, wenn ein Geist in Thornfield Hall wäre , so würde er sich hier aufhalten . " " Das denke ich auch ; Sie haben also keinen Geist hier ? " " Keinen , wovon ich je gehört hätte , entgegnete Mistreß Fairfax lächelnd . " Auch keine Sage von einen ? keine Legenden oder Geistergeschichten ? " " Ich glaube nicht . Freilich sagt man , daß die Rochesters mehr ein stürmisches , als ein ruhiges Geschlecht zu ihrer Zeit gewesen ; doch ist das vielleicht der Grund , daß sie jetzt still in ihren Gräbern ruhen . " " Ja , nach dem glühenden Fieber des Lebens schlafen sie ruhig , flüsterte ich . " Wo gehen Sie jetzt hin , Mistreß Fairfax ? " fragte ich , als sie weiter ging . " Auf das Bleidach . Wollen Sie mit und die Aussicht von dort sehen ? " Ich folgte ihr eine sehr schmale Treppe hinauf , die auf den Boden führte , und von dort vermöge einer Leiter und durch eine Fallthür auf das Dach des Gebäudes . Ich war jetzt in gleicher Höhe mit der Dohlencolonie und konnte in ihre Nester sehen . Indem ich mich über die Zinnen lehnte und hinunterblickte , sah ich die Gegend wie eine Karte vor mir : den sammetartigen Rasen , der das graue Fundament des Hauses umgab , den Park mit seinen alten Bäumen ; den Wald von einem grün überwachsenen Wege getheilt , grüner von Moos , als die Bäume von dem Laubwerk waren ; die Kirche vor den Thoren , den Weg , die stillen Hügel , in der Sonne des Herbsttages ruhend , den Horizont von einem heiteren Himmel begrenzt , und nur hier und da mit perlenhellem Weiß marmorirt . Nichts war außerordentlich in der Scene , aber Alles war lieblich . Als ich mich von der Aussicht abwendete und wieder durch die Fallthür hinunterstieg , konnte ich kaum meinen Weg die Leiter hinunter finden . Der Hausboden schien schwarz wie ein Gewölbe im Vergleich zu dem blauen Himmelsbogen , zu dem ich aufgeblickt , und zu der sonnigen Scene von Wald und Weiden und grünen Hügeln , wovon die Halle der Mittelpunkt war , und über die ich mit Entzücken hingeschaut . Mistreß Fairfax blieb noch einen Augenblick zurück , um die Fallthür wieder zu schließen ; ich tappte umher , bis ich den Ausgang wieder fand , und stieg die schmale Treppe hinunter . Ich verweilte in dem langen Gange , der die Vorderzimmer von den hintern Zimmern des dritten Stocks trennte . Er war niedrig , schmal und düster , nur am äußersten Ende von einem kleinen Fenster erleuchtet , und glich mit den beiden Reihen kleiner schwarzer Thüren , die alle verschlossen waren , dem Corridor in dem Schlosse eines Blaubart . Während ich langsam weiterging , traf ein Lachen mein Ohr -- der letzte Ton , den ich in einer so stillen Region zu hören erwartet hatte . Es war ein seltsames , deutliches , gemessenes und freudeloses Lachen . Ich blieb stehen : der Ton verstummte auf einen Augenblick . Dann begann es wieder lauter , denn zuerst war es nur sehr leise , obgleich deutlich gewesen . Darauf ging es in ein wildes Geschrei über , welches in jedem einsamen Zimmer ein Echo zu erwecken schien , obgleich es nur ans einem hervorkam und ich die Thür desselben hätte zeigen können . " Mistreß Fairfax ! " rief ich , denn ich hörte sie jetzt die große Treppe hinuntergehen . " Hörten Sie das laute Lachen ? Wer ist es ? " " Wahrscheinlich eine von den Dienerinnen , " antwortete sie ; " vielleicht Gratia Poole . " " Hörten Sie es ? " fragte ich wieder . " Ja , ganz deutlich : ich höre sie oft . Sie näht in einem dieser Zimmer . Zuweilen ist Lea bei ihr , und sie machen viel Geräusch zusammen . " Das Lachen wurde in leisem und abgemessenen Tone wiederholt , und endete mit einem seltsamen Gemurmel . " Gratia ! " rief Mistreß Fairfax . Ich erwartete in der That nicht , daß eine Grazie antworten würde , denn das Lachen war so tragisch , so übernatürlich , wie ich nur je eins hörte . Doch es war Mittag und das seltsame Lachen von keinem weiteren geisterhaften Umstande begleitet ; weder die Scene , noch die Stunde begünstigte die Furcht , sonst hätte ich wirklich einen abergläubischen Schrecken empfunden . Aber das Ereignis zeigte mir , daß ich eine Thörin sei , deshalb auch nur Ueberraschung zu empfinden . Die mir zunächst befindliche Thür öffnete sich und eine Dienerin kam heraus , ein Frauenzimmer zwischen dreißig und , vierzig Jahren . Sie war von untersetzter Gestalt , hatte rothes Haar und ein rauhes und gewöhnliches Gesicht : eine weniger romantische , oder weniger geisterhafte Erscheinung hätte man sich kaum denken können . " Zu viel Lärm , Gratia , sagte Mistreß Fairfax . " Denke an Deine Befehle ! " Gratia verneigte sich schweigend und ging wieder hinein . " Es ist eine Person , die wir zum Nähen haben , und die Lea in der Hausarbeit unterstützen muß , fuhr die Wittwe fort ; " in einiger Hinsicht ist sie nicht ganz ohne Fehler , doch ist sie zu ihrer Arbeit immer gut genug . -- Nun sagen Sie mir doch auch , wie sind Sie diesen Morgen mit Ihrer neuen Schülerin ausgekommen ? " Hier wendete sich die Unterhaltung zu Adelen , bis wir die untere helle und heitere Region erreichten . Adele kam uns im Vorsaale entgegen gelaufen und rief : " Meine Damen , es ist servirt . Ich habe großen Hunger ! " Wir fanden das Mittagessen in dem Zimmer der Mistreß Fairfax bereit . Zwölftes Kapitel . Die Erwartung eines ruhigen und friedlichen Lebens , welches mir der gemüthliche Empfang in Thornfield Hall zu verheißen schien , wurde bei einer