der Tasche , und den jungen Männern gar oft das Herz aus dem Leibe ... Passen Sie nur auf , Herr Markus , die Geschichte mit dem Henkeldukaten ist noch nicht zu Ende – wir werden noch was erleben ! « » Warten wir ' s ab ! « schnitt er ihre Rede kurz und barsch ab und griff nach den Büchern auf dem Tische , welche das Mädchen gebracht hatte . » Na ja , etwas anderes wird uns auch nicht übrigbleiben – aber viel Geduld werden wir nicht brauchen , « sagte sie trocken und sah ihm kopfschüttelnd nach , wie er mit den Büchern das Gartentreppchen hinab nach dem Gutshause ging und sie mit all ihren herbeigeschleppten Herrlichkeiten allein im Gartenhaus stehen ließ . Später aber wurde sie ernstlich böse , denn der Gutsherr war direkt aus dem oberen Stock in den Wald hineingegangen , wie die Mägde sagten . Und Herr Peter Griebel schmunzelte – er setzte sich eben zum Vesperbrot unter den Birnbaum im Hofe nieder – und drehte gemütlich die Daumen umeinander , wie sie vor ihn hintrat und in etwas beschleunigtem Tempo sagte : » Der gute Mann denkt wohl , die Griebel sei eigens für ihn auf die Welt gekommen ? Ja , prosit ! – Da hab ' ich nun bei der Hitze und Glut den Kaffee fertig gemacht , bin in den Keller nach Selterwasser gerannt , hab ' ein selbstgesponnenes , noch ganz schönes Bettuch seinetwegen zerschnitten – das wurmt mich am allermeisten ! – und in allen Kasten und Schränken nach der Arnika gesucht , und das alles – für die Katze ! Er soll mir nur wiederkommen ! « 16. Eine Zigeunerin sollte sie sein , die Rätselvolle ? im wilden Lagerleben wäre sie erblüht ? – Mit dieser kühnen Behauptung hatte die gute Griebel gleichsam einen Ball hingeworfen , den der Gutsherr fast wider Willen aufgefangen und seit gestern und heute belachte , halb mit stutzigem Auge prüfte . Er lachte , wenn er sich die geistige Anmut , die fest hervortretenden Charakterzüge des Mädchens vergegenwärtigte , welche unleugbar auf Schulbildung und gesitteten Umgang hinwiesen ; er lachte , daß die braunen Augen – Frau Griebel hatte sie im Zorn für schwarz erklärt – ihren ernsten Mädchenblick , die weiße Haut den Schmelz bewahrt haben sollte im wüsten Hordenleben von Kindesbeinen an – nein , eine wilde Blume war sie nicht ! Und doch drängten sich ihm dunkle Vermutungen auf . Waren die rätselhaften Besucher des Forstwärterhauses vielleicht Elemente eines Lebenskreises , dem sie entflohen ? Hatten sie ihr nachgespürt und machten ihr Anrecht geltend , und der Forstwärter , der » goldtreue « Kamerad , beschützte die lichtscheuen Zusammenkünfte des Nomadenvolkes in seinem Hause möglicherweise nur , um die Stammesgenossen allmählich zu beschwichtigen und das Mädchen mit der Zeit loszuketten ? Das war abenteuerlich , und wenn er an sie dachte , an ihre strenge Arbeit , an die beispiellose Hingebung und Pflichttreue ihrer Herrschaft gegenüber , so verwarf er jenen Gedanken als widersinnig , als durchaus lächerlich ... Aber er hatte sie gestern abend wieder im Waldhüterhaus gesehen . Nach langem Umherirren im Walde hatte er sich – ganz gegen seinen Willen , natürlicherweise – doch auf der alten Fährte wiedergefunden ; sie war für ihn der gefeite Ring , den die Seelen verstorbener Bräute , die Willis , nächtlicherweile um ein Opfer ziehen , sie war wie das Wildgatter , an welches der Hirsch vergebens sein Geweih bohrt – über den Bann hinaus , der den Hirschwinkel und das Stückchen Grafenholz mit dem Forstwärterhaus umkreiste , kann auch er nicht mehr . Nun , er hatte sie belauscht , und zwar in später Abendstunde . Ehe er sich dessen selbst versehen , hatte er auf der Bank unter den zwei mit blauen Rollvorhängen verhangenen Eckfenstern gestanden ; von diesen Fenstern war aber auch ein bläulich blasses Licht ausgegangen , ein magischer Schein , ebenso verlockend und anziehend für ihn , wie für die aus Busch und Sumpf herbeitaumelnden Motten- und Mückenscharen . Der eine leicht verschobene Vorhang hatte ihm einen schmalen Einblick in die geheimnisvolle Eckstube gewährt , und weil es so still rings im tiefdunkelnden Walde gewesen war , so totenstill , als sei Leben und Atem unter der lastenden Schwüle erstickt , so hatte er deutlich das Murmeln einer männlichen Stimme hinter den geschlossenen Scheiben hören können . Es hatte eintönig , fast wie die Beichte eines bedrückten Gemüts geklungen und war öfter durch schweres Atemholen oder einen schmerzlichen Seufzer unterbrochen worden . Das Lampenlicht hatte die geräumige Stube nicht zu durchdringen vermocht , die größere Hälfte derselben war im düsteren Halbschatten verblieben , und da hatte das Mädchen gesessen , still , den Kopf an die hohe Stuhllehne gedrückt und den linken Arm hingestreckt – er hatte ausgesehen , als halte jemand ihre Hand in der seinen , manchmal war ein leichtes Schütteln durch den Arm gegangen . Herr Markus hatte sich nach Kräften bemüht , zu erforschen , welcher Mensch da seitwärts in der dunklen Ecke sitze , so ohne Unterbrechung in das Mädchen hineinrede und ihre Hand in der seinen festhalte , als sei sie sein unbestrittenes Eigentum ; aber der unausstehliche Fensterrahmen hatte sich gerade da breit gemacht , und der Unsichtbare war durchaus nicht so gefällig gewesen , sich auch nur ein einziges Mal vorzubiegen . So verschleiernd auch das Halbdunkel gewesen war , das blasse Mädchengesicht hatte doch hindurchgeleuchtet ; schmerzhaft war sein Ausdruck gewesen , und die geschmähten Augen , die keine Tränen haben sollten , hatten umflort und trübe an dem Sprechenden gehangen . Dann hatte sie sich plötzlich horchend emporgerichtet – näherkommendes Pferdegetrappel , das Herrn Markus schon längst erregt und beunruhigt hatte , mochte nun auch an ihr Ohr gedrungen sein . Es war hohe Zeit gewesen , den Lauscherposten zu verlassen . Herr Markus hatte das Dickicht aufgesucht , und gleich darauf war ein Reiter um die Wegecke gekommen .