Umgebung Frankfurt ' s ist nach ihm gleichsam durch wühlt worden , allein Alles vergeblich ; er war und blieb verschwunden , und mag auch der Verdacht der schrecklichen That , der auf ihm lastet , vollkommen gerechtfertigt sein , Johanna kann nicht , darf nicht die Tochter eines Selbstmörders genannt werden . Mag aber Gott verhüten , daß sie jemals eine Ahnung von diesem Verdacht erhält ; ich bin überzeugt , das zarte Kind würde unter der Wucht dieses Bewußtseins zusammenknicken , wie eine vom Nachtfrost getödtete Blume . – « » Leider ist es nur zu gewiß , daß mein unglücklicher Bruder in einem Anfall von Schwermuth Hand an sich selbst legte . Hätte der Umstand , daß man nie eine Spur von ihm entdeckte , noch irgend welche Zweifel gestattet , durch den Brief , welchen er an Johanna ' s Mutter richtete , wären sie bis auf den letzten beseitigt worden . « » Ja , auch an seine Frau hatte er einen Brief hinterlassen und ich habe ihn selbst gelesen . In demselben sprach er die Hoffnung aus , sie dereinst im Jenseits wiederzufinden . Er beschwor sie , wenigstens sein Andenken , wenn auch nur Johanna ' s wegen , zu ehren und das Unrecht , welches sie ihm angethan , dadurch zu sühnen , daß sie nie den Versuch mache , sein und ihr Kind der Religion zu entfremden , in welcher es getauft worden , im Gegentheil , streng aus die Erfüllung seines letzten Willens halte . Daß sie sich an ihm versündigt , vergab er ihr ; er vergab ihr in der festen Hoffnung , daß sie in der von ihm angedeuteten Weise handeln werde . « » Du hast frei sein wollen , und Du bist es , schloß er seinen Brief , aber ich habe Dir die gewünschte Freiheit in einer Weise zurückgegeben , daß nicht Dich , sondern mich allein der Vorwurf trifft . Thue Du nun das Deinige , erfülle die letzte Bitte , welche ich in diesem Leben an Dich richte , und erhalte unser Kind , meine einzige Johanna , über die Gott seinen reichsten Segen ausschütten möge , in Ungewißheit über das Ende ihres Vaters . « » Das waren die Worte , die er an seine Gattin richtete ; ich habe sie nicht vergessen , und in meiner letzten Stunde werden dieselben mir noch in den Ohren klingen , in meiner letzten Stunde , wenn ich um Gnade und Erbarmen für meinen armen unglücklichen Bruder zu Gott flehe . « So sprechend ließ der Oberstlieutenant das Haupt aus die Brust sinken und längere Zeit schritten wir schweigend neben einander hin . Er war zu tief ergriffen , als daß er noch im Stande gewesen wäre , zu seinen eigenthümlichen äußern beruhigenden Hülfsmitteln seine Zuflucht zu nehmen , und ich wieder vermochte vor innerer Bewegung nicht , irgend eine Frage an ihn zu richten und die Gefühle meiner aufrichtigsten Theilnahme in Worte zu kleiden . » Es wird Zeit , daß wir umkehren , « sagte er endlich , wie aus einem Traum emporschreckend ; » was mir noch zu berichten bleibt , ist nicht mehr viel ; ich werde damit zu Ende kommen , lange bevor wir die Oberförstern erreichen . « Nachdem wir eine kurze Strecke des Heimweges zurückgelegt hatten , richtete er sich wieder kräftig empor , seine Hand fuhr zuerst nach seinem blinden Auge , demnächst einigemal nach beiden Seiten ordnend über den Schnurrbart hin , und dann begann er : » Mein Bruder , der arme Kerl , hat also , weil ihm die Last , die ihm auferlegt worden war , zu schwer zu ertragen schien , der Vorsehung vorgegriffen und gleichsam sterbend seiner Gattin ihr Verhalten seiner Tochter gegenüber genau vorgeschrieben . – « » Was ich nie für möglich gehalten hätte , geschah . Das durch ihre Schuld herbeigeführte frühzeitige Ende meines Bruders , mehr aber noch seine Worte der Vergebung hatten Johanna ' s Mutter tief erschüttert und sie vollständig umgewandelt . Niemand hat sie seit jener Zeit wieder lächeln gesehen . Sie trotzte den Gerüchten , welche über sie im Umlauf waren , und beachtete nicht , daß vielfach Blicke einer heimlichen Scheu sie trafen und daß man sie mied . Die Nahe ihrer Tochter , für welche sie jetzt nur noch allein lebte , ließ sie Alles mit Gleichgültigkeit ertragen , und sie blieb in Frankfurt . Zu den festgesetzten Stunden , welche später durch meine Vermittelung sich häufiger wiederholten , besuchte sie Johanna , sonst aber lebte sie zurückgezogen in einem kleinen Hause , in welchem sie nur in den schwereren Arbeiten von einer Aufwärterin unterstützt wurde . Sie sparte sogar noch etwas von dem geringen Einkommen , welches sich auf die Zinsen ihrer eigenen paar tausend Thaler beschränkte , was sie mir regelmäßig für Johanna einsendete , und verbrachte sie daher ihre Zeit , wie eine aufrichtige Büßerin , in Arbeit und Gebet . « » Bei einer solchen Lebensweise , und gefoltert von endlosen Gewissensbissen , konnte es nicht fehlen , daß der Keim zu einer tödtlichen Krankheit , welcher wohl schon immer in ihrer Brust gelegen haben mag , allmälig mehr hervortrat und sie endlich ganz an ihr Lager fesselte . « » Es war im vierten Jahre nach dem Tode meines Bruders , als sie Johanna zum letzten Mal besuchte , doch wurde sie dadurch des Verkehrs mit ihrer Tochter keineswegs beraubt ; im Gegentheil , diese durfte ganze Tage bei ihr zubringen und um sie sein . Von einer Aenderung der Religion des Kindes sprach sie nie wieder ; der letzte Wille ihres Gatten war ihr ein göttliches Gesetz . Obwohl sie es hätte verlangen können , ihre Tochter , wenn auch unter fremder Aufsicht , beständig bei sich zu haben , machte sie doch leinen Versuch dazu ; sie befürchtete dadurch den Wünschen ihres verstorbenen Gatten zuwider zu handeln . « » Ob der Verkehr mit