und trippelte neben ihr her . » Und Tante Klaudine ist auch zu Hause « , plapperte sie , » sie sitzt in ihrer Stube und schreibt und ist so fein angezogen . « An der Haustür blieb das Kind stehen und schüttelte den blonden Kopf . » Ich gehe wieder zu Heinemann « , erklärte sie und lief eilends davon . Beate stieg die schmale Treppe empor und klopfte an die Tür ihrer Cousine . Klaudine saß in der Tat am Schreibtisch , aber sie schrieb nicht mehr . Vor ihr lag ein fertiger Brief . » O Beate , du ? « sagte sie müde und kam der Eintretenden entgegen . » Ei , ei ! « scherzte diese . » In Weiß mit blauen Schleifen ? Was ist denn los ? Willst du nach Altenstein ? « Das Mädchen nickte . » Ich hatte abgesagt heute früh , aber die Herzogin ließ es nicht gelten . Sie schrieb mir , wenn ich nicht kommen wolle , würde sie zu mir kommen . Sie will hier vorüberfahren und mich abholen . « Sie schaute dabei ergeben an Beate vorüber . » Es ist so heiß « , fuhr sie fort , » ich sehnte mich nach einem lichten Kleide . Man sagt immer , die Farbe der Kleidung habe Einfluß auf die Stimmung , nun – ich könnte ebensogut – « » Schwarzen Flor anhaben « , ergänzte Beate und setzte sich . » Was ist dir denn ? Du siehst aus , als ob du Kopfweh hättest ! « und sie sah befremdet in die abgespannten Züge Klaudines . » Mir fehlt eigentlich gar nichts , Beate . « » Eigentlich ? Na , das hast du noch vom Hofe , so eine unglückliche Hofdame muß sich immer › wohl ‹ befinden , wie ein Ballettmädel immer lächeln muß , auch wenn sie kaum noch Atem kriegt . « » Beate , du übertreibst « , sagte Klaudine ruhig , » nein , ich bin nicht krank , aber denke – vielleicht verreise ich auf einige Zeit . « » Du ? « rief die Cousine , » jetzt ? « » Ja , ja ! Schweige aber darüber . Joachim weiß es noch nicht « , erwiderte sie . Und ehe noch Beate die Frage aussprechen konnte , die auf ihren Lippen schwebte , fiel Klaudine ein : » Ist dir Joachim nicht begegnet ? « » Nein ! « antwortete Beate leise . » Ich glaube , er wollte Lothars Besuch erwidern ! Du weißt , das ist ein Entschluß für ihn . Er ging vorhin erst fort , ich bin überzeugt , er braucht drei Stunden zu dem Wege , denn beim Gehen wird ihm allerlei einfallen , und da setzt er sich dann hin und schreibt und notiert und vergißt Zeit und Ort . « » Er wird Lothar nicht antreffen « , sagte zögernd Beate . » Lothar ist nach Lobstedt . « » Nach Lobstedt ? « fragte Klaudine , » will er verreisen ? « » Nein , er erwartet Prinzeß Thekla mit Tochter . Weißt du das noch nicht ? Sie will vier Wochen in Neuhaus bleiben , um ihr Enkelchen zu genießen . « » Nein – « sagte Klaudine tonlos . Es war so still in dem Zimmer , daß selbst das leise Ticken der kleinen brillantbesetzten Taschenuhr hörbar ward , die auf dem Schreibtischchen in zierlichem Perlmutterständer hing . Beate schaute sehnsüchtig durchs Fenster , sie wäre am liebsten gegangen . Sie dachte an ihren Hausfrauenposten , den sie heute , gerade heute treulos verlassen hatte , und dann sah sie eine Männergestalt in dem dämmerigen Flur des Neuhäuser Schlosses , wie sie vor einer Tür stand , auf der in Kreideschrift zu lesen war : » Verbotener Eingang ! « Und sie sah , wie dieser Mann den Kopf schüttelte und wieder umwendete . Er durfte nicht so fort , nein , nein ! Vielleicht käme er nie wieder ! Sie sprang plötzlich empor . » Verzeih , Klaudine , ich möchte doch lieber heim , du weißt , es ist allerlei zu besorgen . « Die Lüge erstarb ihr auf den Lippen , sie war jäh errötet . » Leb wohl , mein Schätzchen ! « » Leb wohl , Beate ! « » Um Himmels willen , du bist krank , Klaudine ! « rief Beate und starrte ihre Cousine an , erst jetzt bemerkend , daß deren Antlitz völlig entfärbt war . » Nein , o nein ! « wehrte diese . Und jetzt zog eine wahre Purpurglut über Stirn und Wangen . » Ich bin gesund , ganz gesund ! Geh nur « , drängte sie dann , » geh , ich bin völlig kräftig , ich begleite dich hinunter . O , sicher hast du noch vieles vorzubereiten , und sage Joachim , wenn du ihn triffst , daß er gehen soll , ehe die Damen anlangen , er ist so scheu , weißt du , so sonderbar . « » Er braucht sie gar nicht zu sehen ! Ich habe mein Zimmer für mich « , murmelte Beate . » O , da kennst du Prinzeß Helene nicht ! « klang es bitter . » So ? « fragte Beate , indem sie neben Klaudine die Treppe hinunterschritt . » Na , da gib mir doch einige Winke über diese kleine Prinzessin , von Lothar ist kein Wort herauszubringen . « » Beate – ich – weißt du , ich bin nicht unparteiisch genug , um gerecht zu sein . Sie mag mich nicht , glaube ich , und kehrt mir gegenüber stets die schnippische Seite heraus . Diejenigen , denen sie wohl will , sind entzückt von ihr . Sie ist ein Sprühteufelchen , anziehend , ohne gerade hübsch zu sein , voller Leben , launisch – « Sie stockte . » Ja , ja « , sagte