Blick senkte sich tief und tiefer in den seinigen , “ vielleicht kann ich meinen künftigen Gatten zu einem längeren Aufenthalte am Rhein bestimmen . Ich weiß jetzt , es bedarf nur eines einzigen Wortes aus meinem Munde , und er kommt Ihnen als Freund entgegen . Sie dürfen diese Hand nicht zurückstoßen , Walther ; Sie werden Ihre Empfindungen beherrschen lernen , werden es lernen , auch mir dann zu nahend als Freund , als — Bruder — “ “ Johanna ! ” unterbrach er sie mit einem wilden , leidenschaftlichen Aufschrei . Sie schwieg , aber ihr Auge ließ nicht ab von seinen Zügen ; es hatte jetzt denselben Ausdruck wie bei der ersten Nachricht in N. , als erwarte sie in der nächsten Minute die Entscheidung über Leben und Tod . „ Und das sagst Du mir ? ” brach er jetzt mit schmerzlicher Bitterkeit aus . „ Das muß ich von Deinen Lippen hören ? Willst Du den Schwärmer , den Träumer in mir verspotten , oder träumst Du selbst von einem idealen Freundschaftsbunde , wo die Liebe zum Frevel wird ? Täusche Dich nicht ! Zwischen Geistern mag ein solcher Weg möglich sein , zwischen Herzen nicht ; da entstammt er nur der Kälte oder dem Verbrechen . Ich habe auch einst an solchen krankhaften Träumen gehangen in der Einsamkeit meines Studirzimmers , abgeschlossen von der Welt ; da kam die Liebe zu Dir und riß mich hinaus in ’ s Leben , in die volle heiße Wirklichkeit , und das Leben und die Wirklichkeit verlangen jetzt ihre Rechte . Ich muß Dich besitzen oder Dich verlieren auf ewig ! Es giebt kein Drittes zwischen uns ! ” Das war der volle glühende Ton der Leidenschaft ; sie wehte stürmisch hervor aus seinen Worten , aus seinem ganzen Wesen , und vor ihr sank die letzte Stütze , an die sich Jane noch geklammert ; aber sie stand plötzlich aufrecht ohne Halt . Mitten durch die Gewißheit eines grenzenlosen Unglücks brach in diesem Moment ein Gefühl , das mächtiger war als selbst die Verzweiflung . Seine Worte waren nur das Echo ihrer eigenen Seelen ; sie wurde geliebt , wie sie selbst liebte . Sie athmete tief auf . “ Du hast Recht , Walther ! Es ist Frevel , ich sehe es jetzt auch ! Zwischen uns Beiden giebt es hinfort nur noch ein Gebot — Trennung ! ” Er zuckte zusammen bei dem Worte . „ Und das vermagst Du so gefaßt auszusprechen ? Und darin meinst Du soll auch ich mich fügen , ohne zuvor das Aeußerste versucht zu haben ? Johanna , noch bindet Dich kein heiliger Schwur ; ein Versprechen kann gelöst , ein Wort zurückgegeben werden — sind Deine Gelübde unwiderruflich ? ” „ Sie sind es ! ” „ Bedenke , ” seine Stimme bebte in stürmischem Flehen , “ es gilt mein ganzes Lebensglück , es gilt das Deine ! Du rettest uns beide mit einem einzigen Entschluß . Kannst Du die Bande nicht zerreißen , die Dich an diesen Alison knüpfen ? ” Hier wurde mit heftigem Geräusch die Thür aufgerissen und Friedrich ’ s mächtige Stimme schallte herein . “ Herr Lieutenant ! Der Herr Major lassen bitten , augenblicklich bei ihm zu erscheinen ! ” Walther wendete sich um . „ Was giebt es ? “ frug er verstört . „ Wohin soll ich ? " „ Zum Herrn Major , alle die Herren Officiere sind da versammelt ! " „ Es ist gut , ich werde kommen ! " Die Thür fiel wieder in ' s Schloß , man hörte den schweren Schritt Friedrichs sich entfernen . Walther wendete sich noch einmal zu Jane zurück , sein Antlitz war todtenbleich , nur in den Augen brannte eine wilde Unruhe . „ Du hörst es , ich muß fort ! Wir sind im Kriege , die nächste Stunde , der nächste Augenblick schon kann uns von einander reißen . Johanna , ich frage Dich zum letzten Male , kannst und willst Du nicht die Meine werden ? " „ Nie , Walther ! Und gäbe Alison mich frei und fiele jede andere Schranke — niemals ! “ „ So lebe wohl ! “ stieß er verzweifelt hervor und streckte die Arme aus , als wolle er sie an seine Brust reißen , aber mit einer zuckenden Bewegung wich Jane zurück und hob abwehrend die Hand . Einen Moment lang stand er wie erstarrt vor ihr , dann neigte er sich tief und fremd . „ Sie haben Recht , Miß Forest ! Leben Sie wohl ! “ Er war fort , Jane blieb allein zurück , allein mit der Felsenlast auf ihrer Brust , denn noch war der letzte Schleier nicht gehoben , das letzte Wort nicht gesprochen worden . Wohl hatte es sich gewaltsam auf ihre Lippen gedrängt , aber eine fremde Macht hatte es zurückgehalten , die Furcht , ihn noch mehr leiden zu sehen , als durch ihr bloßes Nein . Sie , die sonst Niemand schonte , weil sie stets schonungslos gegen sich selbst war , zitterte jetzt vor einem fremden Schmerz . Zum ersten Male verlor das harte „ es muß sein “ des Vaters seine Kraft , zum ersten Male konnte sie nicht , einer unabwendbaren Nothwendigkeit gegenüber . Sie hatte all ' den Kämpfen und Qualen fest die Stirn geboten , aber als es jetzt darauf ankam , auch ihn diesen Kämpfen preiszugeben , da regte sich das Weib in ihr mit all ' seiner Angst , all ' seiner Zaghaftigkeit , sie bebte scheu und feig zurück vor dem entscheidenden Worte — um seinetwillen . „ Morgen ! Bis dahin hat er sich mit dem Verluste vertraut gemacht , er wird dann auch das ‘ Warum ’ leichter tragen , jetzt hätte es ihn vernichtet ! Aber “ — hier war es auch mit Jane ' s Kraft zu Ende , ihre Stimme brach in einem