen schlechterdings nicht beizubringen , daß ich ein friedfertiger Arzt bin , der nicht daran denkt , Revolutionen anzuzetteln und Regierungen zu stürzen , sondern im Gegentheil die vortrefflichsten Anlagen zu einem ganz musterhaften Staatsbürger hat . Aber das glaubt mir Niemand , und nun bin ich mit meiner verhängnißvollen Familientradition auch noch in dieses aufgeregte R. gerathen , das fortwährend die krampfhaftesten Versuche macht , seinen Gouverneur abzuschütteln und sich dabei äußerst revolutionssüchtig zeigt . Aber Seine Excellenz sitzen fest im Sattel und setzen dem widerspänstigen Roß bei jedem Sprunge , den es macht , die Sporen tiefer in die Seiten . Der ist Euch Allen gewachsen . “ Assessor Winterfeld , der in der Sopha-Ecke lehnte , hatte ganz gegen seine Gewohnheit den Freund nicht begrüßt . Er achtete kaum auf dessen Worte und sagte jetzt in mattem gedrücktem Tone : „ Gut , daß Du kommst , Max ! Ich wollte Dich soeben aufsuchen , um Dir eine Neuigkeit mitzutheilen . “ Max wurde aufmerksam . „ Was giebt es denn ? Ist Dir etwas Unangenehmes widerfahren ? “ „ Ja . Ich verlasse R. – wahrscheinlich auf immer . “ „ Um Himmelswillen , was ist denn vorgefallen ? Du willst fort ? “ „ Ich will nicht – ich muß . Heute Morgen habe ich die Nachricht von meiner Versetzung nach der Residenz und an das Ministerium erhalten . “ „ An das Ministerium ? “ wiederholte Max . „ Ist das eine Beförderung oder – “ „ Nein , es ist ein Gewaltschritt des Gouverneurs , “ brach Georg mit Bitterkeit aus . „ Ich soll fort aus Gabriele ’ s Nähe ; es soll uns in Zukunft jede Begegnung unmöglich gemacht werden . Raven hat es mir ja angekündigt , daß er seine Macht schonungslos gebrauchen werde . Er macht die Drohung nur zu bald wahr . “ „ Du glaubst , daß diese Schritte gegen Dich von Deinem Chef ausgehen ? “ fragte der junge Arzt , der jetzt auch ernst geworden war . „ Es ist sein Werk allein . Er ist einflußreich genug in der Residenz , um mich in eine der dortige Vakanzen einzuschieben , noch dazu , wenn es unter dem Vorwande der Verwendung für einen strebsamen jungen Beamten geschieht , dem man vorwärts helfen möchte . Ich weiß , daß von meiner Versetzung nie die Rede gewesen ist , sie trifft mich jetzt wie ein Blitzstrahl . Freilich , ich hätte den Freiherrn kennen sollen . Er droht nie , aber er weiß zu treffen . Seit unserer letzten Unterredung habe ich kein Zeichen seines Unwillens empfangen . Er vermied den Verkehr mit mir , und wenn er mir hin und wieder einige Worte sagen mußte , so geschah es kühl und geschäftsmäßig , aber ohne die geringste Hindeutung auf das Vorgefallene . Ebenso kühl und geschäftsmäßig kündigte er mir heute Morgen in der Kanzlei meine neue Bestimmung an . Er fügte sogar einige anerkennende Worte über einen Bericht hinzu , den ich für das Ministerium ausgearbeitet habe , und der ihm wahrscheinlich den Vorwand lieferte , die Sache einzuleiten . Das Ganze ließ sich wie eine besondere Bevorzugung an , und die Collegen gratulirten mir denn auch zu den brillanten Aussichten , die sich mir in der Residenz eröffnen . “ „ Da haben sie ganz Recht , “ bemerkte Max , der jetzt , wo die erste Ueberraschung vorbei war , die Sache wie gewöhnlich von der praktischen Seite nahm . „ Dein Chef mag persönliche Gründe gehabt haben ; allzu schlimm ist er gerade nicht mit Dir verfahren , als er Dir die Residenz und das Ministerium öffnete . Das ist der Boden , aus dem er seine eigene glänzende Carriere gemacht hat . Was hindert Dich , es ihm nachzuthun ? “ „ Was hilft es mir , “ rief Georg mit Heftigkeit , indem er aufsprang , „ wenn ich mich dort emporringe und emporarbeite , während mir hier Alles genommen wird , was mir das Leben und die Zukunft theuer macht ? Ich weiß , daß ich Gabriele verliere , wenn sie all den feindseligen Einflüssen , die unsere Liebe bedrohen , hier jahrelang preisgegeben bleibt . Eine Natur wie die ihrige kann da nicht Stand halten , und ich ertrage es nicht , sie zu verlieren . “ Der junge Arzt hatte in aller Ruhe die leer gewordene Sopha-Ecke eingenommen und schien die Erregung seines sonst so besonnenen Freundes sehr wenig zu begreifen . „ Du bist ja ganz außer Dir , “ sagte er . „ Was meint denn Fräulein von Harder zu der Trennung ? Ist sie überhaupt schon davon unterrichtet ? “ „ Das weiß ich nicht . Mir ist ja jeder Verkehr mit ihr abgeschnitten , aber ich muß sie vor meiner Abreise noch einmal sehen und sprechen , ich muß , koste es was es wolle ! Wenn mir kein anderer Ausweg bleibt , so gehe ich geradewegs zu der Baronin Harder und erzwinge mir den Abschied von meiner Braut . “ Max zuckte die Achseln . „ Nimm es mir nicht übel , Georg , das ist eine unsinnige Idee . Die Baronin steht zweifellos unter dem Einfluß ihres Schwagers , und der läßt sich sicher nichts abtrotzen . Laß uns die Sache einmal vernünftig überlegen ! Vor allen Dingen – wann mußt Du fort ? “ „ Schon in den nächsten